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Deutschlandweit Schnee Nur sechs Mal in 100 Jahren: Wieso weiße Weihnacht mehr Wunsch als Wirklichkeit ist

Sehen Sie im Video: Weiße Weihnacht? Wann und wo 2020 noch Schnee fallen könnte.




Metereologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst hat für weite Teile Deutschlands keine Hoffnung für eine weiße Weihnacht. Auch in den Tagen danach muss man schon deutlich über 500 Meter oberhalb des Meeresspiegels weilen, um Schnee zu erleben. "Der Grund ist, wir haben vor Weihnachten eine richtig milde Wetterlage mit Temperaturen 10/15 Grad. Das ist so die typische Weihnachtstauwetterlage. Viel Regen auch in Deutschland. Und am Heiligen Abend, da zieht ein Sturmtief von England über Norddeutschland oder die Nordsee nach Osten. Es kann sogar eine ausgewachsenes Sturmtief am Heiligen Abend geben. Das ist für uns Meteorologen spannend. Wir hatten ja den letzten Orkan 1999 mit Lothar und hinter diesem Sturmtief, da kommt kältere Luft nach Deutschland. Die Temperaturen sinken. Wir erwarten Temperaturen in den Niederungen nur noch so um plus 5 Grad. Tagsüber, an den Feiertagen, oberhalb von 6 bis 800 Metern gibt's dann Dauerfrost und die Niederschläge fallen dort als Schnee. Also, alle die jetzt auf Schnee hoffen, können in den Mittelgebirgen zum Zuge kommen und vor allem am Alpenrand." Die erste Aussicht auf Schnee in niedrigen Lagen besteht laut Friedrich erst im kommenden Jahr. "Es gibt Berechnungen, dass es mal eine Kältewelle Anfang Januar geben kann, aber das ist sehr unsicher. Und der ganze Winter? Da haben wir Voraussagen, dass der eher zu mild in Deutschland sein soll, also wenn man die Zeit von Dezember bis Februar betrachtet. Aber zwischendrin kann es immer kalt werden. Und wann das passiert im Januar, wissen wir halt noch nicht. Das können wir nicht vorhersagen. Es könnte Anfang Januar mal so eine kalte Woche geben." Es wird erst mal wohl keinen Schnee geben, und wahrscheinlich noch mehr gute Gründe, schön zu Hause zu bleiben.
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Schneeflocken, Eisblumen an den Fenstern, Schneeballschlacht vor der Bescherung und ein Schneespaziergang am Feiertag: Viele Menschen träumen von einer weißen Weihnacht. Doch die ist in Deutschland gar nicht so wahrscheinlich.

Dreaming of a white Christmas? Weiße Weihnacht wird alle Jahre wieder zum Thema von Fragen und Spekulationen. Besungen in Weihnachtsliedern wie dem Klassiker "White Christmas" oder dem Traditionslied "Leise rieselt der Schnee", inszeniert in Weihnachtsdekorationen der Schaufenster oder in Weihnachtsfilmen zum Fest: Schnee darf einfach nicht fehlen. Verschneite Waldlandschaften, Kinder, die auf Schlitten Hügel hinuntersausen, Schlittschuhläufer auf zugefrorenen Seen und als Kontrastprogramm ein gemütliches Zuhause mit viel Kerzenschein oder gar einem flackernden Kaminfeuer.

Nur sechs weiße Weihnachten in 100 Jahren

Und die Wirklichkeit? So richtig schneereiche Weihnachten sind für die Menschen in Deutschland keine Selbstverständlichkeit, wenn sie nicht gerade hoch in den Alpen wohnen. Dabei ist zumindest die wissenschaftliche Definition von weißer Weihnacht etwas anspruchsloser als das weißfunkelnde Traumbild des Wunschdenkens. "Wenn an einer Wetterstation am 24., 25. und 26. Dezember jeweils ein Zentimeter Schnee oder mehr gemessen wurden, ist das nach Definition des Deutschen Wetterdienstes weiße Weihnacht", sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich.

Ist ein Zentimeter Schnee regelmäßig zu schaffen, oder ist weiße Weihnacht nur ein Mythos? Nach DWD-Angaben gab es in den vergangenen rund 100 Jahren in Deutschland nur ganze sechs Mal mehr oder weniger flächendeckend weiße Weihnachten über drei Tage hinweg: In den Jahren 1906, 1917, 1962, 1969, 1981 und 2010, zuletzt also vor genau zehn Jahren. Sprich: Eine ganze Generation von Grundschülern und Kindergartenkindern kann sich an vielen Orten in Deutschland nicht an weiße Weihnachten erinnern.

Allerdings gibt es deutliche regionale Unterschiede, so der DWD-Sprecher. So spielt die Höhenlage eine Rolle, in einigen Regionen auch der Abstand zum Meer. "Auf Helgoland liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fest mit einer Schneedecke nur bei zwei Prozent", sagt Friedrich. "In Berlin und Brandenburg gibt es eher weiße Weihnachten als in Niedersachsen."

Immerhin, wer bei weißer Weihnacht nicht auf der meteorologischen Definition von drei Tagen beharrt, sondern sich auch mit einem verschneiten Heiligabend alleine zufrieden gibt, kann in der DWD-Statistik mehr Treffer verbuchen.

Schneegarantie auf der Zugspitze

Einen Überblick über die gesamte Fläche Deutschlands gibt es für den 24. Dezember zwar nicht, aber für einzelne Städte hat der DWD ab den 1960er-Jahren Aufzeichnungen dazu: So gab es in Berlin an Heiligabend seit 1963 immerhin zehn Mal Schnee, davon drei Mal zehn und mehr Zentimeter. Zehn verschneite Weihnachtsabende hatte Hamburg seit 1961, im Jahr 2010 sogar mit knapp 20 Zentimetern Schnee.  

Gleich 19 Mal kam München seit 1961 an Heiligabend in den Genuss von Schneefall - wobei im Jahr 1962 die weiße Bescherung mit 28 Zentimeter Schneehöhe besonders reichlich ausfiel. In Mainz hingegen gab es seit 1961 insgesamt neun Mal Schnee an Heiligabend. Hier stach das Jahr 1981 mit 15 Zentimetern besonders hervor.

Schneegarantie zum Fest gibt es in Deutschland nur auf der Zugspitze. Dort war Weihnachten seit Beginn der dortigen Wetteraufzeichnung 1880 immer weiß. Allerdings: Mit jedem Höhenmeter darunter sinkt die Wahrscheinlichkeit.

Etwa sechs Mal nahezu flächendeckende weiße Weihnachten in einem Jahrhundert – das zeigt schon, dass der Traum vom verschneiten Fest sehr oft ein Traum bleibt und das Ereignis eher selten ist. Da habe die Klimaerwärmung bisher noch nichts Wesentliches verändert, sagt Friedrich angesichts der langen Abstände, die es bisher zwischen den weißen Weihnachten nach DWD-Definition gab. Für die Zukunft kann der Experte aber wenig Hoffnung machen: "Sollte die Klimaerwärmung weiter wie aktuell fortschreiten, könnten die Wahrscheinlichkeiten für weiße Weihnachten in vielen Teilen Deutschlands in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich geringer werden."

mad / Eva Krafczyk, DPA

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