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Liebeskult in China Ewige Umarmung – Frau opferte sich in einem 1500 Jahre altem Grab

Das Grab und eine Illustration der innigen Pose.
Das Grab und eine Illustration der innigen Pose.
© Qian Wang/ Anqi Wang / PR
Ein 1500 Jahre altes Grab zeigt zwei Liebende in ewiger Umarmung. Die Frau hat sich vermutlich für die Beerdigung geopfert. Freiwillig, denn damals blühte in China ein extremer Liebeskult.

Vor mehr als 1500 Jahren wurden zwei Liebende in einer ewigen Umarmung gemeinsam beigesetzt. Ihre Ruhestätte wurde vor Kurzem in Nordchina freigelegt. Gemeinsame Gräber von Männern und Frauen sind in China nicht ungewöhnlich, hier fällt auf, wie sorgsam die Körper in einer Pose bestattet wurde. In ihrer Studie nehmen die Forscher an, dass die Frau sich für das Begräbnis nach dem Tod ihres Liebhabers geopfert hat. Die miteinander verschlungene Pose von "zwei Skeletten, die sich in einer Umarmung umschlossen haben und ihre Liebe kühn zur Schau stellen" sei das erste Begräbnis diese Art in China.

Die Forscher glauben, dass sich eine neue Einstellung zur Liebe in der chinesischen Gesellschaft der damaligen Zeit widerspiegelt. Vermutlich handele es sich um eine freiwillige Opferung im Zusammenhang mit einem neuartigen, romantischen Liebeskult. "Dies ist das erste Paar, das zu irgendeinem Zeitpunkt in China in einer liebevollen Umarmung gefunden wurde", so der leitende Forscher der Studie, Qian Wang.

Erster Liebeskult der Geschichte

Während der Zeit, als dieses Paar lebte, wurde die Fähigkeit, Liebe frei auszudrücken und auszuleben, in China sehr populär, so die Forscher. Die Liebe war unbedingt, in der idealisierten Form ging sie mit dem Tod einher. Damals entstanden unzählige fiktive Liebesgeschichten und sogar historische Aufzeichnungen über Menschen, die sich das Leben wegen der Liebe nahmen. Das Streben nach Liebe und das Sterben für die Liebe sei kulturell "akzeptiert, wenn nicht sogar gefördert" worden, so Wang. Das ist ein anderer Zusammenhang als die Begräbnisse der Frühzeit, in denen sich mächtige Personen von ihrem Besitz und einem gesamten Hausstand inklusive Sklaven und Konkubinen ins Jenseits begleiten ließen.

Sorgsame Umarmung

Die Archäologen entdeckten die Stätte im Juni 2020 bei der Ausgrabung eines Friedhofs, der bei Bauarbeiten in der Provinz Shanxi freigelegt worden war. Der Friedhof enthält 600 Gräber der Xianbei, einer Nomadengruppe in Nordchina. Um die Umarmung des Paares nicht zu stören, wurden die Skelette nicht komplett freigelegt. So wie sie gefunden wurden, soll das Paar in einem Museum gezeigt werden. Der Mann wendete sich zum Körper der Frau hin und sein linker Arm lag unter ihr. Sein rechter Arm umarmte sie, die Hand lag auf Taille. "Der Körper der Frau befand sich in einer Position, als würde sie umarmt werden ", schreiben die Forscher. Ihr Kopf war nach unten gerichtet, ihr Gesicht ruhte auf seiner Schulter. Ihre Arme umfassten seinen Körper. Die Pose sollte die Liebe des Paares widerspiegeln. "Die Botschaft war klar: Mann und Frau lagen zusammen und umarmten sich für die ewige Liebe im Jenseits", so die Forscher.

Es fanden sich noch Tongefäße mit Holzkohle und Asche, das Material sollte Feuchtigkeit im Grab binden. Der Mann starb im Alter zwischen 29 und 35 Jahren, er war etwa 161,5 Zentimeter groß und hatte einige Verletzungen, darunter einen gebrochenen Arm. Ein Teil eines Fingers an seiner rechten Hand fehlte. Die Frau war etwa zwischen 35 und 40 Jahre alt und damit etwas älter. Sie trug einen zeremoniellen Ring.

Reihenfolge nur zu vermuten

Die Todesursachen der beiden sind unklar, es ist aber eher unwahrscheinlich, dass sie gleichzeitig durch Gewalt, Krankheiten oder Vergiftungen starben. Die Forscher vermuten, dass der Mann, der in einem schlechteren körperlichen Zustand war, zuerst starb und die Frau sich für das gemeinsame Begräbnis opferte. Denkbar sei aber auch, dass die Frau zuerst starb und der Mann ihr folgte.

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Der Tod im Rahmen eines Liebeskults unterscheidet sich auch von den Paar-Gräbern der skythischen Nomaden. Hier werden Paare relativ häufig zusammen beigesetzt. Man vermutet aber, dass die Nomaden zueinander passende Tote gemeinsam beerdigten, die im Leben gar kein Paar gewesen waren.

Quelle: International Journal of Osteoarchaeology

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