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"Philaes" historische Kometenlandung Ein Gefühl wie bei der Mondlandung


Die Esa hat Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal ist eine Sonde auf einem Kometen gelandet. Der Jubel im Kontrollzentrum in Darmstadt könnte Inspiration für Wissenschaftler auf der ganzen Welt sein.
Von Dominik Brück, Darmstadt

Menschen springen von ihren Sitzen auf, liegen sich in den Armen, klatschen und jubeln - was sich wie eine Beschreibung aus einem Fußballstadion liest, findet am Mittwoch im Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt statt. Erstmals ist ein von Menschen gemachtes Objekt auf einem Kometen gelandet. Der Jubel über den Erfolg der europäischen Raumfahrt geht um die Welt: Über Twitter und Livestream haben Millionen Menschen den historischen Moment verfolgt und bis zum erlösenden Signal des Landeroboters "Philae" mitgefiebert. So muss sich 1969 auch die Mondlandung für alle angefühlt haben, die dabei waren.

Männer, die auf Monitore starren

Ähnlich wie bei Neil Armstrongs ersten Schritten auf dem Erdtrabanten war auch die Landung von "Philae" begleitet von einem Wechselbad der Gefühle. Zehn Jahre lang war der Roboter an Bord der Sonde "Rosetta" im Sonnensystem unterwegs, um den Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" zu erreichen. Dann, kurz vor dem Beginn des Landeanflugs, der erste Schreck: Die Bremsdüse, die verhindern soll, dass "Philae" einfach vom Kometen abprallt, könnte defekt sein.

Die Techniker im Kontrollzentrum entscheiden sich dennoch weiterzumachen - und bangen den gesamten Tag um das Schicksal des kleinen Landegeräts. "Wir brauchen für diese schwierige Mission Glück. Wenn die Düse nicht funktioniert, brauchen wir doppeltes Glück", erklärt Esa-Flugleiter Paolo Ferri die Situation.

Schon ohne das Problem ist die Landung eine riesige Herausforderung: Auf seinem Weg zur Oberfläche muss "Philae" mehrere Hürden nehmen, darunter das Abkoppeln von "Rosetta", die Annäherung an den Kometen auf einer exakt vorberechneten Bahn und schließlich die Landung auf einem Himmelskörper, über den man bisher kaum etwas weiß. Kein Wunder, dass die Techniker im Kontrollraum vor jeder wichtigen Missionsphase minutenlang gebannt auf die Monitore starren. Immer wieder reiben die Ingenieure nervös die Hände oder beißen die Zähne zusammen. Und immer wieder brechen sie in Jubelstürme aus, wenn ein kritischer Punkt überwunden ist.

Inspiration für die Wissenschaft

Kurz vor dem entscheidenden Moment wird es still im Kontrollraum und bei den zahlreichen Gästen, die das Ereignis über Bildschirme mitverfolgen. Quälende 28 Minuten Zeitverzögerung müssen ausgehalten werden, so lange dauert es, bis ein Signal von "Philae" die 500 Millionen Kilometer entfernte Erde erreicht. Wann genau "Philae" auf dem Kometen aufsetzen wird, weiß niemand.

Der erste mögliche Zeitpunkt kommt - und geht vorbei. Weitere Minuten verstreichen. Die Esa-Techniker und die Gäste in Darmstadt, die Wissenschaftler in Köln und Toulouse, vielleicht sogar die ganze Welt via Internet - sie alle starren auf Monitore und Bildschirme. Mit dem erhofften Signal schlägt die Stille schlagartig in ohrenbetäubenden Jubel um. Wer vor Ort ist und den ganzen Tag mitgefiebert hat, freut sich mindestens so sehr über den Erfolg wie die Esa-Ingenieure, die ihn ermöglicht haben.

Die "Kirsche auf dem Kuchen"

Wissenschaftler auf der ganzen Welt erwarten jetzt die Daten, die "Philae" fleißig zur Erde funkt. Obwohl noch nicht sicher ist, wie lange sich der Roboter an dem Kometen festhalten kann - die Harpunen hatten nicht wie geplant gezündet - sind die Daten schon jetzt unbezahlbar. "Wir hoffen, dass wir jetzt einen Auftrieb erleben, da wir gezeigt haben was die Esa kann", sagt Gerhard Schwehm, der als Projektwissenschaftler vor seiner Pensionierung maßgeblich an der Entwicklung der "Rosetta"-Mission beteiligt war. "Die Mission bringt uns aber vor allem wissenschaftlich voran und wird auf jeden Fall große Wellen schlagen", so Schwehm weiter.

Sein Nachfolger als Projektwissenschaftler, Matt Taylor, hatte die Landung vor dem Aufsetzen von "Philae" als "Kirsche auf dem Kuchen" bezeichnet. Möglicherweise hat die Raumfahrt mit der historischen Mission noch mehr bekommen. Ein vergleichbares öffentliches Interesse an einem Raumfahrtprojekt hat es seit Jahren nicht gegeben. "Rosetta" könnte eine ganze Generation von jungen Wissenschaftlern und Ingenieuren inspirieren und für den Weltraum begeistern - wie die Mondlandung vor mehr als vierzig Jahren.

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