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Chinas Weltraummission: Fertignudeln für die Helden

Fünf Tage war das chinesische "Götterschiff" im All unterwegs, heute morgen ist es sicher gelandet. Die Begrüßung der Taikonauten wurde zu einer gigantischen Propagandashow.

Mit einer Bilderbuchlandung in der Inneren Mongolei hat China seine zweite bemannte Weltraummission am Montag erfolgreich abgeschlossen: Die Weltraumkapsel "Shenzhou 6" segelte am frühen Morgen mit zwei Taikonauten an Bord sicher an einem Fallschirm zu Boden und verfehlte den Zielpunkt nur um einen Kilometer. Schon wenige Stunden später wurden Fei Junlong und Nie Haisheng als Helden in Peking bejubelt.

Vertreter des chinesischen Weltraumprogramms gaben bekannt, für 2007 sei die nächste Mission geplant, diesmal mit einem Weltraumspaziergang. Das staatliche Fernsehen zeigte live, wie die zwei Besatzungsmitglieder die Kapsel verließen und von einem jubelnden Bergungstrupp begrüßt wurden. Ihre "Shenzhou 6" (Götterschiff) war am Mittwoch ins All gestartet und hatte dann fünf Tage lang die Erde umkreist. Die Kapsel landete um 4.32 Uhr Ortszeit in der Steppe. "Ich möchte den Menschen für ihre Liebe und ihre Sorge danken", sagte Taikonaut Fei Minuten später.

Im Heimatort von Nie Haisheng in der Provinz Hubei jubelten die Menschen auf den Straßen. Feuerwerk stieg in die dunkle Nacht. Drachentänzer feierten den berühmten Sohn von Zaoyang. Die Stadt schenkte seinen Eltern zum Erfolg eine neue Villa.

Blumen, Schokolade, Tee aus der chinesischen Kräutermedizin und eine Schale der in China allseits beliebten Fertignudeln hießen die Taikonauten willkommen. "Wir haben unsere Mission reibungslos abgeschlossen", meldeten sie wenig später Verteidigungsminister Cai Gangchuan in Peking, nachdem ein Hubschrauber die ruhmreichen Heimkehrer von der Inneren Mongolei in die Hauptstadt gebracht hatte.

Purzelbäume und Besuch der Weltraumtoilette

Die chinesische Regierung sprach von einem großen Erfolg und versuchte, die Raumfahrtmission gleich für die Partei zu vereinnahmen. "Das wird den internationalen Status Chinas heben und unser Land stärken", erklärte Wu Bangguo, der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses. Der Raumflug werde die Menschen stärker an die Kommunistische Partei binden.

Tatsächlich ist China nach Russland und den USA erst das dritte Land, das Menschen ins All gebracht hat. Fei und Nie flogen fast genau zwei Jahre nach der ersten bemannten Weltraummission Chinas ins All. Der erste Taikonaut war Yang Liwei, der am 15. Oktober 2003 gut 21 Stunden lang die Erde umkreiste. Die jetzige Mission war mit fünf Tagen Dauer nicht nur wesentlich länger, sondern auch weitaus komplexer. Und anders als vor zwei Jahren berichtete das staatliche Fernsehen diesmal ausführlich. Mit Bildern von purzelbaumschlagenden und mit ihrem Essen spielenden Taikonauten wollte die Regierung diesmal die Begeisterung der Bevölkerung wecken.

Im Vergleich zur Komplexität der internationalen Raumstation (ISS), den Shuttle-Flügen oder der Mondlandung der USA 1969 wirken die Erfolge von "Shenzhou 6" eher bescheiden. Dass die chinesischen Astronauten zwischen Kapsel und Arbeitsbereich hin- und hergewechselt sind, ihre Raumanzüge zu Gunsten bequemerer Kleidung gewechselt, selbst ihren Blutdruck gemessen und die Weltraum-Toilette benutzt haben, wurde in Chinas Staatsmedien immer wieder als "bisher nicht da gewesene Experimente" beschrieben.

Heldenempfang für die Raumfahrer

Fei und Nie wurden in Peking wie Helden empfangen, als sie in einem offenen Wagen und mit Blumenkränzen geschmückt eine Militärparade abnahmen. Neben tausenden Soldaten säumten auch zahlreiche Schulkinder die Straße und wedelten mit Flaggen und Luftballons. Die Raumfahrer ließen sich ihre Erschöpfung nicht anmerken und winkten strahlend zurück. Ihre Raumkapsel war durch den gefährlichen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre an der Seite verkohlt. Es habe während des gesamten Fluges aber "nicht eine beunruhigende Situation gegeben", berichtete der Verantwortliche des Raumfahrtprogramms, Tang Xianming.

Der Direktor der chinesischen Raumfahrtbehörde, Tang Xianming, erklärte auf einer Pressekonferenz nach der Landung, als nächstes werde man nach Wegen suchen, wie sich die Taikonauten im All bewegen könnten und wie sie zu anderen Raumschiffen fliegen und an ihnen andocken könnten. Er rechne schon 2007 mit einer derartigen Mission. Zudem erklärte er, dass "in nicht allzu ferner Zeit" auch chinesische Frauen zu den Besatzungen zählen würden.

Eine völlig neue, leistungsfähigere Rakete soll entwickelt werden. Dafür wird ein neuer Raumfahrtbahnhof auf der südchinesischen Insel Hainan errichtet. "Hauptziel ist der Bau einer bemannten Raumstation", wie Tang Xianming vom Raumfahrtprogramm sagte. Sie soll bis etwa 2020 fertig sein.

DPA/AP / AP / DPA
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