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Kaffee: Ein Hoch auf die Kaffeetasse!

Neue Studien zeigen: Kaffee ist besser für die Gesundheit als sein Ruf. Röstung und Zubereitung bestimmen, wie nützlich und bekömmlich die Alltagsdroge ist - wir bringen Ihnen die guten Nachrichten im Überblick.

Von Regina Naumann

Mehr Energie

Neben seinem Duft ist das die beste Wirkung des Kaffees: Er muntert auf, verhilft zu besserer Konzentration und scheint das Kurzzeitgedächtnis aktivieren zu können. Verantwortlich dafür ist das Koffein - es ist der Gegenspieler eines wichtigen körpereigenen Botenstoffes, des Adenosins, das überall dort entsteht, wo im Körper Energie verbraucht wird. Wenn sich Adenosin nach einiger Zeit im Überschuss ansammelt, bindet es sich an spezielle Rezeptoren auf der Zelle und signalisiert damit: Stopp! Jetzt reicht es! Koffein wirkt dem ent-gegen, indem es Adenosin von dessen Rezeptoren verdrängt und die Zelle zu weiteren Aktivitäten stimuliert.

Besonders erwünscht ist dieser Effekt im Gehirn. Dort spielt Adenosin die Rolle eines körpereigenen "Sandmännchens": Je mehr Adenosin sich im Laufe des Tages an den Nervenzellen ansammelt, desto langsamer werden deren Aktivitäten. Wir werden müde. Kaffee verdrängt das hemmende Adenosin von den Neuronen und lässt sie wieder munter feuern - etwa zwei Stunden lang, dann schwindet die Koffeinwirkung. Wer allerdings versucht, mit ständigem Kaffeetrinken den Alltag wacher bewältigen zu können, spürt auch die Grenzen des Getränks: Wird das Ruhebedürfnis dauernd blockiert, bildet der Körper mehr Adenosin-Rezepto-ren. Es tritt ein Gewöhnungseffekt ein.

Besseres Gedächtnis

Kaffee macht nicht nur munter, sondern scheint auch das Gedächtnis anzuspornen. Der Innsbrucker Radiologe Florian Koppelstätter konnte bei seinen Kaffee trinkenden Probanden besondere Aktivitäten in den vorderen Hirnarealen messen, die für das Kurzzeitgedächtnis zuständig sind. Nach dem Genuss von 100 Milligramm Koffein, was ein bis zwei Tassen Kaffee entspricht, konnten sie Denkaufgaben deutlich schneller und mit höherer Treffsicherheit lösen.

Echte Flüssigkeitszufuhr

Kaffee gilt als entwässernd, in Italien gehört zu einem guten Espresso ein Glas Wasser. Das ist nett, nötig ist es nach neuen Erkenntnissen aber nicht. Zwar hemmt Koffein das antidiuretische (Wasser zurückhaltende) Hormon der Hirnanhangdrüse und fördert so die Wasserausscheidung durch die Nieren. Doch der Effekt ist nicht so gravierend wie bisher angenommen. Bei bis zu vier Tassen Kaffee pro Tag kann der Körper den Flüssigkeitsverlust ohne weiteres ausgleichen, zeigt eine Untersuchung der Universität Omaha in Nebraska. Die Wissenschaftler sammelten 24 Stunden lang den Urin von Testpersonen, von denen die Hälfte nur koffeinhaltige Getränke bekamen.

Unabhängig davon, ob die Probanden Koffein zu sich nahmen oder nicht, war am Ende die Urinmenge in beiden Gruppen gleich groß. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Empfehlungen geändert: Kaffee wird nun als gewöhnliches Getränk betrachtet und kann in die tägliche Flüssigkeitsbilanz eingerechnet werden.

Dauerhaft hoher Blutdruck nicht nachgewiesen

Wer nach einer Tasse starkem Kaffee einen geröteten Kopf und Herzklopfen bekommt, der mag ein offenes Ohr haben für die These, Kaffee könne zu Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck führen. Tatsächlich regt Koffein die Herztätigkeit an und verstärkt die Wirkung des Botenstoffes Noradrenalin, welcher den Blutdruck steigert. Dennoch ist bis jetzt nicht nachgewiesen, dass Kaffee den Blutdruck auch langfristig erhöht. "Auf einen kurzfristigen Anstieg folgt eine Gegenreaktion, weil sich die Blutgefäße unter dem Einfluss von Koffein weiten.

In der Summe gleicht sich das ziemlich gut aus", sagt Andreas Pfeiffer, Ernährungsmediziner am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. Studien bestätigen das: In einer zwölf Jahre dauernden Untersuchung an mehr als 150 000 Frauen konnte der Forscher Wolfgang Winkelmayer von der Harvard Medical School in Boston kein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck feststellen. Im Gegenteil: Frauen, die täglich vier oder mehr Tassen Kaffee tranken, hatten sogar ein leicht geringeres Risiko für erhöhten Blutdruck als diejenigen, die weniger oder keinen Kaffee tranken.

