HOME

Rauschgifthandel: Jeder Schein riecht anders: Wie Kuba mit Spürhunden auf die Jagd nach Drogengeld geht

Sie erschnüffeln nicht Drogen, sondern Geld: In Havanna werden Spürhunde eigens darauf abgerichtet, US- und kanadische Dollar zu finden. Die kubanische Regierung will so Drogendealern das Handwerk legen.

Die kubanische Kriminalbeamtin Wendy Reyes Peralta mit ihrem Spürhund im Einsatz

Die kubanische Kriminalbeamtin Wendy Reyes Peralta mit ihrem Spürhund im Einsatz

AFP

Zulia zögert nicht lange: Zwischen zwei Türen des Ladas findet die Hündin schnell den Packen Euro-Scheine, den ihr Ausbilder in dem Auto versteckt hat. "Bravo mein Hund, bravo", ruft David Berceau und gibt ihr einen Kunststoffknochen zur Belohnung.

Insgesamt 24 Hunde des kubanischen Zolls, aber auch von Polizei- und Spezialeinheiten werden wie Zulia im Hundedressur-Zentrum von Boyeros am Rande der Hauptstadt Havanna auf den Geruch von Geldscheinen abgerichtet. Damit versucht die Karibikinsel, dem Schmuggel von Einkünften aus dem Drogenhandel Einhalt zu gebieten.    

Spürhunde müssen ihre "olfaktorische Bibliothek" erweitern

Ausgebildet werden sie von dem Pariser Hundeexperten Berceau im Zuge des Programms Alcorca, bei dem Frankreich mit neun karibischen Ländern zur Bekämpfung von organisierter Kriminalität, Drogenhandel und Geldwäsche zusammenarbeitet und negative Auswirkungen auf französische Inseln wie Guadeloupe und Martinique begrenzen will. 

Spürhunde und Ermittler beim Training in Havanna

Spürhunde und Ermittler beim Training in Havanna

AFP

   

Zulia ist ein English Springer Spaniel – die Rasse ist für ihre Effizienz bei der Gerchserkennung berühmt. Bisher konnten die kubanischen Tiere jedoch lediglich Drogen erschnüffeln. "Sie hatten in ihrem Geruchsgedächtnis nicht den von Geldscheinen", eine Mischung aus Tinte und Papier, erklärt Berceau.    

Um ihre "olfaktorische Bibliothek" zu erweitern, gibt es nach seinen Worten nur eine Methode: "Die Durchsuchung basiert im Wesentlichen auf einem Spiel." Er geht dafür zunächst um das Fahrzeug herum, in dem die Banknoten versteckt sind. "Also muss sich der Hund vorstellen, dass der Ausbilder seinen Tennisball versteckt oder was auch immer das Spielzeug ist." Im Gepäck hat Berceau zu Konfetti verarbeitete Fünf-, Zehn-, 20-, 50-, 100-, 200- und 500-Euro-Banknoten, allesamt von der französischen Zentralbank zur Verfügung gestellt.    

Jeder Schein riecht anders

Jeder Geldschein hat nach Angaben von Berceau einen ganz eigenen Geruch: "Die Fünf-Euro-Scheine riechen zum Beispiel viel stärker als die 500-Euro-Scheine, aber der Hund muss alle Stückelungen finden können, daher arbeiten wir mit allen und nicht nur mit den einfacheren Fünf-Euro-Scheinen", erklärt Berceau. Sind sie für die Erkennung von Euro-Scheinen ausgebildet, könnten die Hunde auch US- und kanadische Dollar finden, obwohl sich deren Duft leicht unterscheide.    

Die kubanische Kriminalbeamtin Wendy Reyes Peralta nimmt mit ihrer sechsjährigen Hündin Ingrid zum zweiten Mal am Training teil: "Sie ist alles für mich", sagt sie liebevoll über ihr Tier. Die Hündin arbeitet sehr schnell und kratzt über den Boden, sobald sie das versteckte Geld gefunden hat. Andere Hunde zeigen einen Fund anders an, setzen sich hin oder bellen.    

Im vergangenen Jahr trugen die Spürnasen bereits zur Beschlagnahme einiger größerer Geldbeträge bei, vor allem in Dollar und Euro: "Wir haben Ergebnisse gesehen, die Hunde machen Fortschritte und das ganze Training ist nicht umsonst", sagt Peralta stolz.     

Patrice Paoli (r.) und Sicherheitsattache Michel Segura (.) mit Spürhunde-Fachmann David Berceau (M.)

Der französische Botschafter in Kuba, Patrice Paoli (r.) und Sicherheitsattache Michel Segura (.) mit Spürhunde-Fachmann David Berceau (M.) und drei ausgebildeten Schnüfflern

AFP

Sniper, Search und Sniffer auf besonderer Mission

Inzwischen erhielt die Hundetruppe Verstärkung: Aus Frankreich kamen drei Springer-Spaniel-Welpen in Kuba an. Sniper, Search und Sniffer werden eine ganz spezielle Mission haben. "Wir werden sie als Zuchthunde einsetzen", sagt Oberst Manuel Garcia Mendive von der zuständigen Behörde.

Um Erbkrankheiten zu vermeiden und die Effizienz der kubanischen Spürtruppe sicherzustellen, seien neue Zuchttiere aus Frankreich sehr willkommen.

mik / AFP