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Napoleon Kanonenkugel durch den Brustpanzer - so starb ein Franzose in der Schlacht von Waterloo

Der durchschossene Panzer. Das Gemälde zeigt die Carabiniers-à-Cheval in Russland.
Der durchschossene Panzer. Das Gemälde zeigt die Carabiniers-à-Cheval in Russland.
© Wikipedia / Commons
Das Bild eines Brustpanzers, der von einer Kanonenkugel zerschossen wurde, kreist im Netz. Die Geschichte dahinter erzählt vom tapferen aber sinnlosen Tod des jungen Antoine Fauveau.

Ein unbedachter Kommentar schlug Wellen im Netz, dabei ist der Anlass wenig lustig. Eine Twitter-Userin sah einen Bericht über das Museum zur Schlacht von Waterloo. Wie jeder andere Besucher auch war sie erschrocken, als sie eines der makabren "Glanzstücke" der Ausstellung sah. Der polierte Brustpanzer eines französischen Kürassiers, der in der letzten Schlacht Napoleons gefallen war. Das Besondere ist der Einschuss einer massiven Kanonenkugel. Sie zerriss den vorderen Panzer wie Papier und trat im Rücken wieder aus.

Der Text löste eine Welle aus 

Das kleine Video, das die Nutzerin teilte, war nicht ungewöhnlich, ihr Text verlieh dem Bild ungewollt seine Sprengkraft. Sie tippte: "Armor of a soldier wounded by a cannonball at the battle of Waterloo in 1815." Wounded? Und damit brach der Sturm los, wirklich jeder der das Bild sah, dachte: "WTF? Verletzt? Was ist das für eine Verletzung, wenn ein zehn Zentimeter breites Loch in die Brust in Position des Herzens gestanzt wird?" Und jeder zweite erinnerte sich an das legendäre Monty-Python-Duell mit dem schwarzen Ritter, der nach und nach alle Glieder verliert und dabei tönt, dass er wegen eines "Kratzers" doch nicht gleich aufgeben werde.

Das Vídeo wurde millionenfach aufgerufen. Es fehlte nicht an weiteren Witzen, die meisten wenig geschmackvoll. Das ging so lange, bis Tony Pollard, Professor in Glasgow, der Kragen platzte. "Das Ausstellungsstück hält den Moment des Todes eines Mannes fest. Es handelt sich nicht um einen Witz oder einen Monty-Python-Sketch über einen Kratzer. Es wäre vielleicht nicht so lustig, wenn wir mehr über den Mann und seinen Tod wüssten." Und Pollard weiß, viel zu erzählen.

Träger ist bekannt

Denn der Tote ist bekannt. Er hieß Antoine Fauveau und wurde nur 23 Jahre alt, als er mit dem Säbel in der Hand starb. Er gehörte nicht zu den Veteranen, die dem Empereur treu ergeben waren, er wurde aufgrund der Wehrpflicht einfach eingezogen. Er trug den Panzer und die prächtige Uniform des 2. Carabiniers-Regiments. Einer Eliteformation Napoleons. Als er fiel, machte er seiner Einheit Ehre, doch kann man Fauveau kaum als Soldaten bezeichnen. Er war gerade einberufen worden und hatte sieben Tage Training hinter sich, als er General Blancard in die Schlacht folgte.

Napoleon: Kanonenkugel durch den Brustpanzer - so starb ein Franzose in der Schlacht von Waterloo

In der berühmten Schlacht ging auf französischer Seite alles schief, was nur schief gehen konnte. Der früher so energische Napoleon ließ die Vorbereitung schleifen. Das nasse Wetter behinderte die Artillerie der Franzosen und die Kavallerie, zu der Fauveau zählte, litt unter den Komplexen ihres Anführers Marschall Ney. Der trug den Beinamen der "Tapferste der Tapferen" zu Recht. Doch als Napoleon abdanken musste und ins erste Exil nach Elba geschickt wurde, arrangierte sich Ney mit den Bourbonen, die wieder den Thron bestiegen. Als Napoleon zurückkehrte, versprach Ney Ludwig XVIII. sogar Napoleon wie ein Tier in einem Käfig nach Paris zu bringen.

