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Trend Elektrobikes: Für 50 Euro um die Welt

Steigende Spritkosten und verstärktes Umweltbewusstsein – was den Autofahrer ärgert, beflügelt die Fahrradbranche. Auf der internationalen Leitmesse Eurobike in Friedrichshafen zeigt sich, dass Räder mit Elektromotor zum Millionengeschäft werden. Kein Wunder: Mit Strom für 50 Euro könnte man um die ganze Welt radeln.

Von Christian Penning

Die Blicke an der Elektro-Bike Teststrecke am Messegelände sind skeptisch. Ein Teil der Räder sieht in der Tat eher nach Omas Einkaufsrad aus als nach trendigem Fortbewegungsmittel der Zukunft. Und schwer sind sie auch. 20 Kilo und mehr. Doch nach den ersten Pedalumdrehungen spiegelt sich Erstaunen in den Mienen der Testpiloten wieder. "Wow, das Ding geht ja ab wie `ne Rakete", entfährt es einem Mittdreißiger mit tätowiertem Oberarm. Das mag zwar etwas übertrieben sein, doch dank des unterstützenden Elektromotors beschleunigen die Räder in der Tat wie von einem Turbo gepusht. Und spätestens nach ein, zwei Runden hat jeder Tester ein entspanntes Grinsen im Gesicht. Pedelc (Pedal Electric Cycle) heißt der Glücklichmacher.

Die elektrisierende neue Art der Fortbewegung funktioniert nach dem Hybrid-Prinzip. Es handelt sich also nicht um einen permanenten Elektroantrieb. Erst wenn die Beine die Pedale bewegen, schaltet sich ein kleiner Elektromotor zu und sorgt sanft schnurrend für Extraschub. Selbst bergauf lässt einen das Gefühl nicht los, mit ordentlich Rückenwind zu radeln. Bis zu 300 Prozent beträgt die Unterstützung beim Strampeln.

Damit zählen die Pedelecs zu den großen Attraktionen auf der weltgrößten Fahrradmesse Eurobike. Über 900 Aussteller aus der ganzen Welt präsentieren bis zum 7. September ihre Neuheiten in Friedrichshafen. Der deutsche Fachhandel rechnet dieses Jahr mit etwa 100.000 verkauften Modellen dieses Radtyps. Aber die Zahlen sollen in den nächsten Jahren kräftig steigen. "Das wird ein Millionenmark", prognostiziert Erhard Mott vom Hersteller Vital Bike.

Die Genuss-Revolution: Kleiner Akku – großes Kino

Jahrelang fristeten E-Bikes als Mobile für Rentner und Personen mit Handicap allenfalls in den hinteren Ecke der Radläden ihr Dasein. Doch künftig werden sie wohl immer öfter ganz vorne im Schaufenster platziert. "Pedelecs sind umweltfreundliche Verkehrsmittel für die Stadt und gleichzeitig Wellness-Geräte." Gerade Menschen, denen Fahrradfahren bisher zu anstrengend war, sieht Mott als Käufer. "Steile Berge verlieren ihren Schrecken. Im Gegensatz zum vollmotorisierten Zweirad bleibt trotzdem ein Trainings- und Gesundheitseffekt." Fahrrad-Experte Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad spricht von einer "Genuss-Revolution". "Sogar auf dem Weg ins Büro gleitest du unglaublich flott und mühelos dahin – ohne zu schwitzen." Ein Flow-Erlebnis, das regelrecht high mache. "Du trittst in die Pedale und denkst sofort: Mensch, bin ich heute gut drauf." Kleiner Akku – großes Kino.

Den möglichen Durchbruch verdanken die Räder mit Elektroantrieb unter anderem technisch verbesserten Batteriesystemen. Moderne Lithium-Ionen Akkus sind vergleichsweise Platz sparend und leicht. So gelingt es dem City- und Reiserad-Spezialisten Riese und Müller, den Akku komplett in den Rahmen zu integrieren. Das Modell Jetstream Hybrid sieht aus wie ein ganz normales modernes Cityrad. Als Wolf im Schafspelz entpuppt es sich erst beim Blitzstart an der Ampel.

Eine Akkuladung reicht nach Herstellerangaben für etwa 50 bis 80 Kilometer. Nach vier bis sieben Stunden an der Steckdose sind die Akkus wieder einsatzbereit. Bei 25 Kilometer pro Stunde schaltet sich der Elektromotor automatisch ab. Denn nur unter dieser Voraussetzung gelten die E-Bikes noch als gewöhnliche Fahrräder. "So richtig Spaß machen natürlich Modelle, die 40 bis 50 km/h schnell sind", gesteht Susanne Brüsch, Chefredakteurin von ExtraEnergy, einer unabhängigen Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat E-Bikes zu testen und damit ihre Qualität zu verbessern. Auch solche Räder für Speed-Fans gibt es bereits, allerdings ist dafür ist eine Zulassung als Kleinkraftrad nötig.

