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Genschere, Psycho-Studien, Zwergplaneten: Die Top Ten der Wissenschaft 2015

Am Erbgut präzise, einfach und preisgünstig Änderungen vornehmen - der Wissenschaftsdurchbruch des Jahres 2015 macht das möglich. Das Fachmagazin "Science" hat die Top Ten der Entdeckungen des vergangenen Jahres gekürt. Die Liste zeigt: Wir Menschen können mehr als Krieg und Terror.

Dank einer neuen Technik lässt sich leicht, präzise und preisgünstig in die DNA eingreifen

Eine Schere fürs Erbgut

Eine Allround-Schere für die Bearbeitung von Genen ist nach Einschätzung des Fachmagazins "Science" der wissenschaftliche Durchbruch des Jahres 2015: Die Crispr genannte Technik ermöglicht es, das Erbgut sämtlicher Organismen - Bakterien, Tiere, Pflanzen und Menschen - effektiv zu verändern. Während zuvor jeweils spezialisierte Werkzeuge kreiert werden mussten, funktioniert Crispr mit der immer gleichen Schere, die zusammen mit zwei einfachen Molekülen eine bestimmte DNA-Stelle findet. Entwickelt hat sie unter anderem Emmanuelle Charpentier, die seit 1. Oktober Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie ist. Mit Crispr können Forscher Gene ausschalten, defekte durch korrekte DNA-Teile ersetzen oder

neue Gensequenzen einfügen. Das einfache und preisgünstige Verfahren ist drei Jahre alt und bereits zwei Mal in Verbindung mit anderen Gen-Techniken auf der Liste. In diesem Jahr hätten nun gleich drei Studien das Potenzial von Crispr verdeutlicht,begründet "Science" den ersten Platz: So etwa der Ansatz, Insekten derart zu verändern, dass sie keine Krankheiten mehr übertragen können. Viel Kritik ernteten hingegen chinesische Forscher, die mit Crispr einen Embryo gentechnisch verändert hatten. Deren Hauotautor Junjiu Huang wird vom Fachmagazin "Nature" dennoch zu den Top Ten der Forscher 2015 gezählt. Er sieht laut "Nature" seine Arbeit auch als Warnung, dass die Methode (noch) alles andere als sicher ist. Bei drei folgenden von "Science" gekürten Arbeiten hat "Nature" unabhängig davon den Teamleiter gekürt. 

Wissenschaft ist Sisyphosarbeit: Man prüft Hypothesen, verwirft sie und kommt meist nur im Schneckentempo voran. Umso erfreulicher, wenn ein großer Durchbruch gelingt. Wenn uns Weltraumsonden tiefe Einblicke in weit entfernte Welten gewähren und mühsame Knochenarbeit dazu beiträgt, eine neue Menschenart zu entdecken. Wenn sich im Kampf gegen eine Erkrankung wie Ebola ein Hoffnungsschimmer abzeichnet und so etwas Banales wie eine Bäckerhefe sich zu einer kleinen Medizin-Fabrik entwickeln lässt. Optimierungsbedarf allerdings noch vorhanden. Das Fachmagazin "Science" kürt jährlich im Dezember die größten wissenschaftlichen Durchbrüche des vergangenen Jahres. Der stern zeigt, was 2015 in den Laboren los war - und in welche fernen Welten Wissenschaftler vorgedrungen sind. Eine Reise in zehn Bildern.