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Skandal in Moskau Corona-Verdacht: Frau stirbt eine Stunde nachdem sie aus Krankenhaus entlassen wurde

Das städtische Krankenhaus Nr. 52 in Moskau: Eine Stunde nach ihrer Entlassung ist eine Patientin der Klinik gestorben 
Das städtische Krankenhaus Nr. 52 in Moskau: Eine Stunde nach ihrer Entlassung ist eine Patientin der Klinik gestorben 
© Stanislav Krasilnikov / Picture Alliance
Obwohl sie mit Fieber und Verdacht auf eine Lungenentzündung eingeliefert wird, entlässt ein Moskauer Krankenhaus eine Patientin nach Hause. Eine Stunde später ist sie tot. Ein tragischer Fall, der viele Fragen aufwirft.

Am vergangenen Freitag wurde Elena T. in das städtische Krankenhaus Nr. 52 eingeliefert. Die Moskauerin klagte über Fieber und Schmerzen in der Brust, berichten der russische TV-Sender Ren und das Magazin "Mash". Die Ärzte untersuchten die 48-Jährige wegen des Verdachts auf eine Lungenentzündung. Nach Angaben des russischen Gesundheitsministeriums wurde ein Coronavirus-Test und eine Computertomographie der Lunge durchgeführt.

Doch die Mediziner hätten keine Veränderungen der Organe feststellen können. Auch der Covid-19-Test sei negativ ausgefallen. "Der Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion wurde nicht bestätigt. Angesichts dieses Ergebnisses und der Abwesenheit von Symptomen, wurde die Patientin am nächsten Tag, am 18. April, entlassen", hieß es aus dem Ministerium. 

Mit einem Taxi des Sozialdienstes sei die 48-Jährige nach Hause gefahren worden. Sie sei aktiv gewesen und habe sich selbstständig fortbewegen können, betonte man beim Gesundheitsministerium. Vor ihrem Haus sei die Frau von Sozialarbeitern in Empfang genommen worden.

Patientin stirbt vor ihrem Haus

Aufnahmen, die von dem Sender Ren veröffentlicht wurden, zeigen, wie die Patientin auf einer Parkbank vor ihrem Haus von drei Frauen in Atemschutzmasken umgeben wird. Als sie sahen, in was für einer Verfassung sich Elena T. befand, alarmierten sie die den Notdienst. Elf Minuten später traf der Krankenwagen ein. Doch die Ärzte konnten nur noch den Tod der 48-Jährigen diagnostizieren, berichtet die Nachrichtenagentur Tass.

Nach Informationen des Senders Ren war Elena T. eine Stunde nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus tot. Der Fall wirft nun viele Fragen auf. Die Frau litt Medienberichten zufolge an einer Leberzirrhose und gehörte somit zu der Corona-Risikogruppe. Warum wurde sie also entlassen, obwohl sie über die Corona-Symptome geklagt hatte? Warum wurde kein zweiter Corona-Test durchgeführt, obwohl bekannt ist, dass ein einziger Test oft nicht ausreicht, um eine Infektion zu erkennen? Warum wurde die Patientin von Sozialdienst nach Hause gebracht, wenn sie sich in einem unbedenklichen Zustand befunden haben soll? 

Diese Fragen wird nicht nur die verantwortliche Klinik beantworten müssen, sondern auch das Gesundheitsministerium. Die russische Regierung wird nicht müde zu betonen, dass das Gesundheitssystem gegen die Corona-Pandemie gut gewappnet ist und man die Lage im Griff hat. Doch immer mehr Ärzte bekunden das Gegenteil. Auch der Fall von Elena T. lässt nun erhebliche Zweifel an der offiziellen Darstellung entstehen. Eine Autopsie soll nun zumindest die genaue Todesursache klären. 

Mehr zu den Zuständen in russischen Krankenhäusern lesen Sie unter diesem Link.

Quellen: Ren, "Masch", Tass, russisches Gesundheitsministerium 


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