"Deep Impact" Was ist des Kometen Kern?


Nach der geglückten Kollision mit dem Kometen "Tempel 1", hält die Begeisterung der Wissenschaftler über "Deep Impact" an. Obwohl die ersten Daten nur sehr ungenau sind, wird munter drauflos interpretiert.

Die von der Nasa inszenierte Himmelskollision mit dem Kometen Tempel 1 hat Wissenschaftler in aller Welt in Begeisterung versetzt. Schon die erste Bilderauswertung habe erstaunliches zu Tage gefördert, sagte Pete Schultz am Jet Propulsion Laboratory der US-Weltraumbehörde Nasain Pasadena (Kalifornien). Der Aufprall in 133 Millionen Kilometer Entfernung habe eine enorme Staub- und Schuttwolke produziert, was darauf hinweise, dass über dem Eiskern des Kometen eine weiche Materialschicht liege. Die Nasa zeigte ein weiteres spektakuläres Bild, das den Kometen und die riesige Wolke im Gegenlicht zeigt. "Das sagt mehr als 1000 Worte", meinte Missionsmanager Rick Grammier.

Die Europäische Weltraumagentur Esa nahm Bilder auf, die nach ihren Angaben deutliche Hinweise auf Wasser in dem Kometen liefern. Die ultravioletten Bilder, die nach dem Aufprall vom Optical Monitor des Newton Observatoriums aufgenommen worden waren, zeigten einen Hydroxil-Ausstoß.

"Man findet immer viel in Schatten"

Der Krater, den das 372 Kilogramm schwere Projektil riss, war auf den Nasa Bildern zunächst nicht zu sehen, wohl aber ein langer Schatten. "Man findet immer viel in Schatten", sagte Schultz, der der Presse in Pasadena kaum zwölf Stunden nach der Himmelskollision mit mehreren Kollegen übermüdet aber glücklich Rede und Antwort stand. Das kühlschrankgroße Projektil der Raumsonde "Deep Impact" war nach 172-tägiger Reise am Montagmorgen mit einer Geschwindigkeit von rund 37.000 Kilometern pro Stunde in den kartoffelförmigen Kometen gerast. Die Wissenschaftler erhoffen sich durch die Analyse der Bilder Aufschlüsse über die Entstehung des Sonnensystems.

"Wir haben aber schon eine Menge von diesen Bildern gelernt", sagte der wissenschaftliche Direktor der Mission, Michael A’Hearn. Die Nasa zeigte unter anderem die letzten Sekunden vor dem Aufprall, die eine auf dem Projektil montierte Kamera noch sendete. Auf dem Video war die furchige Oberfläche des Planeten zu sehen und mehrere Krater, sowie glatt erscheinende Oberflächen. Er unterscheide sich erheblich von den beiden anderen Kometen, von denen die Nasa bislang Nahaufnahmen machte, sagte A'Hearn.

Sehr vorläufige Ergebnisse

Die Wissenschaftler betonten immer wieder, dass es sich um sehr vorläufige Ergebnisse handele. "Wir hoffen, die Kollegen mit dem Material für viele Jahre zu beschäftigen", sagte Missionsmanager Rick Grammier. "Unsere Ziele sind immer, die Öffentlichkeit zu faszinieren und eine neue Generation von Wissenschaftlern und Ingenieuren zu inspirieren - 'Deep Impact' erreicht alle diese Ziele", sagte der Direktor der Solarabteilung, Andy Dantzler. Nach Angaben von Grammier wurde die "Deep Impact"-Website des Labors in Pasadena mehr als eine Milliarde mal angeklickt, mehr, als bei den erfolgreichen Mars-Missionen Anfang des Jahres.

Der Sonde geht es gut

Die Raumsonde von der Größe eines VW Käfers, die das Projektil am Sonntag abgestoßen hatte, ist nach seinen Angaben "in bester Verfassung". Sie lieferte makellose Bilder, nachdem die sensiblen Instrumente zunächst für eine halbe Stunde abgeschaltet worden waren. Die Wissenschaftler verhinderten damit erfolgreich, dass die Instrumente beim nahen Vorbeiflug an dem Kometen durch hoch gewirbelten Staub und Trümmer beschädigt wurden. "Sie läuft wie ein Champion", sagte Grammier. Das Internetportal space.com berichtete unter Berufung auf den Erbauer der Sonde, Ball Aerospace and Technologies, dass "Deep Impact" zum Kometen Boethin weiterfliegen könne. Über die dreieinhalbjährige Reise werde in den nächsten drei Wochen entschieden.

Hubble liefert beeindruckende Bilder

Das Weltraumteleskop Hubble hat beeindruckende Bilder vom inszenierten Einschlag des Projektils der US-Sonde "Deep Impact" in den Kometen Tempel 1 aufgenommen. Die Hubble-Daten geben erste Hinweise auf die Stoffe, die bei der Kollision aus dem Himmelskörper geschleudert wurden. "Die Wolke besteht aus einer Mischung von Wassereis und Kohlendioxideis sowie aus Substanzen, die wir noch nicht identifizieren konnten", sagte Rudolf Albrecht von der europäischen Koordinationsstelle des Hubble-Weltraumteleskops in München am späten Montagabend.

"Es handelt sich um Materialien, von denen wir nicht wussten, dass sie in Kometen vorkommen", erläuterte Albrecht. Diese noch nicht identifizierten Substanzen gebe es nicht in einem normalen Kometenschweif. "Das ist Material, das seit Milliarden von Jahren sozusagen im Tiefkühlfach lag."

Das Projektil der US-Sonde "Deep Impact" sei vermutlich nicht sehr tief in den Kometen Tempel 1 eingeschlagen, meinte Albrecht. Den Schluss zieht er aus der Form der Wolke: Ihre Ausdehnung sei nicht kegelförmig gewesen, wie zunächst erwartet, sondern habe die Form einer Halbkugel gehabt.

Verdampfung für Bruchteile einer Sekunde

Der Aufschlag habe einer Energie von 4,5 Tonnen TNT entsprochen. "Die Energie wurde in Wärme verwandelt und hat vermutlich zu einer Dampfexplosion geführt", meint Albrecht. Die Verdampfung habe nur Bruchteile einer Sekunde gedauert, dann seien die Substanzen sofort wieder auf unter minus 100 Grad Celsius abgekühlt und gefroren.

Das Material sei von der Sonne beleuchtet worden, als "wenn man Zigarettenrauch in einen Lichtkegel bläst", so der Weltraumforscher. Hubble sei in den ersten zehn Stunden nach dem Einschlag führend bei der Beobachtung gewesen.

DPA DPA

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