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Braukunst Bierbrauen war Frauensache – bis fanatische Christen die Brauerinnen als Hexen verfolgten

In der Zeit des Hexenwahn war schon der bloße Verdacht oft tödlich.
In der Zeit des Hexenwahns war schon der bloße Verdacht oft tödlich.
© Commons
Traditionell brauten Frauen das Bier, solange bis christlichen Fundamentalisten satanische Rituale im Braukessel witterten. Innerhalb kurzer Zeit wurden die Frauen aus dem Braugeschäft verdrängt.

Seit 100.000 Jahren trinken die Menschen Bier und bis etwa zum Jahr 1500 wurde das süffige Getränk vor allem von Frauen gemacht. Wie die Textilherstellung zählte das Brauen zu den Arbeiten des Hauses. Und darüber wachte die Herrin desselben.

Das Bier hatte weniger Prozente als heute und galt als Nahrungsmittel. Es war eine einfache Möglichkeit, Getreide zu verarbeiten. Die Fermentierung wertete das Getränk für den Organismus auf. Außerdem war es ungefährlicher, auf diese Weise Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Dieses Bier wurde nicht in "Fabriken" hergestellt, sondern im Rahmen des Haushaltens. Die Finnen glaubten, ihre Göttin Kalevatar habe das göttliche Getränk dem Mann gebracht. Die Wikinger erlaubten nur Frauen, Bier zu brauen. Die Nonne Hildegard von Bingen hat als Erstes die Verwendung von Hopfen beim Brauen öffentlich empfohlen.

Die Zeichen der Hexerei

Aber natürlich wurde das Gebräu auch auf Märkten verkauft. Abbildungen zeigen Frauen mit spitzen Hüten, die in großen Kesseln herumrührten. Zusätzlich waren häufig Katzen zu sehen, sie sollten die Mäuse vom Getreide fernhalten. Ein umgedrehter Besen vor dem Haus bedeutete, dass es frisches Bier gab. Ein sechseckiger Stern war ein Zeichen für die Qualität des Bieres. Hut – Kessel – Katze – Besen - Sternzeichen. Diese Symbole sind auch heute noch bekannt. Aber nicht als Sinnbild für geschäftstüchtige Frauen, sondern als Zeichen für Hexen.

Denn gerade als die Märkte florierten, begann die Zeit der Reformation. Die Laxheit in religiösen Fragen hatte ein Ende, es begann eine Zeit des christlichen Fundamentalismus. Für die Frauen bedeutete die stärkere Religiosität generell nichts Gutes, sie wurden auf das klassische christliche Frauenbild reduziert. Gleichzeitig erlebte die Hexenverfolgung ihren Höhepunkt. Der Hexenwahn ging in England Hand in Hand damit, Rollenbilder durchzusetzen, die Frauen auf Kindererziehung und den eigenen Haushalt festlegen wollten. In den 1500er-Jahren begannen Städte wie Chester in England damit, Frauen zu verbieten, Bier zu verkaufen. In anderen Ländern schlossen Zünfte die weiblichen Nebenerwerbsbrauerinnen aus.

Quelle: Smithsonian


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