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Suche nach der Ursache: Schock und Zweifel nach Karussell-Unfall in Bremen

Tragödie auf dem Rummelplatz: Eine Gondel löst sich von einem Karussell und schleudert in eine Menschengruppe. Neun Menschen werden dabei in Bremen verletzt. Die Schausteller sind geschockt. Wie konnte das passieren? Experten sollen das jetzt klären.

Rot-weißes Absperrband riegelt das Karussell rundherum ab. Die fünf bunt bemalten Fangarme der "Krake" stehen still. Polizisten laufen zwischen den kleinen Gondeln hin und her. Ob sie sich jemals wieder drehen werden, ist ungewiss. Noch sitzt der Schock auf dem Bremer Freimarkt tief. Der Unfall ist erst wenige Stunde her: Von dem Karussell hatte sich eine Gondel gelöst und war in die wartende Menge gekracht. Neun Menschen wurden verletzt. Eine junge Frau schwebte zeitweise in Lebensgefahr.

Die Stände auf dem Volksfest sind am Freitagvormittag noch geschlossen. Ein junger Mann spritzt ein Karussell mit einem Schlauch ab. Budenbesitzer bestücken hinter halb hochgezogenen Rollläden ihre Auslagen. Sylvia Düsberg ist noch immer entsetzt von dem Unfall. Nur wenige Meter von der "Krake" entfernt verkaufen sie und ihr Mann Waffeln, Schmalzkuchen und Berliner. "Ich habe es nur scheppern gehört", sagt Horst Düsberg. Seit 1973 ist er mit seinem Geschäft auf dem Bremer Freimarkt vertreten. An ein Unglück dieser Art kann er sich nicht erinnern. "Es passieren immer mal Unfälle, aber nicht in dem Maße."

Vor der "Krake" sind einige Schaulustige stehen geblieben. Der Zuckerwatte-Verkäufer raunzt sie an. Er will, dass sie verschwinden. Vor der Hotdog-Bude auf der gegenüberliegenden Seite steht der Besitzer mit einem Kaffee in der Hand und beobachtet das Geschehen. Von seinem Stand aus hätte er den Unfall hautnah miterleben können. "Wir haben nichts gesehen und wollen auch nichts sagen", meint er aber nur.

Auch nach dem Unfall standen Besucher Schlange

Auch andere Schausteller rund um den Unglücksort wollen sich nicht äußern. Benjinariu Razvan saß am Donnerstagabend an der Kasse eines Karussells, das etwas weiter von der "Krake" entfernt ist. "Die Leute kommen immer", sagt der junge Mann. Auch noch nach dem Unfall hätten die Besucher bei ihm Schlange gestanden.

Ungläubig schüttelt Michael Schmidt den Kopf. Der 40-Jährige steht mit seinem Sohn vor dem Absperrband der Polizei. Erst vor wenigen Tagen hatte er sich mit der ganzen Familie auf dem Rummelplatz vergnügt. "Das ist für alle Bremer ein Höhepunkt, Freimarkt ist Pflicht", sagt Schmidt. Daran wird sich für ihn auch nach dem Unfall nichts ändern. "Das kann ja überall passieren." Doch ob die Karussells ordentlich kontrolliert werden, daran hat er jetzt seine Zweifel.

"Wir haben die strengsten Sicherheitsvorkehrungen für solche Fahrgeschäfte", versichert der Vorsitzende des Bremer Schaustellerverbandes, Rudolf Robrahn. Er betreibt seit 25 Jahren Karussells auf Volksfesten in ganz Europa. Jeden Morgen überprüfen er und seine Mitarbeiter die Technik, kontrollieren jede einzelne Schraube. Den Besitzer der "Krake" kennt er seit vielen Jahren. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihm was vorzuwerfen ist." Genau das werden jetzt die Experten zu klären haben.

Irena Güttel, dpa / DPA
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