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US-Bundesstaat New York Zwillinge sterben beide in Pandemie – im Abstand von 100 Jahren

Militärfriedhof in Arlington
Letzte Ruhestätte: Ein großes Militärbegräbnis wurde Weltkriegsveteran Philip Kahn wegen der Corona-Beschränkungen nicht zuteil (Symbolbild)
© Alex Wong / AFP
Im US-Bundesstaat New York ist ein Weltkriegsveteran nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Auch sein Zwillingsbruder fiel einer Pandemie zum Opfer - vor 100 Jahren.

Ein US-Kriegsveteran ist an einer Infektion mit dem weltweit grassierenden Coronavirus gestoben - 100 Jahre nachdem sein Zwillingsbruder ebenfalls einer Pandemie zum Opfer fiel. Philip Kahn aus Long Island im US-Bundesstaat New York hatte die Spanische Grippe und den Zweiten Weltkrieg überlebt, doch Covid-19 konnte sein gealterter Körper nicht mehr standhalten, wie US-Medien berichten. Er sei bereits vergangene Woche einer Infektion mit dem Sars-Cov-2 genannten Coronaerreger erlegen, erzählte sein Enkel Warren Zysman dem US-Nachrichtensender CNN.

Kahn fürchtete immer eine zweite Pandemie

Philip Kahn und sein Zwillingsbruder Samuel waren laut CNN am 5. Dezember 1919 zur Welt gekommen. Doch Samuel sei bereits kurz nach der Geburt an der Spanischen Grippe, die damals die ganze Welt heimsuchte, gestorben.

"Mein Großvater hatte mir mein ganzes Leben lang immer von seinem Zwillingsbruder Samuel erzählt, der während der Spanischen-Grippe-Pandemie gestorben war", zitiert der US-Sender CBS Warren Zysman. Und Kahns Enkelin Corey Karlin-Zysman sagte CBS: "Zu wissen, dass du einen Zwillingsbruder hattest, den du wegen einer Pandemie letztlich nie kennengelernt hast, hat ihn wirklich betroffen gemacht." Am Ende sei ihr Großvater ganz bei der Sache gewesen. "Er wusste, was vor sich ging, und er hat definitiv zwei und zwei zusammengezählt und die Ironie darin gesehen."

Warren Zysman berichtete CNN, Kahn habe zeitlebens eine zweite derartige Pandemie befürchtet und immer wieder davon gesprochen. "'Ich habe Dir gesagt, Geschichte wiederholt sich, hundert Jahre sind keine so lange Zeit'", zitierte Zysman seinen Großvater.

Die Spanische Grippe gilt als die tödlichste Pandemie der Neuzeit. Schätzungsweise 500 Millionen Menschen - ein Drittel der damaligen Weltbevölkerung - steckten sich an, 50 Millionen von ihnen starben.

Coronakrise überschattet auch das Begräbnis

Kahn war laut CBS ein mehrfach dekorierter Luftwaffenveteran aus dem Zweiten Weltkrieg und kämpfte unter anderem in der Schlacht von Iwo Jima im Pazifik gegen die Japaner. Seine Geschichte teilte er mit anderen, indem er Fotos, die er gemacht hatte einem Museum spendete. "Krieg ist schrecklich", sagte Kahn der Lokalzeitung "Newsday" anlässlich seines 98. Geburtstages im Jahr 2017. In den 1970er-Jahren half Kahn den Berichten zufolge als Elektriker beim Bau der Twin Towers des World Trade Centers in New York.

Bei seinem Begräbnis durften Kahns Urenkel Reden halten, wie  die US-Zeitung "USA Today" berichtete. Und ein anderer Weltkriegsveteran der mit ihm gedient hatte, habe Trompete gespielt - wegen der Coronakrise alles in gebührendem Abstand.

"Er hatte sich immer ein großes Militärbegräbnis gewünscht, aber das konnten wir ihm nicht bieten", sagte Warren Zysman den US-Medien. Doch es gebe einen Trost: "Mein Großvater wird nach 100 Jahren endlich die Gelegenheit haben, seinen Zwillingsbruder zu treffen."

Quellen: CNNCBS, "USA Today", Nachrichtenagentur AFP

mad

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