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Unfall auf dem Bremer Freimarkt: Von der Krake ins Krankenhaus

Die Frau, die bei dem Unfall auf dem Bremer Freimarkt lebensgefährlich verletzt wurde, ist außer Lebensgefahr. Derweil ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Betreiber der "Krake" - und es stellt sich die Frage: Sind deutsche Karussells nicht mehr sicher?

Eigentlich lief in diesem Jahr auf dem Bremer Freimarkt alles perfekt. "Das Wetter hat mitgespielt, die Polizei war zufrieden, alles lief sogar viel ruhiger als sonst", erzählt Rolf Herderhorst, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Bremer Märkte. Doch dann geschah das Unglück. Bei dem beliebten Fahrgeschäft "Die Krake" löste sich am Donnerstagabend eine Gondel, schleuderte in die Menschenmenge - und verletzte neun Personen. Eine junge Frau sogar lebensgefährlich.

Rot-weißes Absperrband riegelt am Tag nach dem Unfall das Karussell auf dem Freimarkt ab. Die Fangarme der "Krake" stehen still. Inzwischen ist bekannt, dass eine defekte Gondel-Halterung den Unfall ausgelöst hat. Vermutlich hat Rost einen Riss verursacht. Ob Materialermüdung oder ein Konstruktionsfehler dafür verantwortlich ist, muss jetzt noch geklärt werden. Die schwer verletzte 27-jährige Frau, die mit ihrer Freundin in der zweisitzigen Gondel saß, schwebt nach einer Notoperation nicht mehr in Lebensgefahr. Die Bremer Staatsanwaltschaft hat derweil gegen den Betreiber des Fahrgeschäfts Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen. Bis Ergebnisse vorliegen, wird es jedoch vermutlich noch mehrere Tage dauern.

Unfälle auf Jahrmärkten

Der Bremer Rolf Herderhorst kennt Familie Uhse, die "Krake"-Betreiber, die seit 20 Jahren mit ihrem Fahrgeschäft auf dem Bremer Freimarkt dabei sind. Jeden Morgen, so versichert er, checken die Betreiber selbst ihre Fahrzeuge. Dass diese nachlässig gehandelt haben, kann er sich nicht vorstellen: "Entweder es war ein unglücklicher Unfall oder Sabotage."

Der Unfall ist der jüngste in einer Reihe von Zwischenfällen auf deutschen Jahrmärkten. Erst vor wenigen Wochen wurde auf einem Rummel bei Regensburg ein junges Mädchen aus einer Gondel geschleudert. Eine Haltestange war durchgebrochen. Auf dem Frühlingsfest in Groß-Gerau wurden im vergangenen Jahr fünf Kinder bei einem Unfall in der "Raupenbahn" verletzt. 2009 starb eine Elfjährige, nachdem sie auf einem Volksfest in Pfaffenhofen aus der Gondel einer Wasserbahn in zehn Meter Tiefe stürzte. Im gleichen Jahr wurde eine 69-jährige Frau schwer verletzt, als sich ihre Sitzgondel auf einer Kirmes in Paderborn aus der Verankerung löste und auf das Pflaster krachte.

Sind deutsche Rummel nicht mehr sicher?

Höher, schneller, spektakulärer - sind die deutschen Rummel etwa nicht mehr sicher? Experten versichern das Gegenteil. "Vor jeder Inbetriebnahme auf einem Jahrmarkt wird ein Fahrgeschäft erneut durch die für den Aufstellungsort zuständige Bauaufsichtsbehörde abgenommen", erklärt Annika Burchard vom TÜV Nord in Hamburg. Bei den sogenannten Gebrauchsabnahmen geht es insbesondere darum, all jene für die Sicherheit des Karussells wichtigen Dinge zu prüfen, die durch die Demontage und den anschließenden Wiederaufbau eventuell gelitten haben könnten. Schäden, Verschleiß, Korrosionen – auch die "Krake" wurde darauf jährlich geprüft - zuletzt im April. Für die technische Überprüfung auf dem Freimarkt ist in Bremen die Obere Bauaufsicht verantwortlich. Auffälligkeiten sind nicht beobachtet worden.

Auch der Vorsitzende des Bremer Schaustellerverbandes, Rudolf Robrahn, versichert der Presseagentur DPA: "Wir haben die strengsten Sicherheitsvorkehrungen für solche Fahrgeschäfte." Er ist ein alter Hase auf dem Kirmes-Kiez. Seit 25 Jahren betreibt er Karussells auf Volksfesten in ganz Europa. Die Familie Uhse galt mit ihrer "Krake" als Vorzeigebetrieb in Schaustellerkreisen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihm was vorzuwerfen ist."

Trotz des Unfalls wird der Bremer Freimarkt noch bis Sonntag planmäßig weiterlaufen. Lediglich die Fangarme der Krake halten still. Das Fahrgeschäft wird in dieser Saison auch nicht mehr in Betrieb genommen. Auf ihrer Facebook-Seite hat sich Familie Uhse von ihren "Fans" in die Winterpause verabschiedet.

kmi