In Waterloo diente er dann wieder dem Korsen und wollte seine Schande vergessen machen. Er wollte den Sieg mit Gewalt erzwingen und setzte sich über Befehle hinweg. In erfolglosen Angriffen verschliss er seine Kavallerie in Gefechten auf dem Plateau des Mont Saint Jean. Die schwere nasse Erde machte einen schnellen Angriff der Reiter unmöglich. Infanterie und Artillerie konnten sich in Karrees aufstellen. Diese Formation konnte die Kavallerie nicht durchbrechen.

Kurz vor dem Ziel

Die 800 Reiter des 2. Carabiniers-Regiments waren Neys letzte Reserve. Die Moral der Truppe war schlecht, in Waterloo liefen einige Offiziere über. Um 18.30 sollten die 1. und 2. Carabiniers den Hügelkamm hinter dem Hof Hougoumont nehmen, dem Zentrum der Schlacht. Dort standen 20 Kanonen. Die Carabiniers unternahmen drei Angriffe und wurden jedes Mal zurückgeschlagen. Auf kurze Entfernung wurde Fauveaus Brust dabei von einem 9-Pfünder getroffen. Einer massiven Kugel aus Bronze oder Eisen. Vermutlich wurde er direkt getroffen. Die sonst üblichen Abprall-Schüsse, bei denen die Kugel flach über dem Boden sprang, funktionierten wegen des feuchten Bodens bei Waterloo nicht. Obwohl er keine nennenswerte Ausbildung genossen hatte, war Fauveau dem Ziel so nahe gekommen. Der Fall der Verteidigungsposition um Hougoumont hätte die Schlacht entscheiden können. Fauveau hatte die Stellungen der Infanterie durchbrochen und muss kurz vor den Kanonen getroffen worden sein.

Er starb sofort, die Aufprallenergie der schweren Kugel löste einen Schock aus, alle Organe wurden durch den Druck zu Brei. Nur der Panzer hielt den Toten noch zusammen. Im Futter des Panzers fand sich später sein Soldbuch. Es enthielt die Daten von Antoine Fauveau: "Langes, sommersprossiges Gesicht mit großer Stirn, blauen Augen, Hakennase und kleinem Mund". Er war ein Senn und wollte heiraten. Der Panzer wurde gefunden, das Grab des jungen Fauveau nicht.

Spuk des Schlachtfeldes

Die Schlacht war verloren, als der Angriff der Einheit Fauveaus zusammenbrach. In einer sinnlosen Anstrengung schickte Napoleon noch die Alte Garde ins Gefecht. Aber auch sie konnten das Feuer nicht durchbrechen. Die Veteranen kamen nicht voran, aber weigerten sich aufzugeben. Sie ließen sich lieber zusammenschießen. Als die Alte Garde fiel, war das Ende der Herrschaft Napoleons erreicht.

Alexander Cavalié Mercer beschreibt das unheimliche Schlachtfeld am Abend nach der Schlacht: "Es war ein ergreifendes Gefühl, in der nächtlichen Stille zu stehen und auf das Schlachtfeld zu starren, das tagsüber ein Schauplatz des Kampfes gewesen war und nun so ruhig und still war, dass sich die Schauspieler auf dem blutigen Boden ausbreiteten, ihre bleichen Gesichter wandten sich den kalten Mondstrahlen zu, die von den Helmen und Brustpanzern reflektiert wurden! Hin und wieder erhob sich eine Gestalt auf dem Boden, um mit neuen Verzweiflungsschreien wieder niederzufallen. Andere richteten sich leicht und mitleiderregend auf oder stolperten über das Schlachtfeld und suchten nach Hilfe. Vieles davon verfolgte ich mit meinen Augen und verlor sich in der Ferne. Aber viele – leider – fielen, nachdem sie ein paar Schritte gestolpert waren, wieder zu Boden, um nie wieder aufzustehen. Es war erschütternd! Aber ich habe trotzdem zugesehen."

Quelle: Tony Pollard/Twitter

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