Schwarzmeerküste Ölpest schlimmer als erwartet


Das Tankerunglück im Schwarzen Meer ist verheerender als bisher angenommen. Neben Öl sollen noch tausende Tonnen Schwefel das Wasser verseucht haben. 30.000 Vögel sind bereits verendet. Die Gegend wird sich lange nicht von dem Unglück erholen.

Durch die in stürmischer See havarierten Öltanker und Schwefelfrachter ist an der russischen Schwarzmeerküste ein größerer Schaden entstanden als bisher angenommen. Es handele sich um die schwerste Umweltkatastrophe der vergangenen Jahre mit Heizöl in Russland, teilte die Naturschutzorganisation Ekosaschtschita nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit. Futtergründe für Delfine seien bedroht, zehntausende Vögel und Fische bereits wegen der Ölpest verendet, berichteten Behörden. Die Beseitigung der Folgen des Unwetters, bei dem am Sonntag Schiffe auseinanderbrachen und tausende Tonnen Schwefel und Öl austraten, werde mindestens zehn Jahre dauern.

Die Straße von Kertsch zählt zu den am meisten befahrenen Wasserstraßen in der Region. Umweltexperten kritisierten erneut, dass die für die Flussschifffahrt gebauten Frachtschiffe derartigen Unwettern auf dem Meer nicht hätten standhalten können. Sie forderten die Regierung auf, schärfere Gesetze zu erlassen.

Die Ölpest hat bereits zum Tod von 30.000 Vögeln geführt. Unzählige andere Vögel saßen ölverschmiert, geschwächt und hilflos an den Ufern herum. Wie groß der Schaden an den Fischbeständen ist, könne noch nicht ermessen werden, sagte der Gouverneur der Region Krasnodar, Alexander Tkaschew, der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Der Leiter der Umweltaufsicht, Oleg Mitwol, sprach von einer "schwierigen Lage". Etwa 800 Helfer waren nach russischen und ukrainischen Angaben im Einsatz, um den Ölteppich abzutragen. Dem russischen Wetterdienst zufolge gab es Hinweise, dass aus dem gesunkenen Tanker "Wolgoneft" weiter Heizöl in das Asowsche Meer auslaufen könnte. Seit dem schweren Unwetter werde immer mehr Öl an zunächst nicht betroffene Küstenabschnitte geschwemmt.

"Die nächsten Sommerferien könnten gefährlich werden"

Der Leiter der nationalen Fischereibehörde, Alexander Saweljew, sprach von einer "gewaltigen Umweltkatastrophe", deren Ausmaß erst in den nächsten Tagen abzuschätzen sei. Ekosaschtschita schätzte den Schaden auf vier Milliarden Rubel (110 Millionen Euro). Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Krim warnten ukrainische Umweltschützer, dass "die nächsten Sommerferien gefährlich werden könnten", schrieb die Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda". Laut russischen Medienberichten wurden am Dienstag noch 20 Seeleute vermisst, die mit ihren Schiffen untergegangen waren.

AP AP

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