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Wintereinbruch in Deutschland: Chaos auf den Straßen, den Schienen und in der Luft

Der Wintereinbruch in weiten Teilen Deutschlands hat zu mehr als 2.000 Verkehrsunfällen geführt. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben, weit mehr als hundert wurden zum Teil schwer verletzt.

Schnee und Eis haben bundesweit für ein großes Verkehrschaos gesorgt: Allein die Polizei in Nordrhein-Westfalen zählte zwischen Montagnachmittag und Dienstagmorgen 1784 witterungsbedingte Unfälle. Dabei kam ein Mensch ums Leben, 20 wurden schwer verletzt, wie das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste am Dienstag in Duisburg mitteilte. Die Nachrichtenagenturen DPA und DADP melden dagegen drei Tote. Der frühe Winter hatte auch europäische Nachbarländer wie Frankreich fest im Griff.

Im Osten von Schleswig-Holstein kam der Verkehr bei stellenweise bis zu 40 Zentimetern Neuschnee und zahlreichen Unfällen auf einigen Straßen zum Erliegen, wie die Polizei in Lübeck mitteilte. Der öffentliche Busverkehr wurde teilweise eingestellt. Straßen im Kreis Ostholstein waren stundenlang durch im Schnee steckengebliebene Fahrzeuge blockiert. Zahlreiche Unfälle mit Verletzten meldete die Polizei auch aus Hessen und Bayern. Auf der glatten Autobahn 7 bei Würzburg geriet in der Nacht zum Dienstag ein Schweinetransporter ins Schleudern und kippte um. Der Fahrer wurde schwer verletzt, 25 Tiere starben.

In Nordbayern stoppte ein unter Schneemassen zusammengebrochener Baum einen ICE und zwang die rund 200 Passagiere zur Übernachtung in einer Turnhalle. Wie ein Bahnsprecher in München mitteilte, beschädigte der Baum am Montagabend auf der Strecke zwischen Berlin und München bei Ludwigsstadt die Strom-Oberleitung. Weil ein Abtransport der Reisenden mit Bussen wegen der Straßenverhältnisse unmöglich war, wurden sie mit einem dieselbetriebenen Ersatzzug nach Ludwigsstadt gebracht und vom Roten Kreuz in der Turnhalle einquartiert.

Auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main fielen wegen des Winterwetters bis Dienstagmittag nach Angaben einer Sprecherin mehr als 220 Flüge aus. Zudem gebe es Verspätungen, weil Flugzeuge vor dem Start enteist werden müssten, sagte sie.

Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach zufolge lag Deutschland am Dienstag in weiten Teilen unter einer "dicken Schneedecke". Auf der Zugspitze lagen bereits 110 Zentimeter Schnee, aber auch in München oder Leipzig seien Schneehöhen von immerhin 16 Zentimeter gemessen worden. Am Mittwoch bringe das Tief "Katharina" von Süden her neuen Schnee.

Der ungewöhnlich frühe Winter machte auch Frankreich und Großbritannien zu schaffen. In Zentralfrankreich im Gebiet zwischen Orléans, Chartres und Chateaudun wurden Rekordtemperaturen von bis zu minus 16,8 Grad gemessen. In der Region Loiret fielen 20 bis 25 Zentimeter Schnee, ebenfalls ein Rekord für den Monat November und die drittstärksten Schneefälle seit dem März 1946.

In Südfrankreich saßen bei klirrender Kälte etwa dreißig Ausflügler drei Stunden lang in einer Seilbahn fest, die zur Sternwarte am Pic du Midi hochfahren sollte. Ein Bremsmechanismus war eingefroren. Die Touristen mussten sich aus der Gondel abseilen und dann entweder mit Skiern oder der Pistenraupe ins Tal fahren.

Schnee gab es auch in weiten Teilen Großbritanniens, im Südosten und Osten Englands lagen nach Angaben des britischen Wetterdienstes bis zu 2,5 Zentimeter. Auch in der Hauptstadt London schneite es. An einigen Flughäfen, darunter Luton und Stansted im Großraum London, kam es zu Störungen im Flugverkehr. In Schottland war der Bahnverkehr zum Teil unterbrochen und hunderte Schulen blieben geschlossen.

AFP/DAPD/DPA / DPA