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Änderung der Spielregeln Rassistische Begriffe sollen bei Scrabble verboten werden – einige schwarze Spieler sind dagegen

Scrabble: Buchstaben auf dem Brett
Insgesamt 226 Begriffe sollen von der Liste der spielbaren Wörter beim Scrabble gestrichen werden
© Oliver Berg / DPA
Eine ganze Reihe von Beleidigungen soll beim Scrabble künftig keine Punkte mehr bringen – darunter auch das N-Wort. Was viele für eine längst überfällige Reform halten, ruft bei anderen Kritik hervor: Selbst schwarze Scrabble-Profis wehren sich.

Darüber, ob ungewöhnliche Begriffe bei Scrabble zählen, bekommen sich die Spieler regelmäßig in die Haare. Bei dem Spiel müssen aus Plättchen mit Buchstaben Wörter auf einem Brett gebildet werden. Doch über die Frage, ob Beleidigungen erlaubt sind, scheint sich bisher kaum jemand Gedanken gemacht zu haben. Die internationale Rassismusdebatte hat allerdings auch die Scrabble-Community erreicht. Der Beirat der nordamerikanischen Gesellschaft der Scrabble-Spieler NASPA möchte eine Reihe von rassistischen Schmähungen verbieten.

Insgesamt stimmt der Beirat über eine Liste von 226 Wörtern ab, die auf der Internetseite der Gesellschaft einsehbar sind. Dort wurden die Begriffe verfremdet. Es handelt sich nicht nur um rassistische Begriffe, sondern auch um Beleidigungen aus dem Bereich Politik, Religion, Sexualität oder andere Wörter mit verletzender Konnotation. Die Begriffe würden dann von der Liste der Wörter, die beim Scrabble Punkte bringen, gestrichen werden. Aktuell gibt es mehr als 192.000 spielbare Wörter.

Scrabble: Unter anderem soll das N-Wort gestrichen werden

Unter anderem steht das N-Wort auf dem Index. Der NASPA-Präsident John Chew setzt sich stark dafür ein, solche Wörter fortan nicht mehr zu erlauben: "Wenn wir eine Beleidigung spielen, erklären wir damit, dass uns das Verlangen, Punkte in einem Spiel zu machen, wichtiger ist als die allgemeinere Funktion dieser Beleidigung, mit der eine Gruppe von Menschen unterdrückt werden soll." Unter dem Einfluss der "Black Lives Matter"-Bewegung reflektieren auch die Scrabble-Spieler, welche Auswirkungen Sprache hat.

Man müsse sich unter den aktuellen Umständen bewusst machen, dass es nur um ein Spiel gehe, sagte Chew der "New York Times": "Wir müssen tun, was wir tun können, um die Dinge richtig zu machen – auch in unserem kleinen Teil der Welt." Auslöser für den Vorschlag war eine Diskussion in einer Facebook-Gruppe von Scrabble-Spielern.

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Auch das Unternehmen Hasbro, welches das Spiel vertreibt, unterstützt die Absicht. Eine Sprecherin kündigte in der "New York Times" bereits an, die Regeln zu ändern, "um klarzumachen, dass Beleidigungen in keiner Form des Spiels zulässig sind".

Änderungen treffen auch auf Kritik

Doch die geplanten Änderungen treffen unter den Spielern nicht nur auf Zustimmung. In einem Brief an die Mitglieder listet der Präsident auch Gegenargumente auf, die ihn von Kritikern erreicht haben. Manche fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt, andere halten die Pläne für eine Überreaktion. 

In der Vergangenheit hatten vor allem die professionellen Scrabble-Spieler verhindert, dass Wörter gestrichen wurden. Das würde sie im Wettkampf einiger Optionen berauben. Selbst schwarze Scrabble-Profis sprechen sich immer noch dagegen aus. Einer von ihnen sagte der "New York Times": "Wenn ich das Spiel verliere, wenn ich ein anderes Wort benutze, würde ich dieses (beleidigende, Anm. d. Red.) Wort spielen. Ich brauche die Punkte und auf dem Brett haben diese Wörter keine Bedeutung."

Quellen:"New York Times" / Brief von NASPA-Präsident Chew an die Mitglieder / Liste der Wörter

epp

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