Waldbrände ohne Ende Russland machtlos gegen Flammeninferno


In Russland wüten die Waldbrände unvermindert weiter. Ein Ende ist nicht in Sicht, da die Gluthitze anhalten soll. Der Kreml will den Kampf gegen die Flammen verstärken, scheint aber machtlos.

Im verzweifelten Kampf gegen die Jahrhundert-Brände in Russland gibt es bisher kaum Erfolgsmeldungen. Die Hauptstadt Moskau war am Freitag wieder in Smog von den Torfbränden des Umlandes gehüllt. Russische Medien berichteten, dass es bei anhaltender Trockenheit und Temperaturen von oft um die 40 Grad immer wieder neue Brandherde gebe. Die russische Führung schätze die Lage weiter als "katastrophal" ein.

Der Kreml sieht sich angesichts der verheerenden Situation zunehmender Kritik ausgesetzt. Präsident Dmitri Medwedew kündigte nun im Gespräch mit Regierungschef Wladimir Putin an, dass die Präsidialverwaltung stärker als bisher in die Krisenbekämpfung eingeschaltet werde. "Die Not ist wirklich groß. Deshalb sollten alle arbeiten", sagte Medwedew.

Feuerwalze erfasst den Süden

Die Kräfte im Kampf gegen die Feuer sollen weiter verstärkt werden. Bis Montag will Putin einen Plan für die bessere technische Ausstattung der Feuerwehren und einen intensiveren Brandschutz vorlegen. Das berichtete die russische Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta". Demnach soll etwa auch der zusätzliche Einsatz von Löschflugzeugen sowie die Bewachung besonders gefährlicher Objekte festgelegt werden, sagt Putin nach Angaben der Zeitung.

Inzwischen hat die Feuersbrunst auch auf die russische Teilrepublik Dagestan in der Konfliktregion Nordkaukasus übergriffen. Dort vernichteten die Waldbrände in einem Dorf fast 60 Häuser. Landesweit sind seit Beginn der Brände Hunderte Häuser zerstört worden. Nach offiziellen Angaben starben 50 Menschen. Hunderte wurden verletzt, Tausende sind auf der Flucht vor den Flammen.

Hilfsorganisationen und Beobachter gegen davon aus, dass die Opferzahl und die Schäden größer sind als bisher von den Behörden bekanntgegeben. Medien berichten von massiven Zerstörungen in der Provinz. Allein die Schäden durch Ernteeinbußen übersteigen umgerechnet eine Milliarde Euro. Zudem müssen mehr als 200.000 Hektar Wald aufgeforstet werden.

Minister fürchtet erhöhte Radioaktivität

Wegen der Gefahr durch die Waldbrände ordnete das russische Militär die vorsorgliche Evakuierung von Depots in der Region Moskau an. Artilleriemunition und Raketen seien "an einen sicheren Ort" gebracht worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur RIA Nowosti zufolge am Donnerstag.

Angesichts der Waldbrände befürchten die Behörden nun auch, dass in Gebieten, die bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor knapp einem Vierteljahrhundert verstrahlt wurden, radioaktive Stoffe freigesetzt werden könnten. "Wir kontrollieren sorgfältig die Situation in der Region Brjansk, besonders im Süden im Distrikt Nowosybkow, der infolge der Tschernobyl-Katastrophe schwer verunreinigt wurde", sagte Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu.

"Wenn dort ein Feuer ausbricht, könnten mit dem Rauch radioaktive Partikel emporsteigen" sagte Schoigu weiter. In der Folge könnten weitere Gebiete verstrahlt werden. Die Region Brjansk, die im Westen Russlands an die Ukraine und Weißrussland grenzt, wurde im April 1986 durch die radioaktive Wolke aus dem Atommeiler Tschernobyl erheblich verseucht. Die Explosion des Reaktors in der heutigen Ukraine war die größte Reaktorkatastrophe der Geschichte.

joe/DPA/AFP DPA

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