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Flucht aus Guatemala: Siebenjähriges Mädchen stirbt in US-Grenzhaft - Vater widerspricht US-Regierung

Tagelang wandert ein Kind mit seiner Familie durch die Wüste Mexikos zur US-Grenze. Doch dann stirbt es im Gewahrsam der Grenzschützer. Litt das Mädchen tatsächlich an Flüssigkeitsmangel?

Flüchtlinge aus Guatemala an der US-Grenze am Rio Grande

Flüchtlinge aus Guatemala an der US-Grenze am Rio Grande

Picture Alliance

Ein sieben Jahre altes Mädchen ist nach seiner Festnahme durch US-Grenzbehörden an Dehydrierung gestorben, wie die "Washington Post" berichtet. Das Kind habe auf der Flucht aus Guatemala tagelang kein Wasser getrunken, stellten die US-Grenzbehörden fest. 

Allerdings bestreitet der Anwalt der Familie diese offizielle Darstellung. Er sagte dem Nachrichtenportal USnews, das Mädchen habe weder unter Nahrungs- noch Wassermangel gelitten. Auch der Vater behauptet, er habe während des Marsches durch Mexiko dafür gesorgt, dass seine Tochter zu trinken und essen hatte. Er besteht nun darauf, den Tod seines Kindes umfassend untersuchen zu lassen. Seine Tochter sei noch am Tag, als die US-Grenzschützer sie aufgriffen, gesund gewesen, sagte er der "Washington Post". 

Das Mädchen war Aufzeichnungen zufolge am 6. Dezember abends zusammen mit seinem Vater und weiteren mehr als 160 Flüchtlingen festgenommen worden. Mehr als acht Stunden später habe das Mädchen hohes Fieber bekommen und sei bewusstlos geworden. Den Aufzeichnungen des Grenzschutzes zufolge habe das Kind mehrere Tage weder gegessen noch getrunken. Die Notaufnahme im Krankenhaus von El Paso (Texas) half demnach nicht mehr. Der Vorfall werde untersucht, um ein Fehlverhalten der Grenzschützer auszuschließen, sagte ein Behördensprecher der "Washington Post".

Das Heimatschutzministerium veröffentlichte am Freitag ein Statement, in dem die Regierung eine Mitschuld der Administration von US-Präsident Donald Trump am Tod des Kindes zurückweist. Der Tod des Mädchens sei "unglaublich tragisch". Eine medizinische Bestandsaufnahme unmittelbar nach der Festnahme habe keine Anzeichen auf gesundheitliche Probleme ergeben. Es sei Wasser und Essen angeboten worden. Allerdings schilderte das Ministerium auch, wie die Flüchtlinge die ganze Nacht über ohne geeignete Unterkunft auf einen Bus hätten warten müssen.

2000 Kinder aus Einwandererfamilien von ihren Eltern getrennt

Seit Wochen bewegen sich große Flüchtlingsströme aus Mittel- und Südamerika auf die mexikanisch-amerikanische Grenze zu - mit dem Ziel, in die USA zu gelangen. Trumps Regierung möchte dies weitgehend verhindern. Die harte Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump ist ein zentraler Pfeiler seiner Präsidentschaft. Kritiker werfen ihm vor, Migranten für politische Zwecke zu dämonisieren.

Im Zuge seiner "Null-Toleranz"-Politik kündigte er den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko an, stationierte tausende Soldaten an der Grenze und trennte mehr als 2000 Kinder aus Einwandererfamilien von ihren Eltern. Angesichts eines Aufschreis in den USA und weltweit sah sich Trump gezwungen, die systematischen Familientrennungen wieder zu stoppen.

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sos / DPA / AFP