Wetter Monstersturm fordert drei Menschenleben

Drei Tote, Katastrophenalarm auf Spiekeroog, Flutwarnung für die Nordseeküste, Windgeschwindigkeiten von 191 Stundenkilometern: Der Orkan "Kyrill" fegt mit voller Wucht über Deutschland hinweg. stern.de zeigt die Bilder des Monstersturms.

Mit Böen in Orkanstärke ist das gewaltige Sturmtief "Kyrill" am Donnerstagvormittag in Deutschland eingefallen. In Baden-Württemberg starb ein Autofahrer, der gegen einen umgestürzten Baum fuhr, in Großbrittanien verunglückten zwei weitere Autofahrer. Auf dem Brocken im Harz wurden Windgeschwindigkeiten bis zu 191 Stundenkilometern gemessen. Die Nordseeküste erwarten eine Sturmflut. An vielen Schulen fiel der Nachmittagsunterricht aus.

Jochen Bellstedt, Spediteur auf der Nordseeinsel Spiekeroog, berichtete stern.de: "Für Spiekeroog wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Das ist sehr selten. Alles, was außerhalb der Deiche ist, haben wir gesichert, denn das Hochwasser wird wohl bis drei Meter über Normal liegen. Das heißt, am Hafen wird dann nichts mehr gehen."

"Der Katastrophenstab ist einsatzbereit"

Im Gefolge des Orkan soll es vor allem in Nordrhein-Westfalen und in Teilen Niedersachsens heftig regnen. Metereologen rechnen mit 50 bis 70 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Da die Böden durch das Wasser aufweichen, drohen Bäume umzufallen. Für die Nordseeküste wurde eine Sturmflutwarnung ausgegeben: Demnach wird das Hochwasser an der ostfriesischen Küste und im Wesergebiet 2,5 bis 3 Meter höher als das mittlere Hochwasser sein, an der nordfriesischen Küste und im Elbegebiet 3 bis 3,5 Meter höher. In Hamburg stockte die Feuerwehr ihre Einsatzleitzentrale auf.

Zur Lage auf Sylt sagte Erik Ipsen, Leiter des Sylter Ordnungsamtes, zu stern.de: "Wir haben Voralarm ausgelöst. Der Katastrophenstab ist einsatzbereit. Die Orkanspitze erreicht uns vermutlich am frühen Abend, wir rechnen mit Windgeschwindigkeiten zwischen 120 und 140 Kilometer pro Stunde. Der Sturm ist aber nicht unsere Hauptsorge, schlimmer könnte das Hochwasser werden. Durch die vielen Stürme und den Regen in der letzten Zeit sind die Deiche ziemlich feucht, sie sollten aber dem Pegel, der rund drei Meter über Normal liegen wird, standhalten. Allerdings fürchten wir, dass die Strände an der Westküste sehr viel Sand verlieren werden und dort geht es langsam an die Dünensubstanz. Das macht uns Sorgen."

Sven Frank, Geschäftsführer des Restaurants "Seeblick" in Westerland, ist noch halbwegs entspannt: "Wir erwarten 40 bis 41 Knoten. Das geht noch. Unsere Tische sind fest montiert und immer wetterfest. Auch unsere Glasscheiben sind stabil genug. Auch liegt unser Restaurant hoch genug, so dass das Hochwasser uns kaum erreichen wird. Wir sind also relativ entspannt."

Infografik Windstärken

Der Fährverkehr zu den Halligen Hooge und Langneß im nordfriesischen Wattenmeer wurde bereits am Morgen eingestellt, ab dem frühen Nachmittag wird wohl auch der Verkehrs auf der Linie Dagebüll-Föhr-Amrum aufsfallen. Betroffen ist ebenfalls der Linienverkehr von und nach Pellworm, dort sollte das vorerst letzte Schiff am Mittag ablegen.

Ernstlich betroffen sind auch Flug- und Bahnverkehr. Europaweit mussten hunderte Flüge storniert werden, es kam zu teils mehrstündigen Verspätungen. Die Deutsche Bahn setzte das Höchsttempo ihrer ICE-Züge auf Tempo 200 herab. Nahverkehrszüge fahren nur noch maximal 140 Stundenkilometer, in den Neigezügen wurde die Pendeltechnik ausgeschaltet. Auf der Strecke zwischen Westerland und Hamburg fuhr ein IC gegen einen umgestürzten Baum, verletzt wurde niemand, nur die Lok wurde leicht beschädigt.

Wetter-Homepages mit Überlast

Der Orkan "Kyrill" sorgt auch im Internet für Chaos: Am Donnerstag waren die Webseiten des Deutschen Wetterdienstes unter dwd.de wegen Überlastung nur sporadisch zu erreichen. DWD-Sprecher Uwe Kirsche sagte der Nachrichtenagentur AP, man sei auf einen derartigen Ansturm nicht vorbereitet gewesen. "Wir haben dermaßen unglaubliche Zugriffszahlen, dass leider für viele Nutzer Wartezeiten entstehen", fügte er hinzu.

Britische und französische Rettungskräfte sind am Donnerstag im Ärmelkanal der Besatzung des 62.000-Tonnen-Frachters "MS Napoli" zu Hilfe gekommen. Das Schiff war in Seenot geraten, 13 von 26 Mann konnten bislang gerettet werden. Wegen des Sturmes kam es auf den gesamten Ärmelkanal zu Behinderungen, der Fährverkehrt von Dünkirchen und Calais nach Dover wurde eingestellt.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

Mehr zum Thema



Newsticker