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Raumsonde Rosetta am Ziel: "Hallo Komet"

Nach mehr als zehn Jahren Flugzeit hat die Raumsonde Rosetta ihr Ziel erreicht. Der Eintritt in die Umlaufbahn um einen Kometen wurde weltweit mit Spannung verfolgt.

Jubel und grinsende Gesichter im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumagentur (Esa): Mit einem Bilderbuchmanöver ist es gelungen, die Raumsonde Rosetta in den Orbit des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko zu bringen. Nicht nur die rund 120 Gäste und 200 Medienvertreter verfolgten zusammen mit den Wissenschaftlern im Kontrollzentrum in Darmstadt einen der kritischsten Momente der bereits mehr als zehn Jahre andauernden Mission. Auf der ganzen Welt zeigten Menschen großes Interesse und informierten sich per Twitter und den Esa-Livestream über den Verlauf der Mission. Auch Schauspieler William Shatner, bekannt als Captain James T. Kirk aus "Raumschiff Enterprise", erkundigte sich nach dem Stand der Dinge und wurde von der Esa in "Star Trek"-Manier informiert:

Doch auch junge Raumfahrtfans waren daran interessiert, wie das komplizierte Manöver am Ende einer über sechs Milliarden Kilometer langen Reise verlief:

Eine einfache Erklärung liefert die Esa mit einem kurzen Video selbst:

Mit dem Ziel in Sicht wuchs die Spannung im Kontrollzentrum. Bereits bei der Annäherung an den Kometen waren die Wissenschaftler über die unerwartete Form des Eisbrockens im All erstaunt:

Das komplexe Manöver für den Eintritt in die Umlaufbahn des Kometen erläutert diese Grafik:

Um 11 Uhr deutscher Zeit war der entscheidende Moment gekommen. Rosetta begann den Anflug an den Kometen. "Please cross your fingers" ("Bitte Daumen drücken!"), hieß es von einem Esa-Mitarbeiter im Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt:

Dort wusste man nach Beginn des Manövers zunächst nicht, ob alles nach Plan verlief. Aufgrund der Entfernung zu dem erst 1969 entdeckten Kometen benötigte das Signal von der Sonde satte 22 Minuten bis zur Erde. Schließlich konnte das Kontrollzentrum aber bestätigen, dass alles reibungslos funktionierte:

Alles klappte wie am Schnürchen. Esa-Flugdirektor Andrea Accomazzo erklärte, dass er im gesamten bisherigen Verlauf der Mission noch nie ein so klares Signal von Rosetta erhalten habe. Auch seine Kollegen an den Monitoren waren vom reibungslosen Ablauf begeistert:

Rund 30 Minuten nach dem Zünden der Triebwerke hieß es dann von Seiten der Esa auf Twitter in verschiedenen Sprachen "Hallo Komet"! Auch Accomazzo bestätigte zufrieden: "Wir sind am Kometen."

Mit dem Erreichen von 67P/Tschurjumow-Gerassimenko hat die Arbeit der Wissenschaftler aber erst begonnen: "Wir sind zehn Jahre lang auf der Autobahn unterwegs gewesen und haben gerade erst angehalten und noch nicht einmal die Türen aufgemacht", sagte Flugleiter Accomazzo. Bis Oktober wollen die Forscher auf dem Himmelskörper nach einem geeigneten Landeplatz für den Roboter Philae suchen, der im November mit einer Harpune die erste Landung auf einem Kometen versuchen soll. Die Wissenschaftler erhoffen sich von der Mission Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren.

db/AFP/DPA / DPA