Öko und sexy zugleich - Designer-Look und Off-Road-Optik

Mit Vollgas wollen die Hersteller mit den Pedelecs nun raus aus der reinen Rentnernische. Spätestens seit der Benzinpreis die 1,50-Cent-Schallmauer durchbrochen hat, ist umweltbewusstes Verhalten ein Stück Lifestyle. Modelle mit Carbonrahmen, edlem Designer- oder martialischem Off-road-Look sind noch nicht die Regel, geben aber einen Vorgeschmack darauf, wie die Zukunft der E-Bikes aussehen könnte: nicht nur öko sondern auch sexy.

Preislich beginnt die neue Leichtigkeit des Radelns bei rund 1500 Euro. Für hochwertige, perfekt ausgestattete Modelle gehen aber schon mal 3500 Euro und mehr über den Ladentisch. Doch verglichen mit den Betriebskosten eines Autos sind die Pedelecs gerade im Stadtverkehr eine enorm preiswerte Alternative. Der Energieverbrauch liegt bei wenigen Cent pro 100 Kilometer. "Für 50 Euro Energiekosten könntest du damit um die ganze Welt radeln - 40.000 Kilometer", rechnet Werner Schiller von der Firma BionX vor. Der kanadische Hersteller bietet für 1890 Euro Nachrüst-Kits an, mit denen sich der Elektro-Zusatzantrieb in jedes Rad mit Kettenschaltung einbauen lässt.

Nach einer Studie des französischen Elektrorad-Produzenten Matra Sports finden im Alltag 80 Prozent der Fahrten mit Verkehrsmitteln in einem Umkreis von fünf Kilometer um die Wohnung statt. Die täglich zurückgelegten Entfernungen überschreiten dabei kaum 25 bis 30 Kilometer. "Da stellt sich natürlich die Frage, ob dafür das Auto mit teuren Benzinkosten und hoher CO2-Belastung noch angemessen ist", sagt Gunnar Fehlau und fügt hinzu. "Da entsteht eine neue Geisteshaltung."

Deshalb prophezeien auch Verkehrsforscher dem Elektrobike eine glänzende Zukunft. Die CDU schrieb vor wenigen Wochen in ihr Grundsatzpapier zum Klima- und Umweltschutz: "Das Fahrrad spielt als umweltfreundliches Verkehrsmittel eine Schlüsselrolle". Und Trendforscher Matthias Horx bestätigt: "Der erste evolutionäre Gewinner des Klimawandels ist das Fahrrad."

E-Bikes: Waffe im Kampf gegen den Verkehrskollaps

Einige Städte gehen inzwischen soweit, im Fahrradverkehr den Ausweg aus einem drohenden Verkehrskollaps zu suchen. In London beispielsweise sollen bis zum Jahr 2010 zwölf verkehrsflussoptimierte Fahrradkorridore, die sternförmig von den Randbezirken in die City der 13-Millionen-Metropole führen, eingerichtet werden. Über 70 Millionen Euro jährlich sind dafür im Haushalt der britischen Hauptstadt reserviert. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2025 soll sich der Radverkehr vervierfachen.

Auch in Deutschland finden sich Beispiele für Städte mit ambitionierter Fahrradpolitik. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hat jüngst erst das Ziel ausgegeben, die bayerische Landeshauptstadt solle Deutschlands fahrradfreundlichste Stadt mit einem Radanteil von 15 statt derzeit 10 Prozent werden. Und die schwarz-grüne Regierung in Hamburg hat sich sogar eine Verdopplung des Radverkehrs auf 18 Prozent bis 2015 in den Koalitionsvertrag geschrieben.

Aber auch in Freizeit und Urlaub kommt die Moblitätsrevolution in Gang. Seit 15 Jahren beschäftigt sich der Schweizer Kurt Schär, Geschäftsführer der Marke Flyer, mit Elektro-Bikes. Dass immer mehr Menschen mit der Lohas-Bewegung (Lifestyle of Health and Sustainability) sympatisieren, ist für ihn Beweis, dass die Zeit nun reif für neue Mobilitätskonzepte ist. Er produziert nicht nur Pedelecs, sondern organisiert damit gleich noch Touren. Die Genussräder gibt es an mittlerweile 200 Verleihstationen in der Schweiz und in Deutschland zu leihen. Das Routennetz mit derzeit 200 Verleihstationen und zusätzlichen Servicepunkten zum Akkuwechsel will er weiter ausbauen, denn "die Resonanz ist super". 3000 Vermietungen registrierte er vergangenes Jahr auf einer der beliebtesten Routen durchs Emmental. Dieses Jahr sind es schon 10.000.

Noch haben die Pedelecs den großen Durchbruch nicht geschafft. Doch die Chancen stehen gut. Und möglicherweise werden sie ja noch besser, wenn ein Global Player in diesem Business mitmischt. "Vielleicht steigt ja bald die Autoindustrie ein", hofft Susanne Brüsch. "Dann wären die wären die Pedelecs endgültig raus aus der Bastlerecke."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.