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Prozessbeginn in Arizona: Statt Forschung: Körperspende-Zentrum soll Leichen für Sprengstofftests verkauft haben

Eine Einrichtung in Arizona soll für Forschungszwecke gespendete Leichname unter anderem für Sprengstofftests verkauft haben. Jetzt steht das Unternehmen vor Gericht.

Die Seniorin kam in Haft (Symbolbild)

Die Polizei fand bei einer Razzia im Biological Resource Center einem Medienbericht zufolge zehn Tonnen gefrorene menschliche Überreste (Symbolbild)

Getty Images

Eine Kühlbox mit Penissen, Eimer voller Köpfe, Arme und Beine und ein Frauenkopf, der auf den Oberkörper eines Mannes genäht war: Der Anblick, der sich den Beamten der US-Bundespolizei FBI bot, als sie im Januar 2014 die Räume des Biological Resource Center in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona durchsuchten, muss kaum zu ertragen gewesen sein. Die Einrichtung für Körperspenden wurde sofort geschlossen. Die Hinterbliebenen von 23 Personen, deren Körper dem Unternehmen gespendet worden waren, verklagten das Zentrum und seinen Eigentümer Stephen Gore. Jetzt hat das Gerichtsverfahren begonnen.

Körper "als Crashtest-Dummys verwendet"

Die Hinterbliebenen werfen dem Biological Resource Center Betrug vor, weil es die sterblichen Überreste falsch behandelt und sie über deren Verwendung getäuscht habe, wie britische und US-Medien unter Berufung auf die Anklageschrift berichten. Demnach soll das Unternehmen behauptet haben, die gespendeten Körper würden für die medizinische Forschung genutzt, obwohl es in mindestens zwei Fällen gewusst habe, dass sie für den Einsatz bei militärischen Tests verkauft würden.

Der Zeitung "Phoenix New Times" zufolge sollen die Körper laut Anklageschrift "buchstäblich als Crashtest-Dummys verwendet" worden sein, "was bedeutete, dass sie bei Experimenten zerstörerischen Kräften ausgesetzt wurden, zum Beispiel Stößen, Stürzen, ballistischen Verletzungen und Explosionen".

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Hinterbliebenen soll zudem versprochen worden sein, dass sie später die Asche ihrer Angehörigen erhalten würden, berichtet unter anderem der US-Sender ABC. Sie hätten auch Schachteln mit den vermeintlichen verbrannten Überresten der Toten bekommen, dann aber entdeckt, dass die Leichen an Dritte verkauft worden seien oder sich noch in der Einrichtung befunden hätten.

Nach Angaben der "Phoenix New Times" war das Biological Resource Center zehn Jahre lang in der Branche aktiv und nahm in dieser Zeit Tausende von Leichen auf. Das FBI habe bei der Razzia zehn Tonnen gefrorene menschliche Überreste sichergestellt, darunter 281 Köpfe, 337 Beine und 97 Wirbelsäulen.

FBI-Agenten nach Razzia traumatisiert

Beim Prozessstart am Montag schilderte der mittlerweile pensionierte FBI-Agent Mark Cwynar die Ereignisse vor fast sechs Jahren: Er habe Torsos ohne Köpfe und Gliedmaßen entdeckt und einen Tisch, auf dem sich abgetrennte Beine gestapelt hätten. Bei einem Torso sei der Kopf abgetrennt und ein kleinerer angenäht worden, sagte Cwynar ABC zufolge aus und verglich die Entdeckung mit einer Frankenstein-Figur. Einige seiner Kollegen seien durch die Razzia so traumatisiert worden, dass sie hinterher psychologische Hilfe benötigte hätten.

"Ich habe persönlich mehrere Personen gesehen, die emotional mitgenommen waren", zitiert die britische Nachrichtenseite "Sky News" Cwynar. "Einige weigerten sich, wieder an den Schauplatz zurückzukehren."

Unternehmenschef Gore hatte laut "Sky News" bereits im Jahr 2015 zugegeben, dass er eine Rolle bei der falschen Behandlung der Leichname gespielt habe. Die Betrugsvorwürfe wies er nach Angaben der Zeitung aber im Prozess zurück, räumte allerdings ein, dass sein Unternehmen Spenden in einer Weise verwendet habe, die gegen die Wünsche der Hinterblieben verstoßen hätten.

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Gores Verteidiger erklärte dazu, dass alle Angehörigen Einwilligungserklärungen unterschrieben und darin die Erlaubnis für eine Sezierung der Leichname erteilt hätten. Zudem sei es legal für das Unternehmen, Profit zu machen.

Wie der aussah, deutete der Anwalt der Hinterbliebenen in dem Verfahren an. Laut "Sky News" präsentierte er den Geschworenen die Preisliste des Biological Resource Centers, wonach ein Torso ohne Kopf für 4000 Dollar verkauft wurde.

Den Angehörigen sei nicht gesagt worden, dass die Körper zerteilt, gewinnbringend verkauft oder in einer Weise verwendet würden, der sie nicht zugestimmt hätten, sagte der Anwalt der Zeitung zufolge. "In diesem Fall geht es um Ehrlichkeit, Würde und Respekt gegenüber einem geliebten Menschen."

Quellen: ABC"Sky News""Phoenix New Times"

mad