Transrapid-Unglück Drei Mitarbeiter der Teststrecke angeklagt


Elf Monate nach dem schweren Transrapid-Unglück im Emsland hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Fahrdienstleister und zwei Betriebsleiter erhoben. Ihnen werden fahrlässige Tötung in 23 und fahrlässige Körperverletzung in elf Fällen vorgeworfen.

Knapp ein Jahr nach dem Transrapid-Unglück in Lathen wird Anklage gegen drei Beschäftigte der Teststrecke erhoben. Der damals diensthabende Fahrdienstleiter und zwei Betriebsleiter der Versuchsanlage müssen sich wegen fahrlässiger Tötung in 23 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in elf Fällen vor Gericht verantworten, wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück mitteilte.

Der Fahrdienstleiter habe eine elektronische Fahrwegsperre nicht eingelegt und damit gegen Betriebsvorschriften verstoßen. "Er hat seine Sorgfaltspflicht verletzt", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Jörg Schröder in Osnabrück. Dem Betriebsleiter und seinem Vorgänger wird vorgeworfen, notwendige Vorschriften nicht erlassen zu haben.

"Das Fahrzeug war schlicht und einfach vergessen worden"

Der Transrapid war bei einer Messfahrt, bei der auch Touristen an Bord waren, mit Tempo 160 auf einen Werkstattwagen geprallt, der noch auf der Strecke stand. "Das Fahrzeug war schlicht und einfach vergessen worden", sagte Schröder. "Hätte der Fahrdienstleiter ordnungsgemäß gearbeitet, wäre der Unfall mit Sicherheit nicht passiert."

Dem Betriebsleiter und seinem Vorgänger sei vorzuwerfen, dass die Vorschriften zur Leittechnik nicht ausreichend geregelt waren. Der Unfall sei auch dadurch verursacht worden, dass der Streckenabschnitt um das Wartungsfahrzeug nicht für den Transrapid gesperrt worden sei. Die beiden Betriebsleiter hätten das Setzen der Fahrwegsperre in den Sicherheitsvorschriften nicht hinreichend geregelt. Die Anklage lege ihn ein Organisationsverschulden zu Last.

Das Sicherheitskonzept hat 20 Jahre funktioniert

Ihre Ermittlungen gegen einen zweiten Fahrdienstleiter und gegen die Geschäftsführer der Betreibergesellschaft der Teststrecke IABG, stellte die Staatsanwaltschaft ein. Für den bei dem Unglück auf dem Leitstand der Teststrecke anwesende zweite Fahrdienstleiter habe es keinen konkreten Aufgabenkatalog gegeben, sagte Schröder. Man könne ihm daher auch keine Pflichtverletzung vorwerfen. Der IABG-Spitze könne man nicht zur Last legen, für die Teststrecke offensichtlich unzuverlässiges Personal ausgewählt zu haben.

Der Fahrdienstleiter befindet sich nach Angaben seines Verteidigers seit dem Unfall in psychiatrischer Behandlung. Ein Ende der Behandlung sei nicht abzusehen. Der Verteidiger des früheren Betriebsleiters sagte, die Vorwürfe gegen die Betriebsleitung seien unbegründet. Es habe ein Sicherheitskonzept gegeben, das mehr als 20 Jahre lang funktioniert habe.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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