VG-Wort Pixel

"Artemis"-Programm Nasa bekommt die Raumanzüge für die geplante Mondlandung nicht fertig

Astronautin in einem frühen Prototyp der künftigen xEMUs
Eine Astronautin in einem Prototyp der künftigen Raumanzüge für die anstehenden Mond-Missionen
© Nasa
Erst zum Mond, dann zum Mars. Die Pläne der US-Raumfahrer sind wahrhaft hochfliegend. Doch der Teufel liegt auch bei der Nasa im Detail. Im Moment werden nicht einmal die nötigen Raumanzüge fertig.

"We are going to the moon" verspricht die US-Raumfahrtbehörde Nasa im Web. Nur wann? Ex-Präsident Donald Trump hatte die Rückkehr auf den Erdtrabanten für 2024 in seiner bekannten Art sozusagen angeordnet – also innerhalb seiner zweiten Amtszeit, aus der bekanntlich nichts wurde. Dass das unrealistisch war, ahnte jeder, der sich mit Raumfahrt-Missionen ein wenig auskennt. Spätestens, nachdem der Kongress nicht gewillt war, die nötigen Milliardenbeträge bereitzustellen, war klar: Das wird sehr eng. Und so wird es fast erwartungsgemäß mit der Rückkehr zum Mond Ende 2024 nichts. Ernüchternd ist allerdings, dass nicht einmal die für die Mission nötigen neuen Raumanzüge fertig werden.

Das geht aus einem Untersuchungsbericht des Nasa-Rechnungshofes hervor, der jetzt veröffentlicht wurde. Vom ersten Testanzug über einen Demo-Anzug für die ISS bis hin zu zwei fertigen Anzügen für die Mondflüge – laut dem Bericht gibt es in allen Phasen der Entwicklung Verspätungen, die sich schon auf 20 Monate addiert und alle Zeitbudgets für Verzögerungen aufgebraucht haben. Diese seien auf Finanzierungsengpässe, Corona-Auswirkungen und technische Herausforderungen zurückzuführen. Alles in allem könnten die Exploration Extravehicular Mobility Units (xEMUs), so die Bezeichnung der Raumanzüge der neuen Generation, erst im April 2025 einsatzbereit sein – "frühestens"! Klipp und klar heißt es: "Angesichts dieser Verzögerungen bei der Entwicklung von Raumanzügen ist eine Mondlandung Ende 2024, wie sie die Nasa derzeit plant, nicht machbar."

Raumanzüge: Nasa macht keine gute Figur bei Entwicklung

Der Bericht wirft kein gutes Licht auf die Entwicklung der xEMUs. Seit fast anderthalb Jahrzehnten arbeite die Nasa daran, eine neue Generation von Raumanzügen zu konzipieren und herzustellen. Das habe bisher bereits mehr als 400 Millionen Dollar verschlungen und bis die ersten beiden Anzüge einsatzbereit sind, dürften sich Kosten von einer Milliarde Dollar angehäuft haben, heißt es. Dabei sind die xEMUs nicht nur für das "Artemis" getaufte Mond-Programm wichtig. Schon jetzt wären moderne Raumanzüge bei Außenbord-Einsätzen an der Internationalen Raumstation mehr als wünschenswert. Für diese sogenannten "Weltraumspaziergänge" nutzen die Astronauten derzeit Schutzanzüge, die auf jahrzehntealten Modellen aus dem Space-Shuttle-Programm stammen. Anforderungen künftiger Missionen werden sie kaum gewachsen sein.

Die schleppende xEMUs-Entwicklung stellt selbst den nun anvisierten verspäteten Starttermin im Frühjahr 2025 in Frage. Denn nach Lieferung einsatzbereiter Raumanzüge müssten diese erst in den Raumfahrtzeugen integriert werden. Dafür wird ein halbes Jahr Arbeit veranschlagt. Außerdem müssen die Astronaut:innen sich mit den Anzügen vertraut machen und lernen, damit umzugehen. Doch ohne rechtzeitig fertig werdende Testanzüge wird auch das nicht möglich sein. Und zu allem Überfluss: In den Planungen der künftigen Einsätze könnten sich zusätzliche Anforderungen an die xEMUs ergeben, für die diese dann noch verändert werden müssten. Hier drohen weitere Verzögerungen.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

(Mehr zur Raumanzug-Entwicklung in diesem Nasa-Video)

Nasa hat Beschaffungsstrategie verändert

Doch auch damit noch nicht genug. Vor rund vier Monaten hat die Nasa laut dem Untersuchungsbericht ihre Beschaffungsstrategie für die Raumanzüge geändert. Statt fertige Anzüge möchte die Behörde die Schutzkleidung nun als Dienstleistung haben. Laut den neuen Richtlinien dürfen die Lieferanten dabei wählen: eigene Konzepte neu entwickeln oder auf den bisher schon 420 Millionen Dollar teuren Entwicklungen aufbauen. Die xEMUs müssten auch nicht mehr für Einsätze an der ISS und auf dem Mond gleichermaßen geeignet sein. Letzteres hält der Rechnungshof für völlig unverständlich. Die Freigabe könne dazu führen, dass vollkommen unterschiedliche Schutzanzüge entwickelt würden. Da die ISS in wenigen Jahren aber aufgegeben werde, sei das eine ineffizienter Schritt, heißt es in dem Bericht.

Und so scheitert der große Aufbruch ins Sonnensystem schon an der passenden Kleidung – vorerst. Es wird die mit der xEMUs-Entwicklung beschäftigten Nasa-Mitarbeiter kaum trösten, dass es im "Artemis"-Programm auch an vielen weiteren Ecken hakt. Laut Rechnungshofbericht gibt es Probleme und Verspätungen bei der Rakete des Space Launch Systems, der Raumkapsel Orion und der Entwicklung der Mondlandefähre, die von Elon Musks Unternehmen SpaceX gefertigt werden soll. Der (inzwischen abgewiesene) Einspruch gegen die Auftragsvergabe durch Blue Origin, dem Unternehmen von Amazon-Gründer und Musk-Rivalen Jeff Bezos, kostete ebenfalls Zeit. "We are going to the moon", verspricht die Nasa weiter unverdrossen. Nur wann? Diese Frage scheint im Moment niemand seriös beantworten zu können.

Quellen: Untersuchungsbericht Nasa-Rechnungshof; Nasa (Suit Up)


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker