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Google Doodle für Niels Bohr Der Mann, der Atome sichtbar machte


Niels Bohr war einer der brillantesten Wissenschaftler seiner Zeit. Er machte Quantenphysik sichtbar. Seine Arbeit lieferte aber auch die Grundlagen für die Entwicklung der Atombombe.
Von Oliver Noffke

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass mit dem Namen Niels Bohr sofort Assoziationen zur Atombombe mitschwingen. Schließlich gilt der Däne nicht nur als einer der wichtigsten Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts, sondern auch als einer der größten Kritiker von nuklearen Waffen. Die Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki müssen für ihn eine traumatische Erfahung gewesen sein, legte er mit seiner Arbeit doch die Grundlagen für strahlende Massenvernichtungswaffen. In einem Brandbrief warb er bei den Vereinten Nationen 1950 für eine "offene Welt" und eine friedliche Nutzung der Atomenergie.

Das Interesse für Wissenschaft wurde Bohr in die Wiege gelegt. Vater Christian war Mediziner und Physiologe. Er beschrieb als erster das Verhältnis von Hämoglobin zu Sauerstoff im Blut und dessen Bedeutung für den Energiehaushalt im Körper, den "Bohr-Effekt". Sein Bruder Harald wurde Professor für Mathematik und spielte in der dänischen Fußballnationalmannschaft, gewann 1908 sogar eine olympische Goldmedaille.

In tiefschürfenden Gesprächen soll der Vater seine Söhne für alle möglichen naturwissenschaftlichen Phänomene interessiert haben. "Ich wuchs in einem Haus mit einem reichen intellektuellen Leben auf, in dem wissenschaftliche Diskussionen alltäglich waren", sagte Bohr über seine Kindheit. Mit 18 begann er in Kopenhagen zu studieren. Seine Leidenschaft wurde die Physik. Schon drei Jahre später erhielt er die Goldmedaille der Dänischen Akademie der Wissenschaft für seine Erkenntnisse zur Messung der Oberflächenspannung von Flüssigkeiten. Es war seine erste Forschungsarbeit überhaupt. Nach seiner Doktorarbeit im Jahr 1911 ging er nach Cambridge und später nach Manchester, wo er im Labor von Ernest Rutherford arbeitete. Rutherford erhielt wenige Jahre zuvor den Nobelpreis in Chemie für seine Beschreibung der Halbwertszeit von radioaktiven Metallen.

Das Zeitalter der Naturwissenschaftler

In dieser Zeit entwickelte Bohr ein Atommodell, das noch heute an Schulen gelehrt wird. Atome bestehen demnach aus einem positiv geladenen Protonenkern und negativen Elektronen, die auf Bahnen um den Kern kreisen, wie Planeten um die Sonne. Die Elektronen selbst sitzen auf unterschiedlichen Bahnen, die für unterschiedliche Energieniveaus stehen. Das sein Modell Schwächen enthält, war ihm wohl schon bei der Veröffentlichung klar, aber es ist wahrscheinlich die komplexeste Darstellung dieser komplizierten Welt von Anziehung und Abstoßung, die man als Laie gerade noch nachvollziehen kann. Bohr konnte so erklären, was heute nicht einmal Elektronenmikroskope realistisch sichtbar machen können.

Als 30-Jähriger ging er zurück zur Universität von Kopenhagen um theoretische Physik zu lehren. Aus einem Lehrstuhl machte Bohr durch das geschickte Sammeln von Spendengeldern ein eigenes Institut, welches er 1920 einweihte. Im gleichen Jahr traf er auf Albert Einstein und Max Planck in Berlin, deren Arbeiten zur Quantenphysik sein eigenes Wirken maßgeblich beeinflussten. Kontinuierlich entwickelte Bohr sein Atommodell weiter und ebenso erweiterte er die Erkenntnisse anderer Wissenschaftler über das Periodensystem der chemischen Elemente. Für diese Leistungen erhielt er als erster Däne 1922 den Nobelpreis für Physik.

Die Bombe

Als im Dezember 1938 der deutsche Wissenschaftler Otto Hahn und sein Assistent Fritz Straßmann die Kernspaltung bewiesen, war Bohr sofort die Tragweite dieser Entdeckung bewusst. Als er im folgenden Januar eine Rede vor Wissenschaftlern in Princeton über diese Entdeckung hielt, schärfte er wohl auch unbewusst den Glauben an die militärischen Möglichkeiten dieser Entdeckung. Zudem zeigte er später, dass Uran 235 das Element ist, welches zur Spaltung notwendig ist.

Als die Nazis 1940 Dänemark besetzten soll er, trotz seiner jüdischen Mutter, in ihren Dienst treten. Er weigert sich, flieht im Segelboot über den Öresund nach Schweden und 1943 in die USA. Mittlerweile arbeiten nicht nur die Nazis an der endgültigen Waffe. In Los Alamos beteiligt er sich am "Manhattan Project" unter der Leitung des Kanadiers J. Robert Oppenheimer.

Als Physiker die Welt beherrschten

Wie viele seiner Kollegen konnte wohl auch Bohr erst nach dem 6. August 1945 wirklich begreifen, was sie geschaffen hatten. In Hiroshima und, drei Tage später, in Nagasaki sollen bis zu 280.000 Menschen sofort gestorben sein. Diese Macht in einer einzigen Hand konnte Bohr nicht ertragen. Er setzte sich dafür ein, Atomenergie allgemein zugänglich zu machen. Sein Brief an die UN rüttelte die Welt wach, die mittlerweile in Ost und West geteilt war.

So bleibt Niels Bohr nicht nur als brillanter Denker in Erinnerung. Sein Wirken ist auch Exemplarisch für eine Zeit, in der die Physik Antworten auf Alles zu haben schien und Wissenschaftler im Angesicht ungeahnter Möglichkeiten Gefahren ignorierten oder einfach ausblendeten.

Niels Bohr wurde am 7. Oktober 1885 in Kopenhagen geboren. Google ehrt ihn an seinem 127. Geburtstag mit einem eigenen Doodle.


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