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Wintereinbruch: Deutschland zittert, am Nordpol gibt es Plusgrade - Experte erklärt das Wetter-Phänomen

Minusgrade im doppelstelligen Bereich, an der Zugspitze fällt ein hundertjähriger Kälterekord: Hoch "Hartmut" lässt Deutschland zittern. Sogar am Nordpol war's zuletzt wärmer.

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So kalt war es Ende Februar auf der Zugspitze noch nie seit über hundert Jahren: Auf bitterkalte minus 30,5 Grad ist die Temperatur nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) dort in der vergangenen Nacht gesunken. Damit wurde der laut DWD niedrigste jemals Ende Februar erreichte Wert seit Beginn der Messungen auf der Zugspitze im Jahr 1901 gemessen. Der absolute Kälterekord auf höchstem Gipfel wurde im Februar 1940 erreicht. Damals sank die Temperatur auf minus 35,6 Grad. 

Deutschland hat insgesamt wieder eine frostige Nacht erlebt. "Im Norden ist es etwa drei Grad kälter als in der Nacht davor, im Süden etwas wärmer", sagte ein Sprecher des (DWD). Grund ist Hoch "Hartmut", das eisige Luft nach Deutschland bläst.

Verkehrtes Wetter: Plusgrade in der Arktis

Ganz anders zuletzt in der Arktis: Dort waren vergangene Woche schon mal längere Zeitabschnitte mit Plusgraden möglich, sogar im Norden Grönlands. Am Kap Morris Jesup, dem nördlichsten Punkt der Insel, hat die dänische Wetterbehörde die nördlichste auf Land gestützte Messstation der Welt errichtet. "Normalerweise liegt die Temperatur in dieser Jahreszeit deutlich unter dem Gefrierpunkt", teilt der Wetterdienst DMI online mit - und dann das: Dienstag vergangener Woche, konstant über 0 Grad, praktisch 24 Stunden lang. Laut dem Dänischen Wetterdienst ist das sehr ungewöhnlich, immerhin liege die durchschnittliche Temperatur an der Messstation im Februar bei - 32,9 Grad. "Diese Ausreißer nach oben sind nur die neuesten Wetterkapriolen, die sich in den letzten Jahren in der Arktis mehren", schreibt Daniel Lingenhöhl, Leiter der Onlineredaktion des Wissenschaftsmagazins "Spektrum".

Lingenhöhl erklärt die Wetterphänomene dieser Tage so: Eine der Ursachen für die Wärmewelle im Norden sei eine steile Kurve des sogenannten Jet-Streams. Jet-Streams sind sehr schnelle Höhenwinde, die leicht wellenförmig von West nach Ost wehen. "In den vergangenen Jahren aber kommt es häufiger vor, dass die Wellen stärker werden: Der Jetstream buchtet stärker aus, das heißt: Die Wellen reichen weiter nach Norden beziehungsweise Süden als üblich und sind vor allem stabiler", erklärt Lingenhöhl auf Nachfrage des stern. "Das dicke Hoch über Skandinavien sorgt gerade dafür, dass an seiner Ostseite die eisige Luft aus Sibirien angezapft und zu uns geführt wird. Umgekehrt sorgt die Drehrichtung im Uhrzeigersinn auch dafür, dass milde Atlantikluft auf der Westseite nach Norden strömt: Auf Grönland ist es daher stellenweise wärmer als bei uns - oder zumindest deutlich zu warm für die Jahreszeit." 

In der Arktis stellenweise zu warm, in Europa zu kalt - die Temperaturabweichungen vom langjährigen Mittel

In der Arktis stellenweise zu warm, in Europa zu kalt - die Temperaturabweichungen vom langjährigen Mittel 

Klimawandel: "Mittelwerte deuten an, dass sich die Erde aufheizt"

Deutschland hingegen bleibt die klirrende Kälte dieser Tage erst einmal erhalten. Laut Deutschem Wetterdienst sollen die Temperaturen in der Nacht auf Mittwoch noch einmal um ein bis zwei Grad sinken. "Russenpeitsche" titeln nun einige Medien und Leugner des Klimawandels jubilieren: Minusgrade im doppelstelligen Bereich - von wegen Erderwärmung! Doch ganz so einfach ist das nicht, erklärt Lingenhöhl: "Tatsache ist, dass die Winter hierzulande im Mittel seit Jahrzehnten wärmer werden. Das bedeutet aber nicht, dass es deshalb nie wieder einen einzelnen kalten Winter oder eine kurze Kältewelle in einem Winter geben wird. Auch die Arktis erwärmt sich seit Jahrzehnten, was unter anderem durch das schwindende Meereis belegt ist. Diese Mittelwerte deuten an, dass sich die Erde aufheizt, keine Einzelereignisse." 

pg mit Agenturmaterial