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Stadtporträt : Wuhan: Im "Backofen Chinas" nahm die Coronavirus-Epidemie ihren Anfang

Das neue Coronavirus breitet sich in der Welt aus. Die Metropole Wuhan in Zentralchina gilt als Ausgangsort der Epidemie. Inzwischen sind alle Verbindungen zwischen der Millionenstadt und der Außenwelt gekappt. 

Die Bunderegierung bereitet sich nach eigenen Angaben auf eine mögliche Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Wuhan vor

Coronavirus-Epidemie: Die Bunderegierung bereitet sich nach eigenen Angaben auf eine mögliche Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Wuhan vor

AFP

Wer Wuhan einmal im August besucht hat, der weiß, warum die Stadt auch den Beinamen "Backofen Chinas" trägt. Die Temperaturen erreichen dann gerne 40 oder 45 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent. Momentan ist davon freilich nichts zu merken. Draußen ist es kalt, neblig und die Bewohner der Elf-Millionen-Stadt bleiben zu Hause. Nachdem die Behörden am vergangenen Donnerstag in Peking die Stadt unter Quarantäne gestellt hatten, sind so gut wie alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt: Flug-, Bus- und Zugverbindungen sind gestrichen. Die Lage in der Stadt selbst scheint ernst, aber nicht bedrohlich zu sein. 

Die wenigen ausländischen Reporter, die sich noch in der Stadt aufhalten, berichten von kontrollierter Ruhe. Schlangen gebe es vor Apotheken, wo Menschen versuchen, Atemschutzmasken zu kaufen. 

Video-Blogger Luo Bin widerlegt auch Gerüchte, wonach es zu Nahrungsmittelengpässen gekommen ist. Auf YouTube erzählt Luo von Hamsterkäufen am Freitag und Samstag, mittlerweile seien die Regale wieder gefüllt. Unterdessen stampfen in der Stadt 4000 Menschen ein Krankenhaus aus dem Boden. Es soll kommende Woche fertiggestellt werden, um mehr Platz für die Infizierten zu haben. Berichte, wonach die bisherigen Krankenhäuser heillos überfüllt seien, waren in den vergangenen Tagen immer wieder zu hören.

Größte Universitätsstadt Chinas

Die Hauptstadt der Provinz Hubei gibt es als solche erst seit 1953. Sie wuchs damals aus den drei Städten Hankou, Wuchang und Hanyang zusammen. In Hankou hatten sich Anfang des 20. Jahrhundert auch einige europäische Kolonialmächte angesiedelt. Damals war die Stadt durch ihre geographische Lage eines der wichtigsten Handelszentren des Landes. Deren Bauten im Belle-Epoque-Stil stehen noch heute im Zentrum der Stadt am Yangtse, den heute eine lange Uferpromenade ziert. Inspiration dafür holte man sich Anfang der Nullerjahre von der deutschen Partnerstadt Duisburg. 

Wie Duisburg nämlich war Wuhan lange ein Zentrum der Schwerindustrie. Seit ein paar Jahren aber wird versucht, die Stadt fit für das 21. Jahrhundert zu machen: mehr Umwelttechnologie, mehr Forschung und Wissenschaft. So ist Wuhan mittlerweile die mit 1,2 Millionen Studenten größte Universitätsstadt Chinas

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Wegen der Corona-Krise haben die USA und Frankreich damit begonnen, ihre Staatsbürger aus der Stadt zu evakuieren. Anders als Peking und Shanghai haben sich nur wenige ausländische Unternehmen in der zentralchinesischen Metropole angesiedelt. Eine Ausnahme ist das Joint-Venture des französischen Automobil-Herstellers PSA mit dem chinesischen Staatsunternehmen Dongfeng. Dem gefolgt sind rund 50 weitere kleinere französische Unternehmen. Auch deutsche Unternehmen gibt es in Wuhan, so produziert dort zum Beispiel der deutsche Mittelständler Webasto, ein Hersteller von Autodächern.

Wuhan als wichtiges Drehkreuz

Der Fischmarkt der Stadt, wo nach bisherigen Erkenntnissen der Corona-Erreger seinen Ursprung hat, ist bis auf Weiteres geschlossen. Im Netz aber mehren sich Verschwörungstheorien, wonach das Virus auch aus einem Biolabor für Forschungen an gefährlichen Krankheitserregern entsprungen sein könnte. 

Heute ist Wuhan ein Drehkreuz für die wichtigen Hochgeschwindigkeitszüge, die die chinesischen Metropolen verbinden. Sowohl von Peking als auch von Shanghai braucht man dorthin rund zwei Stunden. Die überaus günstige Lage als Verkehrsknotenpunkt ist ein Segen, in Zeiten des Corona-Virus aber eben auch Fluch. Noch stört die Isolation die meisten Chinesen wenig: Die Woche um das Frühlingsfest verbringen die meisten ohnehin im Kreis der Familie. Das aber dürfte sich am Wochenende ändern. Dann wollen rund 300 Millionen Chinesen wieder zurückreisen - und die, die in Wuhan festsitzen, die Stadt verlassen.