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Absturz aus dem All: Tiangong-1 taumelt zur Erde: Trifft die chinesische Raumstation die US-Stadt Charlotte?

Wem fallen die Trümmer der abstürzenden chinesischen Raumstation Tiangong-1 am Osterwochenende auf den Kopf? Während die Esa abwinkt, ist man vor allem in der US-Stadt Charlotte leicht besorgt.

In Wachtberg bei Bonn schaut man dem großen Stück Weltraumschrott aufmerksam beim Absturz zu. Dank des weltweit führenden Tracking- und Radarsystems des dortigen Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) kann die außer Kontrolle geratene chinesische Tiangong-1 (zu deutsch: Himmelspalast) auf ihrem Weg in die Erdatmosphäre beobachtet werden (siehe Foto). Trotzdem wollen die Raumfahrtagenturen sich nicht festlegen, wann genau die Station auf die Erde stürzen wird. Die Europäische Raumfahrtagentur Esa rechnet mit einem Eintritt von Tiangong in die Atmosphäre zwischen dem frühen Morgen des Ostersamstags und den ersten Stunden des Ostermontags.

Beim Weg durch die irdische Gashülle sollte ein Großteil der seit Dezember 2015 um die Erde trudelnde Station verglühen. Dennoch werden wohl diverse Trümmerteile den Höllenritt durch die Atmosphäre überstehen und irgendwo auf die Oberfläche treffen. In Charlotte im US-Staat North Carolina wird man den Himmel an den Ostertagen besonders aufmerksam beobachten. Wie das Portal "charlottestories.com" berichtet, besteht angesichts des als wahrscheinlich geltenden Pfads der Station durchaus die Möglichkeit, das Trümmerteile auf das Stadtgebiet stürzen. Vor allem Motoren und Generatoren könnten es bis zur Oberfläche schaffen.

Chinesische Raumstation taumelt Richtung Erde

Kombination zweier Radarbilder: Das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik in Wachtberg bei Bonn hat die abstürzende chinesische Raumstation Tiangong-1 im Blick.


Raumstation Tiangong-1: Esa glaubt nicht an Gefahr

Allerdings wird selbst in dem Bericht die Chance, dass die 850.000-Einwohner-Stadt wirklich getroffen wird, als klein bezeichnet. Die Experten der Esa schließen es praktisch aus, dass dies wirklich geschehen wird. "In der Geschichte der Raumfahrt hat es noch nie eine Bestätigung für Schäden durch herabfallenden Weltraumschrott gegeben", betont die Raumfahrtagentur. Berichte, dass mal eine Kuh - wahlweise in Alaska oder Neuseeland - von Resten eines Satelliten erschlagen worden sei, gehören wohl in die Welt der modernen Mythen. Trotzdem gibt es natürlich ein Restrisiko.

Der Untergang der Tiangong-1 ist für die Raumfahrer aus einem ganz anderen Grund interessant. Die 13 wichtigsten, zum internationalen Weltraumschrott-Komitee zählenden Agenturen nutzen die Gelegenheit, um ihre Trackingsysteme zu testen. Ziel ist es, die Vorhersagen für den Absturz von Schrott-Teilen aus dem All zu verbessern und untereinander abzustimmen. Denn dass auf alle Zeiten nichts passieren wird, kann niemand garantieren. Schließlich umkreisen nach Esa-Angaben schon jetzt 7500 Tonnen Müll die Erde - und nicht alle Trümmerteile sind so klein, dass sie zwangsläufig in der Atmosphäre verglühen.

Die chinesischen Behörden sind von solchen Befürchtungen allerdings weit entfernt. Im Gegenteil: Das Ende von Tiangong-1 versetzt sie regelrecht ins Schwärmen. Niemand müsse befürchten, dass die acht Tonnen schwere Station "wie in einem Science-fiction-Film wild auf die Erde stürzen wird", schrieb die Raumfahrtbehörde CMSEO am Freitag im chinesischen Messengerdienst WeChat. Vielmehr werde sie sich in einen "prächtigen Sternschnuppenregen verwandeln, der durch den sternenklaren Himmel zur Erde braust".

Update: Nach aktueller Einschätzung der Esa-Experten werden Teile von Tiangong-1 zwischen Sonntagnachmittag und Montagmorgen Richtung Erde stürzen. Als wahrscheinlichster Zeitpunkt gilt derzeit 2.25 Uhr in der Nacht zum Ostermontag. Da die Trümmer der Station größtenteils über Wüste und Wasser niedergehen werden, sieht die Esa keine Gefahr für Menschen oder Siedlungen. Stattdessen glauben die Experten nicht einmal, dass man überhaupt Stücke der Station finden wird.

dho