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Tragödie im Schwimmbad: Familie streitet mit Badbetreiber: Wer hat Schuld am Tod des kleinen Liam?

Zwei Tage kämpften Ärzte um das Leben des kleinen Liam aus Hamburg, nachdem er im Schwimmbad ertrank. Vergeblich. Der Großvater wehrt sich gegen den Vorwurf, die Mutter habe ihre Aufsichtspflicht verletzt. Schuld am Tod des Vierjährigen seien die Bademeister. 

Hier im "MidSommerland" passierte der Unfall

Hier im "MidSommerland" passierte der Unfall

Es sollte ein unbeschwerter Familienausflug ins Schwimmbad werden. Doch der Nachmittag im Hamburger "MidSommerland" endete für eine Mutter in einer Tragödie. Ihr vierjähriger Sohn fiel ins Becken und ertrank. Zwei Tage kämpften die Ärzte um sein Leben. Vergeblich. Liam starb. Der Großvater erhebt nun schwere Vorwürfe gegen den Betreiber und gibt dem Bademeister die Schuld am Tod seines Enkelsohnes.

Auf seiner Facebook-Seite schildert Wieland S., wie sich der Unfall am späten Nachmittag des 2. Juli zugetragen hatte. "Meine Tochter wollte mit den Kindern eigentlich nach Hause gehen, die Kinder wollten jedoch noch bleiben", schreibt er. "Meine Tochter sagte zu den Kindern: 'OK, dann gehen wir noch ins Planschbecken.' Da sie dort ihre Schwimmflügel nicht gebraucht hätten, haben die Kinder ihre Schwimmflügel abgelegt." Seine Tochter hätte jedoch vorher noch zur Toilette gemusst. Die Kinder hätten vor der Tür gewartet. Dann sei Liam weg gerannt. Von seiner Enkeltochter darüber informiert, hätte sie sich sofort auf die Suche gemacht. "Das Ganze hat nur einen kurzen Augenblick gedauert. Sie wollte zurück laufen, wo sie kurz vorher mit den Kindern war und sah schon einen Menschenauflauf."

Liam war da bereits in das Becken gestürzt und ertrunken. Ein Badegast zog den leblosen Jungen aus dem Wasser, ein Bademeister reanimierte ihn. Liam wurde in die Mariahilf Klinik gebracht und später ins Universitätsklinikum Eppendorf verlegt, wo er zwei Tage später verstarb.

Vorwürfe gegen Bademeister

Seine Tochter und seine Enkeltochter befänden sich seit dem Unfall in psychologischer Betreuung. Es sei "grausam" gewesen, "das Sterben von Liam am Monitor mit zu verfolgen" und das unsagbare Leid seiner Tochter zu ertragen, "als sie sich zu ihrem sterbenden Kind ins Bett legte". Er will verhindern, dass zu all dem Leid auch noch der Eindruck entsteht, sie sei eine schlechte Mutter. Er gibt dem Betreiber die Schuld an dem Unfall und bezieht sich dabei auf ein Interview des Bäderland-Pressesprechers mit der "Hamburger Morgenpost"

Darin erklärte dieser, dass es zwar genügend Bademeister gebe, dies aber "keine lückenlose Abdeckung wie in einem Labor mit Sensoren" bedeute. Der Bademeister müsse auch den Beckenrand im Blick haben. Da könne immer etwas hinter seinem Rücken geschehen. Der Großvater schreibt dazu: "Und genau das hätten die Bademeister auch mal besser gemacht, dann würde Liam vielleicht auch noch leben. Denn Liam ist vom Beckenrand ins Wasser gefallen - unweit des Häuschens vom Bademeister." Er wirft dem Betreiber zudem vor, kein großes Interesse daran zu haben, die Anzahl der Unfälle reduzieren zu wollen. Sein Vergleich mit einer Laborüberwachung sei "schlichtweg eine Frechheit" und der Versuch "von einer unzureichenden Wasseraufsicht abzulenken". Laut "Hamburger Morgenpost" behält sich die Familie jetzt rechtliche Schritte gegen den Schwimmhallenbetreiber vor. 

Betreiber weist Vorwürfe zurück

Bäderland-Sprecher Michael Dietel zeigt Verständnis für den Schmerz des Großvaters: "Ich kann schon verstehen, dass man in so einer Situation und in seiner Trauer die Ursachen verstehen will", sagte er dem stern. "Es ist schrecklich, was da passiert ist. Auch für unsere Mitarbeiter, die die Erstversorgung des kleinen Jungen durchgeführt haben. Und ich kann verstehen, dass sich in die Trauer auch eine gewisse Wut über die Berichterstattung mischt." Natürlich sei es das oberste Anliegen des Betreibers, solche Unfälle zu reduzieren, jedoch hätte die Rettungskette in diesem Fall hervorragend funktioniert. "Mit unserer Wasseraufsicht halten wir uns klar an die Bundesrichtlinien der Verkehrssicherungs- und Aufsichtspflicht in öffentlichen Bädern. Anhand dieser Richtlinien arbeiten wir überall. Es waren genügend Bademeister vor Ort. Wir bewerten jetzt für uns, wie wir diese Richtlinien ausdehnen können."

Dass sich der Unfall direkt vor dem Badehäuschen ereignet haben soll, kann er nicht bestätigten. "Auch die Aussagen der Zeugen stellen sich nicht so dar, dass es vor unseren Augen passiert ist", sagte Dietel dem stern. Gleichzeitig wolle er aber auch nicht den Eindruck vermitteln, die Mutter sei schuld an dem, was passiert ist. "Ich habe niemals gesagt, dass sich die Mutter nicht genug gekümmert hätte oder sie nicht fürsorglich sei. Das Kind ist ausgebüxt. Es war ein tragischer Unfall." 

jek