Uranunfall in Frankreich Forscher warnen vor Strahlenbelastung


In einer französischen Atomanlage bei Avignon sind bei einem Unfall 30.000 Liter einer Uranlösung in drei Flüsse gelaufen. Die Atombehörde stuft die Gefahr als "gering" ein - unabhängige Forscher und Umweltschützer sehen das ganz anders.

Bei dem Uranunfall in der südfranzösischen Atomanlage Tricastin bei Avignon ist nach Einschätzung unabhängiger Forscher die Umwelt stärker mit Strahlung belastet worden als bisher von den Behörden eingeräumt. Man könne davon ausgehen, dass die Strahlung 100 Mal höher sei als die für das Gesamtjahr zulässige Obergrenze, erklärte die Kommission für Unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität (CRIIRAD).

Der Unfall hatte sich am Dienstagmorgen um 6.30 Uhr in einem Werk zur Behandlung von Atomabfällen bei Avignon ereignet. Die Behörden hatten aber bis zum Abend mit der Bekanntgabe gewartet. Aus einem undichten Tank war radioaktive Flüssigkeit mit 360 Kilogramm Uran ausgetreten. Ein Teil gelangte in die kleinen Flüsse Gaffière und Lauzon und die Rhône. Die Behörden gaben keine Strahlungswerte an, verboten aber die Wasserentnahme, das Baden und Fischen in den betroffenen Gewässern. Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN stufte die Gefahr für die Bevölkerung als "gering" ein.

Die Umweltschutzbewegung Sortir du Nucléaire erklärte dagegen, es sei "unmöglich", dass es keine Gesundheitsgefährdung gebe. "Wenn die von der ASN akzeptierten Zahlen stimmen, macht das 360 Kilogramm Uran", erklärte die Organisation. Wer damit verseuchtes Wasser trinke, habe die Partikel im Körper. Auch bei geringer Strahlung entstehe dann erhebliche Krebsgefahr.

In einem der betroffenen Flüsse wurde eine Urankonzentration rund 1000 Mal über dem Normalwert gemessen. Der Wert gehe aber rasch zurück, erklärte die Atomaufsichtsbehörde.

DPA/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker