VG-Wort Pixel

Ägypten Cheops-Pyramide "voller Hohlräume": Wirbel um vermeintlichen Sensationsfund

In den Cheops-Pyramiden von Gizeh entdeckten Forscher Anfang November einen großen Hohlraum. Mittels Myonen-Detektoren entdeckten die Forscher die erste große architektonische Struktur in dem 4500 Jahre alten Grabmal seit dem 19- Jahrhundert. Und erstellten eine Art Röntgenbild der Pyramide. Im Fachmagazin "Nature" berichteten Forscher darüber. Doch der Fund löste nun Streit aus. Das Ministerium für Altertümer in Ägypten wirft den Forschern vor, vorschnelle Schlüsse aus den Messungen zu ziehen. Die Forscher hätten sich zudem nicht mit der Wissenschaftlerkommission abgestimmt, die das Scan-Pyramids-Projekt beaufsichtigt. Der Generalsekretär des Antiken-Ministeriums, Mostfa Waziri, sagte, die Forscher hätten die Ergebnisse ihrer bildgebenden Verfahren den Ägyptologen der Wissenschaftler-Kommission vorlegen müssen. "Diese Experten haben vorher schon gesagt, dass die Existenz von Hohlräumen in den Pyramiden nichts Neues ist, sondern eine unter Ägyptologen wohlbekannte Tatsache." Man müsse beim Begriff des Hohlraums sehr vorsichtig sein, denn die ganze Große Pyramide ist voller Hohlräume, so Waziri.
Mehr
Der Fund eines riesigen Hohlraums in der Cheops-Pyramide wurde weltweit als Sensation gefeiert. Doch führende ägyptische Archäologen sind skeptisch. Entpuppt sich der Fund als Luftnummer?

Die Meldung über den Fund eines Hohlraums in der Cheops-Pyramide in Ägypten ging Ende vergangener Woche um die Welt:  Der Hohlraum, so berichteten die Forscher, sei seit 4500 Jahren unberührt - und habe in etwa die Größe eines Passagierflugzeuges mit 200 Plätzen. Über die Einzelheiten ihrer Entdeckung schrieb das Forscherteam um den Japaner Kunihiro Morishima im Fachblatt "Nature". Den Hohlraum hatten die Wissenschaftler mit Hilfe sogenannter Myonen-Teilchen aufgespürt. Auch der stern hatte unter der Überschrift "Riesiger Hohlraum in der Cheops-Pyramide entdeckt" über den Fund berichtet. 

Nun bekommt das Forscherteam allerdings mächtig Gegenwind - und zwar von hoher Stelle. Der einflussreiche ägyptische Archäologe Sahi Hawass hat die Veröffentlichung der Studie zu dem riesigen Hohlraum in der Cheops-Pyramide kritisiert. Die Pyramide sei "voller Hohlräume" und dies bedeute nicht, "dass es einen geheimen Raum gibt oder es sich um eine neue Entdeckung handelt", erklärte der ehemalige Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung am Wochenende.

Voreilige Veröffentlichung?

Hawass leitet das Wissenschaftskomitee ScanPyramids. Es betreut das Projekt zur Suche nach versteckten Räumen. Als die am Projekt beteiligten Forscher ihre Erkenntnisse präsentiert hätten, seien sie darüber informiert worden, dass es sich nicht um eine "Entdeckung" handele, sagte Hawass.

Auch der neue Chef der Altertümerbehörde, Mustafa Wasiri, kritisierte die Veröffentlichung. Das Projekt müsse die vorgeschriebenen Schritte innerhalb der wissenschaftlichen Forschung durchlaufen, bevor es publiziert werde, erklärte Wasiri. Wie er gegenüber "Gulf News" erklärte, sei die Öffentlichkeit "voreilig" über den vermeintlichen Fund informiert worden.

Tatsächlich ist über die Funktion des Hohlraums bislang nichts bekannt. Die rund 30 Meter lange Kammer befindet sich demnach über der "Großen Galerie", einem fast 50 Meter langen Tunnel, der die Grabkammer des Pharaos mit einem zum Ausgang führenden Gang verbindet. Neben der "Großen Galerie" existieren in der Cheops-Pyramide noch zwei weitere Hohlräume: die Königinnenkammer und die Königskammer.

Die 139 Meter hohe Cheops-Pyramide ist die größte der Pyramiden von Giseh. Das 230 Meter breite Grabmal wurde für Pharao Cheops errichtet, der von 2509 bis 2483 herrschte. Die Pyramide zählt zu den sieben Weltwundern der Antike. Wie genau der monumentale Bau errichtet wurde, ist bis heute unbekannt.

ikr, mit AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker