Esa-Raumsonde "Rosetta" auf Stippvisite


Für ihre 10-jährige Odyssee zum Kometen "67P/Tschurjumov-Gerasimenko" holt sich Raumsonde "Rosetta" den allerletzten Schwung. Dabei kommt sie der Erde so nahe, dass sie mit einem normalen Fernglas sichtbar sein wird.

Nicht nur bei den Mitarbeitern im Satellitenkontrollzentrum der Esa (Esoc) in Darmstadt steigt die Spannung, auch zahllose Hobbyastronomen fiebern mit, wenn die Raumsonde "Rosetta" am Freitag nach einem Jahr im All wieder auf einen im wahrsten Sinn des Wortes kurzen Besuch vorbei kommt. Sie holt Schwung im Anziehungsfeld der Erde, um dann wieder in den Weiten des Alls zu verschwinden. Und mit etwas Glück kann man sie von der Erde aus sehen, zwar nicht mit bloßem Auge, aber mit einem Fernglas oder einem einfachen Teleskop sollte das möglich sein.

Um 23 Uhr muss es schnell gehen

Der "Spuk" ist aber auch schnell wieder vorbei. Wer "Rosetta" sehen möchte, muss etwa ab 23.00 Uhr die Augen offen halten, fünf Minuten später ist sie schon wieder weg. Bei einer Geschwindigkeit von fast 37.000 Kilometern in der Stunde aber eigentlich auch kein Wunder.

"Rosetta" zieht zwischen den Sternbildern Zwilling und Orion hindurch, dann durch das Sternbild Stier in Richtung Westen über den nächtlichen Himmel, wie Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erläutert. Wer es noch genauer wissen will, findet eine Karte mit der Uhrzeit und Position der Raumsonde auf den Web-Sites der Esa. Mit etwas Glück sollten auch die Sonnensegel der Sonde zu sehen sein.

Wetter soll mitspielen

Die Wetteraussichten für eine Sichtung sind gar nicht so schlecht, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Es wird in der in diesem Fall wichtigen ersten Nachthälfte kein Niederschlag erwartet. Und in den tiefer liegenden Wolken sollte es immer wieder auch Lücken geben.

Das genauere Hinsehen könnte sich auch durchaus für den Beobachter lohnen, zumindest wenn er neben dem Teleskop auch noch über eine dazu passende Fotoausrüstung verfügt, mit der sich Bilder vom nächtlichen Himmel machen lassen. Denn die Esa hat den Fotowettbewerb "Rosetta Up Close" ausgeschrieben und belohnt die besten Bilder von der Sonde unter anderem mit Vip-Karten für das Esoc zum Start der Sonde "Venus Express" Mitte des Jahres.

2014 ist "Rosetta" am Ziel

Noch etwas besser wären die Bedingungen, "Rosetta" zu sehen, vermutlich in Mexiko, denn dort erreicht die Sonde gegen 23.10 Uhr mit nur noch 1.900 Kilometern Entfernung von der Erde ihren erdnächsten Punkt. Wenn sie nach dem Schwungholen wieder verschwindet, wird die drei Tonnen schwere Sonde eine Geschwindigkeit von fast 37.000 Kilometern in der Stunde haben. Sie fliegt dann weiter in Richtung Mars, wo sie am 26. Februar 2007 wieder Schwung holt. Unseren blauen Planeten besucht sie dann nochmals im November 2007 und im November 2009.

Ziel von "Rosetta" ist der Komet "67P/Tschurjumov-Gerasimenko", den sie 2014 erreichen soll. Dort soll sie in eine Umlaufbahn einschwingen und die 100 Kilogramm schwere Landeeinheit "Philae" auf der Kometenoberfläche absetzen. Dessen Zusammensetzung soll dann genau analysiert werden. Kometen gehören zu den ältesten Objekten in unserem Sonnensystem. Es wird vermutet, dass organische Bestandteile von ihnen, die auf die Erde stürzten, mit zur Entstehung des Lebens beigetragen haben. "Rosetta" soll hier Klarheit bringen.

Auf dem Weg zum Mars soll "Rosetta" noch der Nasa bei ihrem Kometenprojekt "Deep Impact" helfen. Mit ihren hochauflösenden Kameras und anderen High-Tech-Messgeräten soll die Esa-Sonde am 4. Juli, dem US-Nationalfeiertag, den Einschlag eines Projektils auf dem Kometen "Tempel 1" beobachten.

Klaus Gürtler/AP


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker