Hintergrund Wie man zum Planeten wird


Der Begriff Planet war bislang eher historisch definiert - nun haben Astronomen erstmals rein wissenschaftliche Kriterien für den Planetenstatus erhoben.

Der Begriff Planet geht auf das altgriechische Wort "planetes" für "die Umherschweifenden" zurück. Planeten werden auch als Wandelsterne bezeichnet. Beide Bezeichnungen reflektieren die Beobachtung, dass Planeten sich am irdischen Firmament deutlich sichtbar bewegen, während die so genannten Fixsterne festzustehen scheinen. Es handelt sich also um eine historisch entstandene, beschreibende Bezeichnung ohne exakte wissenschaftliche Grundlage für die physikalischen Eigenschaften eines Planeten.

Zwei Kriterien muss ein Planet erfüllen

Heute ist bekannt, dass sich auch sämtliche Sterne bewegen, diese Bewegungen jedoch - mit wenigen Ausnahmen - wegen der großen Entfernungen in der Milchstraße in einem Menschenleben nicht wahrnehmbar sind. Außerdem wissen wir inzwischen, dass Planeten nur durch das reflektierte Licht der Sonne leuchten und nicht etwa selber strahlen wie die Sterne. Da dank der modernen Beobachtungstechnik immer mehr kleine Himmelskörper in unserem Sonnensystem entdeckt werden, ist eine Festlegung nötig geworden, welche Mindestanforderungen ein Planet erfüllen muss.

Grundlage für die nun vorgeschlagene erste wissenschaftliche Definition des Begriffs Planet ist die Schwerkraft. Planeten müssen demnach so viel Masse besitzen, dass ihre eigene Schwerkraft sie zu einer annähernd kugelförmigen Gestalt zusammenpresst. Astronomen sprechen vom hydrostatischen Gleichgewicht. Das erreichen Himmelsobjekte gewöhnlich ab einem Durchmesser von rund 800 Kilometern und einer Masse von einer halben Trillion Tonnen (zum Vergleich: Die Erde "wiegt" rund sechs Trilliarden Tonnen, also etwa 12.000 Mal so viel). Außerdem muss ein Planet einen Stern umkreisen und darf dabei weder selbst ein Stern sein noch ein Mond.

Planeten können somit auch kleiner als Monde sein

Monde sind festgelegt als Begleiter von Planeten, wobei das Zentrum ihrer Umlaufbahn im Inneren des Planeten liegen muss. Plutos Mond Charon etwa ist so schwer, dass die beiden Himmelskörper eher einander umkreisen, als einer den anderen. Der gemeinsame Schwerpunkt des Pluto-Charon-Systems liegt im leeren Raum zwischen den beiden. Nach der neuen Definition würde Charon damit zum Planeten aufsteigen und mit Pluto den ersten Doppelplaneten unseres Systems bilden. Planeten können nach diesen Kriterien durchaus kleiner sein als die Monde anderer Planeten - es kommt auf ihre Position im Planetensystem an.

Gemäß der vorgeschlagenen Festlegung stiege die Zahl der Planeten in unserem Sonnensystem zunächst auf zwölf - ein bis zwei Dutzend weitere wären zu erwarten. Die neue Definition soll aber nach dem Willen der Internationalen Astronomischen Union nicht nur auf unser Sonnensystem angewendet werden: Inzwischen sind mehr als 170 Planeten bei anderen Sternen bekannt, die dieselben Kriterien dann ebenfalls erfüllen müssten.

DPA


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