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Neuer Planet: Eines Planeten nicht würdig

Am äußersten Rand unseres Sonnensystems meinten US-Wissenschaftler einen zehnten Planeten entdeckt zu haben. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer.

Mike Brown vom California Institute of Technology erklärte, das noch namenlose Objekt sei bis zu eineinhalb Mal so groß wie der bislang am weitesten von der Sonne entfernte Planet Pluto. Die Entdeckung dürfte sicher auch wieder die Debatte unter den Astronomen beleben, was als Planet zu definieren ist und ob Pluto überhaupt einer ist.

Was ist ein Planet?

Doch dem Himmelskörper wird der Planetenstatus nach Auskunft der Internationalen Astronomischen Union (IAU) vorerst nicht zuerkannt. Angesichts immer häufigerer Entdeckungen in den Außenbezirken des Sonnensystems sei eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden, um die Mindestanforderungen an einen Planeten zu definieren, teilte die IAU in Paris mit.

Solange von dieser Arbeitsgruppe kein Ergebnis vorliege, würden alle Himmelskörper des Systems, die mehr als 40 Mal so weit von der Sonne entfernt sind wie die Erde, als Mitglieder der so genannten Trans-Neptunischen-Population betrachtet. Der von Nasa-finanzierten Astronomen entdeckte Gesteins- und Eisbrocken "2003 UB313" ist der Sonne gegenwärtig fast 100 Mal ferner als die Erde.

Auch Pluto ist ein Wackelkandidat

Die Entdeckung gelang Brown mit dem Samuel-Oschin-Teleskop des Palomar-Instituts. Er hat auch schon einen Vorschlag für einen Planetennamen bei der Internationalen Astronomischen Union eingereicht, Brown nannte ihn am Freitag aber nicht. Der Planetenforscher war kurzfristig mit einer Telefonkonferenz an die Öffentlichkeit gegangen, weil er erfahren hatte, dass ein Hacker Zugriff auf die eigentlich sichere Web-Site mit den Daten bekommen und damit gedroht hatte, die Informationen zu verbreiten.

Das neue entdeckte Objekt ist derzeit 14,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Das sind 97 Astronomische Einheiten (AE) oder 97 mal die Entfernung von der Erde zur Sonne. Es gilt als typisches Objekt des so genannten Kuiper-Gürtels. Dabei handelt es sich um eine Zone in einer Entfernung von 50 AE bis 500 AE mit vielen Kometen und kometenähnlichen Gesteins- oder Eisbrocken. Diskussionen um den Planetenstatus von Pluto gibt es auch deshalb, weil im Kuiper-Gürtel auch noch andere Objekte mit einer ähnlichen Größe entdeckt wurden.

Nach Auskunft der IAU könnte die Vollversammlung im kommenden Jahr in Prag über den Planetenstatus mehrerer Entdeckungen in den Außenbezirken des Sonnensystems entscheiden. Das Wissen über die Außenregion entwickele sich derzeit rasant, betonte die IAU. Dies stehe in gravierendem Gegensatz zu der Zeit, in der der neunte Planet, Pluto, entdeckt wurde. Viele Experten bezweifeln, dass Pluto heute noch den Planetenstatus zugestanden bekäme.

Schon 2003 entdeckt

"Es ist definitiv größer als Pluto", sagte Brown mit Bezug auf seinen Planeten. Die Forscher seien zu 100 Prozent davon überzeugt, "dass dies das erste Objekt größer als Pluto ist, das im äußeren Sonnensystem gefunden wurde." Andere Forscher wie Alan Stern vom Southwestern Research Institute zeigten sich nicht überrascht. Was diese Entdeckung hervor hebe, sei die Tatsache, dass das Objekt größer als Pluto sei, sagte Stern.

Brown entdeckte es mit seinen Kollegen Chad Trujillo vom Gemini-Observatorium und David Rabinowitz von der Yale-Universität erstmals bereits am 31. Oktober 2003. Seine Bewegung wurde aber erst bei einer Analyse der Daten im Januar dieses Jahres bestätigt. Die Forscher haben es seitdem beobachtet. Sie wollen ihre Entdeckung in den nächsten sechs Monaten, in denen der Himmelskörper von der Erde aus zu sehen ist, noch verifizieren und vor allem seine Größe noch näher bestimmen.

AP