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Raumfahrt: China erobert das All

Mit China kann nun neben den USA und Russland eine dritte Nation mit eigener bemannter Raumfahrt auftrumpfen. Die Raumkapsel "Shenzou 5" (magisches Schiff) startete ohne Probleme. Sie soll 21 Stunden im All bleiben.

Als dritte Nation der Welt nach der früheren Sowjetunion und den USA hat China einen Menschen ins All gebracht.

Der 38 Jahre alte Raumfahrer Yang Liwei hob am Mittwochmorgen um 03.00 Uhr MESZ allein in der Raumkapsel "Shenzhou 5" mit einer Trägerrakete vom Weltraumzentrum Jiuquan in der Wüste Gobi ab. Zehn Minuten nach dem Start bei strahlend blauem Himmel erreichte der Astronaut, für den China die Bezeichnung "Taikonaut" schuf, seine vorgegebene Erdumlaufbahn in 343 Kilometer Höhe. Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua hatte das Raumfahrzeug bis zum Nachmittag sechs von 14 geplanten Erdumrundungen während des auf 21 Stunden angelegten Fluges absolviert. Außerdem verließ die Kapsel zur Vorbereitung der Landung bereits wieder die anfangs gewählte Umlaufbahn.

Medien Feiern Mission bereits als Erfolg

China feiert seine Premiere in der bemannten Raumfahrt 42 Jahre nach den Missionen des Russen Juri Gagarin und des US-Astronauten Alan Shepard. Sie waren 1961 kurz nacheinander die ersten Menschen im Weltall. Chinas staatliche Medien erklärten die Flug noch vor seinem Abschluss zum Erfolg. Chinas Präsident Hu Jintao, der den Start rund 1.600 Kilometer von der Hauptstadt Peking entfernt verfolgt hatte, sprach vom "Ruhm unseres großartigen Heimatlandes". Der erste bemannte Raumflug sei für das chinesische Volk ein "historischer Schritt auf dem Weg an die Weltspitze in Wissenschaft und Technologie". Taikonaut Yang sagte in einem Funkspruch, den er während seiner ersten Erdumrundung absetzte: "Ich fühle mich gut und ich bin in normaler Verfassung."

Das staatliche Fernsehen hatte Bilder vom Abheben der Rakete erst ausgestrahlt, nachdem feststand, dass der Start kein Fehlschlag war. Der Raumflug wirft ein Schlaglicht auf Chinas wachsende Rolle in der Welt. Seine Wirtschaft wächst so schnell wie kaum eine andere, im UNO-Sicherheitsrat hat das Land seine diplomatischen Bemühungen verstärkt, und 2008 richtet die Volksrepublik die Olympischen Spiele aus. Sean O’ Keefe, Manager der US-Raumfahrtbehörde Nasa, wertete die Weltraum-Mission als einen wichtigen Erfolg für China. Auch die japanische Regierung gratulierte zum erfolgreichen Start.

"Taikonaut" aus 14 Bewerbern ausgewählt

China hatte um seinen ersten bemannten Raumflug mit der 58,3 Meter hohen, 479,8 Tonnen schweren Rakete vom Typ "Langer Marsch 2F" lange ein Geheimnis gemacht. Raumfahrer Yang dient als Oberstleutnant in der chinesischen Volksarmee. Er war aus einem Kreis von insgesamt 14 Anwärtern ausgewählt worden. "Wir sind stolz auf ihn. Um seine Sicherheit machen wir uns keine Sorgen, wir vertrauen in die fortgeschrittene Technologie des Landes", sagte sein Schwager der Nachrichtenagentur Reuters wenige Minuten vor dem Start, den auch Yangs Kinder beobachteten. Als Verpflegung hatte er Medienberichten zufolge Schweine-Hackfleisch mit Knoblauch und Reis dabei.

Der Flug sei für China ein erster Schritt, um den Weltraum in Zukunft als Industriebasis zu nutzen, sagte Gu Yidong, Chefingenieur der chinesischen Raumfahrtbehörde. Zunächst seien zwar bescheidenere Ziele wie bessere Satellitensysteme zur Datenübertragung und zur Wettervorhersage sowie Forschungen zum Reisanbau im Gespräch. Sollte der Flug problemlos verlaufen, könnte die Raumfahrtindustrie aber mit Plänen für Flüge zum Mond sowie für eine eigene Weltraumstation einen Schub erhalten.

Weltraumprogramm 1958 begonnen

China hatte sein Weltraumprogramm 1958 begonnen, musste seine Weltraumambitionen allerdings im Laufe des Kalten Krieges zunächst einmal zurückstellen. 1970 brachte es den ersten Satelliten mit einer Rakete ins All.