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Smog-Rekord in Shenyang: Diese hochgefährliche Luft atmen Millionen Menschen

"Man fühlt, wie die Luft in den Augen brennt": Die chinesische Millionenstadt Shenyang leidet seit Jahren unter gefährlichem Smog. Jetzt hat die Feinstaubbelastung schockierende Werte erreicht.

Hochhäuser in Shenyang umhüllt von Smog

Als wäre es Nacht: Wohnhäuser in Shenyang umhüllt von Smog aus PM2.5-Feinstaubpartikeln

Die Luftverschmutzung in China hat sich mit dem Beginn der Wintersaison dramatisch verstärkt. In Shenyang, der Hauptstadt der Provinz Liaoning, habe die Umweltschutzbehörde am Sonntag bis zu 1400 Mikrogramm des gefährlichen PM2.5-Feinstaubs gemessen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Das ist mehr als 50-mal so hoch wie der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Grenzwert von durchschnittlich 25 Mikrogramm pro Kubikmeter. Wegen des dichten Smogs sei die Sichtweite in der Millionenstadt teilweise auf nur 100 Meter gesunken, meldete der britische "Guardian".

Umweltaktivisten sprachen von der schlechtesten Luftqualität, die China je erlebt habe. "So weit wir aufgrund der Daten, die wir während der vergangenen Jahre erhoben haben, wissen, handelt es sich um den höchsten jemals im Land gemssenen PM2,5-Wert", zitiert die "BBC", einen Greenpeace-Aktivisten. 

PM2.5-Feinstaubpartikel sind hochriskant für die menschliche Gesundheit. Sie können bis in die Lungenbläschen gelangen. Der staatlichen Zeitung "People's Daily" zufolge erreichte die Luftverschmutzung in der Provinz Liaoning in neun von 14 Städten extrem gefährliche Werte. Die Anzahl von Patienten mit Atemproblemen "ist aufgrund starker Luftverschmutzung in den letzten beiden Tagen um mindestens 15 Prozent angestiegen", sagte ein leitender Arzt des Jinqiu-Krankenhauses in Shenyang der Zeitung.

"Ich kann so nicht weiterleben"

In China wird die zunehmende Umweltverschmutzung inzwischen für hunderttausende Todesfälle verantwortlich gemacht, etwa durch Herzerkrankungen, Schlaganfälle und Lungenkrebs. "Ich kann so nicht weiterleben", klagte eine Nutzerin des chinesischen Mikroblogging-Dienstes Weibo der BBC zufolge. "Wenn das so weitergeht, wird wahrscheinlich jeder Krebs bekommen."

Die Verwaltung von Shenyang führte die extrem hohe Feinstaubbelastung darauf zurück, dass das Heizsystem der Stadt in diesen Tagen hochgefahren worden sei. Die Verwaltung der ebenfalls betroffenen Stadt Changchun in der Nachbarprovinz Jilin teilte mit, angesichts der aktuellen Luftverschmutzung würden Dringlichkeitsmaßnahmen ergriffen, etwa der Verzicht auf schulische Freiluftaktivitäten und die Aufforderung an die Bürger, umweltfreundliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua nannte derartige Dringlichkeitsmaßnahmen angesichts des Ausmaßes der Umweltverschmutzung "nutzlos". In einem Xinhua-Bericht wurde ein Einwohner Shenyangs mit den Worten zitiert: "Wenn man nach draußen geht, fühlt man, wie die Luft in den Augen brennt, wie der Rachen schmerzt. Dann geht man und kauft sich eine Atemmaske - aber es bleibt unklar, was wir eigentlich tun sollen." 

Passant mit Atemmaske in Shenyang

Mit Atemmasken versuchen sich Passanten in Shenyang vor dem Feinstaub in der Luft zu schützen

mad / AFP