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Weltpostkartentag Mehr als nur ein Urlaubsgruß – ein Plädoyer für die Postkarte

Weltpostkartentag – Ein Plädoyer für die Postkarte
Postkarten erinnern an Urlaub – aber man muss nicht weit gereist sein, um eine zu verschicken.
© Jakob Owens / Unsplash
Am 30. Juli ist Weltpostkartentag. Ja, die Postkarte hat es zu einem eigenen, eingetragenen Tag gebracht – zu Recht, findet unsere Autorin. Sie ruft dazu auf, mehr Grüße auf dem Postweg zu versenden. 

"Briefträger haben gar keine Zeit, Postkarten zu lesen – aber ein Hauch Urlaub auf der Zustelltour ist ja mal ganz schön", sagte ein Sprecher der Post kürzlich der Deutschen Presseagentur. Wer bisher besorgt war, dass seine Postkarten von neugierigen Augen gelesen werden könnten, sei hiermit beruhigt. Die größere Gefahr scheint mir allerdings nicht das verletzte Briefgeheimnis zu sein; das rohe Überleben der Postkarte selbst steht auf dem Spiel. Oder wann hatten Sie zum letzten Mal eine solche im Briefkasten? Na also. Dabei kommt es doch nicht darauf an, ob ein friesisches Schaf mir entgegenblökt, ob historische Ruinen in der Abendsonne leuchten oder bierbäuchige Männer sich ulkig am Strand rekeln. Jeder freut sich über Postkarten.

Ein paar Zeilen, "heute waren wir an der Steilküste, es war wundervoll", "ich habe mir eine Lebensmittelvergiftung eigehandelt", "ich vermisse dich" – das ist nicht so schwer. Und wenn der Empfänger sich auch nicht über die Lebensmittelvergiftung freut, so freut er sich doch über den Gedanken. Eine Postkarte sagt: Ich bin weit weg, aber ich denke an dich. Ich schicke dir Grüße, ich schicke dir die Sonne der Toskana. Natürlich lässt sich all das auch per Nachricht von einem Smartphone zum nächsten abhandeln, aber während ich das schreibe, merke ich schon: Das Smartphone ist zum Abhandeln da. 

Postkarten erneuern die Verbundenheit

Das Schreiben einer Postkarte zwingt zum Innehalten, wenn auch nur für ein paar Minuten. Man nimmt sich Zeit für den anderen und dabei auch für sich. Was kann ich über mich erzählen? Wie geht es mir eigentlich? Wie ist der Urlaub bisher?

Um anderen einen postalischen Gruß zu schicken, muss man aber nicht weit gereist sein. In den letzten Monaten haben wir erleben müssen, dass die Menschen, die wir gerne haben, nicht immer physisch erreichbar sind – selbst wenn sie ganz in der Nähe wohnen. Zu Beginn des Corona-Lockdowns hingen in den Fenstern meines Viertels gemalte Regenbogen, mit denen sich Kinder ihre Verbundenheit zeigten. "Alles wird wieder gut", stand auf einem der Papiere. In manch anderem Fenster konnte man lesen "Die Briefkästen haben offen, schreibt Briefe" – dem möchte ich hinzufügen: Schreibt zumindest Postkarten. Sie sind kürzer als ein Brief, leichter als ein Regenbogen und auch sie erneuern die Verbundenheit. Postkarten sind eine Erinnerung daran, dass wir nicht alleine sind, und dass wir nicht alleine durch Krisen gehen. 

Wenn Sie beim Lesen dieses Textes an jemanden denken mussten, schreiben Sie ihm oder ihr. Ein paar Worte, das reicht ja schon. Und ich kann mich nur wiederholen: Jeder freut sich über Postkarten.


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