VG-Wort Pixel

Mann lebte isoliert von der Außenwelt 30 Jahre bei den Eltern versteckt - was steckt hinter dem "Phantom" von Hollfeld?

Ortsschild Freienfels Bayreuth
Im Örtchen Freienfels bei Bayreuth wurde ein Mann gefunden, der bis zu 30 Jahre isoliert von der Außenwelt gelebt hat
© Nicolas Armer/DPA
20 bis 30 Jahre hat ein Mann aus der Nähe von Bayreuth offenbar isoliert von der Außenwelt bei seinen Eltern gelebt. Nun befindet sich der 43-Jährige in Therapie, die Polizei geht von einer familiären Tragödie aus.

Er war verwahrlost, aber nicht unterernährt, er war beim Amt gemeldet, hatte aber keinen Personalausweis, er ist nur ein paar Jahre zur Schule gegangen und hat offenbar die letzten 20, 30 Jahre versteckt bei seinen Eltern gelebt. Vor kurzem wurde der 43-Jährige Mann "befreit" und auch die zuständigen Behörden zeigten sich überrascht. Karin Barwisch, Bürgermeisterin von Hollfeld im Landkreis Bayreuth, sagte der "Süddeutschen Zeitung", sie sei nun 14 Jahren im Amt, wohne im Nachbardorf, habe aber noch nie von dem Mann gehört. Der Fall gibt nicht nur ihr Rätsel auf.

Von "Befreiung" will die Polizei nicht sprechen

Am 21. September ging die Polizei "Hinweisen" nach und entdeckte in Hollfelder Ortsteil Freienfels den 43-Jährigen, der offenbar bei seinen Eltern lebte. Man könne aber von Isolation sprechen, sagte anschließend ein Sprecher der Polizei, räumt aber ein, dass er nicht genau wisse, seit wann der Mann dort ohne ständigen Kontakt zur Außenwelt war und wie konkret das aussah - ob er zum Beispiel die Möglichkeit gehabt hätte, das Anwesen zu verlassen." Von einer "Befreiung" aber wollte er nicht sprechen, denn vielleicht habe es der Mann es auch so gewollt.

Nach seiner Entdeckung wurde der Mann ins Bezirkskrankenhaus in Therapie gebracht. "Ihm geht es den Umständen entsprechend, er wird durch unser Personal versorgt", sagte ein Sprecher des Bezirks Oberfranken. "Die Behandlung wird bis auf Weiteres in unserem Hause durch unser spezialisiertes Team von Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften erfolgen", so der Sprecher. Weitere Auskünfte gaben der Bezirk und der zuständige Arzt zunächst nicht - auch aus Rücksicht auf seine Persönlichkeitsrechte.

Mit 13 Jahren die Schule verlassen

Bislang ist nur bekannt, dass der Aufgefundene als Kind zur Grundschule gegangen sei, aber im Alter von rund 13 Jahren als nicht schulfähig eingestuft worden sei. Seitdem habe er laut Polizei zwischen 20 bis 30 Jahre lang bei seinen Eltern gelebt. Das zuständige Jugendamt versucht nun herauszufinden, ob ihm der Fall jemals vorgelegen habe. Gegen die Eltern, die beide um die 80 Jahre alt sind, wird nun wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung ermittelt.

Gegen Zwang spricht, dass sich der Mann nach bisherigen Erkenntnissen im Haus relativ frei bewegen konnte und nicht angekettet oder fixiert gewesen sei.  Bei seiner Einweisung mit dem Rettungsdienst habe der Mann nicht mit gewollt. "Er hat sich anscheinend da gut aufgehoben gefühlt", sagte der Polizeisprecher. Die Mutter des Mannes sagte den "Nordbayerischen Kurier", ihr Sohn sei nicht befreit worden, denn er habe nicht rausgewollt. Im Krankenhaus wird auch geprüft, ob der 43-Jährige möglicherweise behindert ist. Die Polizei geht bislang davon aus, dass es "hier wohl um eine familiäre oder persönliche Tragödie handelt". 

nik/DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker