Schäden beim Abflug US-Raumfähre Endeavour startet mit Panne ins All


Aller guten Dinge sind sechs - zumindest beim Start der US-Raumfähre Endeavour. Nachdem der Abflug fünfmal abgebrochen werden musste, ist das Shuttle mit sieben Astronauten an Bord nun endlich auf dem Weg ins All. Allerdings gab es auch diesmal Probleme: Teile der Isolierung lösten sich und beschädigten den Hitzeschild.

Im sechsten Anlauf ist der Start der US-Raumfähre Endeavour mit sieben Astronauten an Bord endlich geglückt. Der Shuttle hob am Mittwochabend (Donnerstagmorgen 0.03 Uhr MESZ) mit mehr als einmonatiger Verzögerung vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab. Der Start in der beginnenden Dämmerung war besonders spektakulär: Viele Menschen verfolgten den Feuerschweif, während der Orbiter in den klaren Abendhimmel stieg. Die Raumfähre soll den letzten Teil des japanischen Weltraumlabors "Kibo" zur Internationalen Weltraumstation (ISS) bringen.

Die Freude über den endlich gelungenen Flug ins All wurde allerdings getrübt: Wie Bilder der Kontrollkameras zeigten, lösten sich beim Start der Raumfähre acht oder neun Teile der Isolierung des Außentanks der Raumfähre. Das Shuttle wurde mindestens zwei oder drei Mal getroffen, wie Nasa-Projektleiter Bill Gerstenmaier auf einer Pressekonferenz erklärte. An der Endeavour seien mehrere Abschürfungen zu sehen, die aber vermutlich unbedenklich seien. Dies werde derzeit untersucht. Vor dem Andocken der Raumfähre an der ISS werde sichergestellt, dass keine größeren Schäden entstanden seien, betonte Gerstenmaier. Kleinere Schäden könne die Crew selbst reparieren.

Falls irreparable Schäden entstanden seien, könnten die Astronauten für zwei bis drei Monate auf der ISS untergebracht und dann mit einem anderen Shuttle zur Erde zurückgebracht werden. 2003 war die Raumfähre "Columbia" durch abbrechende Teile der Isolierung der Treibstofftanks beschädigt worden, was zu ihrem Absturz führte. Dabei kamen alle sieben Astronauten ums Leben.

"Hartnäckigkeit zahlt sich aus"

Der Start der Endeavour musste zuvor fünfmal wegen technischer Probleme oder schlechten Wetters abgebrochen werden. Ursprünglich hätte die "Endeavour" schon vor einem Monat am 13. Juni starten sollen. "Das Wetter spielt endlich mit, es kann also losgehen", sagte Startdirektor Pete Nickolenko. "Hartnäckigkeit zahlt sich aus." Bordkommandeur Mark Polansky antwortete: "Darauf hat die Endeavour lange gewartet. Wir sind bereit, und wir werden euch alle mitnehmen auf eine großartige Mission." Polansky und seine Crew werden die ISS am Freitag erreichen. Dann wird sich dort erstmals eine Rekordzahl von 13 Menschen aufhalten - bislang waren es höchstens zehn. Während der auf 16 angelegten Mission sind fünf Außenbordeinsätze geplant.

In den vergangenen Tagen mussten drei Anläufe wegen Gewitters abgeblasen werden. Zweimal wurde der Start nur wenige Stunden vor dem Termin verschoben, weil sich dunkle Gewitterwolken bis auf wenige Kilometer genähert hatten. Bereits zuvor hatte ein Leck im Tank der Nasa zweimal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wäre auch der sechste Startversuch abgeblasen worden, hätte eine längere Verschiebung ins Auge gefasst werden müssen, weil demnächst auch ein russischer Raumtransporter zur ISS starten soll.

Japaner wartet auf der ISS auf den Rückflug

Die ständigen Startverschiebungen waren auch für den japanischen ISS-Bewohner Koichi Wakata zur Geduldsprobe geworden. Der 45-Jährige soll nun Ende Juli nach einem dreimonatigen Aufenthalt in der ISS mit der Endeavour zur Erde zurückkehren. Seinen Platz in der Raumstation wird Flugingenieur Tim Kopra einnehmen.

Hauptaufgabe während der 16-tägigen Endeavour-Mission ist, eine gut vier Tonnen schwere Logistikplattform an der Außenwand des japanischen Raumlabor Kibo anzubringen. Darauf sollen später Instrumente für Experimente im All installiert werden. "Eine Veranda im Weltall", nennt die Nasa die Plattform. Dort sollen etwa eine Röntgenkamera sowie Instrumente zur Untersuchung von kosmischem Staub installiert werden. Insgesamt sind für die Astronauten fünf Außeneinsätze geplant.

DPA/AP AP DPA

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