Und was das Herzklopfen nach Kaffeegenuss angeht: Bei Gesunden ist das ungefährlich; Menschen, die bereits unter Herzrhythmusstörungen leiden, sollten besser auf starken Kaffee verzichten.

Magenfreundlicher Espresso

Koffein und Gerbstoffe bereiten manchen Menschen Magenprobleme. Bekömmlicher als Filterkaffee ist Espresso - die milderen Sorten werden länger geröstet und bei der Zubereitung hat das Wasser nicht so lange Kontakt mit dem Pulver. Der Kaffee enthält daher weniger Gerbstoffe.

Antioxidative Wirkung

Hauptsächlich beim Rösten der braunen Bohnen entstehen Antioxidantien. Sie können "freie Radikale", die gefährlichen Sauerstoffverbindungen im Körper, unschädlich machen und schützen dadurch möglicherweise vor Arteriosklerose und Herzinfarkt. Vielleicht lässt sich damit die vermutete Schutzwirkung vor manchen Krebsarten erklären, die zurzeit erforscht wird.

Weniger Cholesterin durch Papierfilter

Türkischer Kaffee, Espresso und der Sud aus Presskannen enthalten mehr Cholesterin erhöhende Diterpene als ein Aufguss durch den Filter - da bleibt ein großer Teil in der Tüte hängen. Das macht sich bemerkbar: Seitdem immer mehr der kaffeebegeisterten Finnen von ungefiltertem Kaffee auf Filterkaffee umsteigen, sinken die durchschnittlichen Cholesterinwerte deutlich.

Schneller Koffeinabbau ist möglich

Eine Forschergruppe um Marilyn Cornelis an der Universität Toronto fand kürzlich heraus, dass Koffein bei manchen Menschen sehr schnell, bei anderen dagegen recht langsam abgebaut wird. Der Grund dafür sind genetisch bedingte Unterschiede bei den Leberenzymen, die für den Koffeinabbau zuständig sind. Interessant dabei: In der Versuchsgruppe der "Schnelldreher" gab es weniger Probanden, die schon einen Herzinfarkt erlitten hatten, als bei denen mit der "trägen" Enzymvariante. Möglicherweise hat also die Verweilzeit des Koffeins im Körper entscheidenden Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System.

Selbst vier Tassen pro Tag sind in Ordnung

Die Experten sind sich einig: Vier Tassen Kaffee pro Tag sind unbedenklich. Nur Schwangere sollten nicht mehr als zwei Tassen täglich trinken, denn das Risiko für eine Totgeburt und für plötzlichen Kindstod während des ersten Lebensjahres steigt mit der konsumierten Kaffeemenge.

Gedämpfte Symptome bei Parkinson

Koffein kann die Freisetzung von Dopamin in den Nervenzellen des Gehirns fördern und damit die Beschwerden von Parkinson-Patienten wie Bewegungslosigkeit und Starre mildern. Sogar eine vorbeugende Wirkung ist denkbar: Unter Patienten, die an Parkinson erkrankten, sind starke Kaffeetrinker auffallend selten vertreten, wie der Bochumer Neurologe Horst Przuntek feststellte.

Schutz vor Diabetes

Regelmäßiger Kaffeekonsum von bis zu sechs Tassen am Tag scheint mit einem verringerten Risiko einherzugehen, an Diabetes Typ 2 zu erkranken - das ergab eine Analyse von Frank Hu und Rob van Dam von der Harvard School of Public Health in Boston.

Für jeden Geschmack

Wie verträglich sind die beliebtesten Kaffeetypen?

Filterkaffee

In einer Tasse Filterkaffee (150 Milliliter) sind durchschnittlich 80 Milligramm Koffein enthalten. Der Filter hält die Diterpene Cafestol und Kahweol zurück, die zum Anstieg des ("schlechten") LDL-Cholesterins führen können. Durch die lange Extraktionszeit enthält Filterkaffee viele Gerb- und Bitterstoffe.

Espresso, Caffè crema

Eine 50-Milliliter-Tasse enthält ungefähr 50 Milligramm Koffein. Espresso ist zwar magenfreundlicher (siehe oben) - er enthält aber viel Cafestol und Kahweol, da kein Papierfilter sie auffängt.

Entkoffeinierter Kaffee

125 Milliliter (eine Tasse) enthalten nur ein bis vier Milligramm Koffein, heben jedoch möglicherweise den Cholesterinspiegel: In einer Studie stiegen Lipoproteine an, die die LDL-Produktion antreiben. Das kann auch an der diterpenreichen Sorte Robusta liegen, die oft für entkoffeinierten Kaffee verwendet wird.

Schonkaffee

Magenreizende Gerbstoffe, vor allem Chlorogensäure, werden durch Wasserdampf entfernt.

Milchkaffee

Milch und Sahne halten den Kaffee länger im Magen und das Koffein gelangt langsamer ins Blut - seine Wirkung wird abgeschwächt, hält aber länger an.

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