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Raumfahrt: Das "magische Schiff" steht in den Startlöchern

Der Start des ersten chinesischen Raumschiffs mit einem Astronauten an Bord steht kurz bevor. Der Raketenabschuss wird jedoch nicht live im Staatsfernsehen übertragen.

Nach letzten Tests ist das chinesische Raumschiff "Shenzhou 5" am Dienstag an der Startrampe am Rande der Wüste Gobi für den ersten bemannten Raumflug Chinas aufgetankt worden. Der Start vom Raumfahrtbahnhof nahe der Stadt Jiuquan (Provinz Gansu) sei am Mittwochmorgen gegen 9.00 Uhr (3.00 Uhr MESZ) geplant, berichtete die Deutsche Presse Agentur.

Die Chefredaktion des staatlichen Fernsehens in Peking bestätigte, dass die Live-Sendung abgesagt worden sei. Gründe wurden nicht genannt. Die politische Führung habe die politischen Risiken eines Scheiterns als zu groß eingeschätzt, hieß es in der Hongkonger "South China Morning Post". Bei einem erfolgreichen Start solle später eine Aufzeichnung gezeigt werden. Die Raketenbauer beteuerten, die mit 58 Metern höchste und schwerste Rakete Chinas sei "die beste von allen" und habe eine Erfolgsquote von 97 bis 98 Prozent. Bis 1995 hat China seine Satellitenstarts direkt im Fernsehen übertragen. Nach der Explosion einer Rakete zwei Minuten nach dem Start mit sechs Toten wurde dies gestoppt.

Jintao und Zemin bei Start dabei

Der neue Staats- und Parteichef Hu Jintao sowie sein Vorgänger Jiang Zemin, der weiter als Vorsitzender der Militärkommission der höchste politisch Verantwortliche für das Raumfahrtprogramm ist, werden zum Start vor Ort erwartet, wie die "China Daily" auf ihrer Webseite berichtete. Ein letzter Test des Raumschiffes sei Montag beendet worden. Nun werde weiter Treibstoff geladen.

Wenige Tage vor dem geplanten ersten bemannten Raumflug trafen drei Astronauten auf dem Weltraumbahnhof. Nur ein Astronaut soll ins All starten. Als aussichtsreichster Kandidat für den ersten Raumflug gilt der 38-jährige Astronaut und Pilot Yang Liwei, der mit seinen Kollegen Zhai Zhigang und Nie Haisheng bis zuletzt auf seine körperliche und geistige Verfassung untersucht worden war, wie die Hongkonger Zeitung "Wen Huibao" berichtete. Der Flug soll nur 22 Stunden dauern, in denen das Raumschiff "Shenzhou 5" (Magisches Schiff) die Erde 14 Mal umkreisen soll. Dem Projekt gehen elf Jahre Planung und Investitionen in Milliardenhöhe voraus. Der Raumflug ist ein Prestigeprojekt für Peking: Sollte die Mission glücken, wäre China nach den USA und Russland das dritte Land mit einem bemannten Raumfahrtprogramm.

Ehrgeizige Pläne

Der Flug sei nur ein "erster Schritt" für Chinas ehrgeizige Pläne im All, sagte Gu Yidong, Generaldirektor des bemannten Raumflugprogramms nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. In der zweiten Phase seien kompliziertere Vorhaben wie Rendezvous im All, Andockmanöver oder der Aufbau eines Raumlabors geplant. Die ehrgeizigen Pläne Chinas, bis 2010 eine Raumstation zu bauen, nannte der britische Raumfahrtexperte Phillip Clark ein durchaus "realistisches Ziel". In zwei bis drei Jahren sei ein erster Erkundungsflug zum Mond geplant. Clark bestätigte Angaben anderer westlicher Experten, dass die Flüge von "Shenzhou" neben wissenschaftlichen und technologischen Zwecken auch militärische Aufgaben hätten. Bei den letzten drei Flügen habe das Raumschiff elektronische Aufklärungssysteme an Bord gehabt.