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Seit 20 Jahren im Erdorbit: "Hubble", ein Weltraum-Teleskop mit Brille

Wohl kaum ein wissenschaftliches Instrument ist so bekannt wie das Weltraumteleskop "Hubble". Seit dem 24. April 1990 kreist es um die Erde.

Es zählt zu den bekanntesten wissenschaftlichen Instrumenten und hat das Bild von unserem Kosmos revolutioniert: Seit 20 Jahren kreist das Weltraumteleskop "Hubble" in einer Entfernung von 600 Kilometern um die Erde. Es ist ungefähr so lang wie ein großer Lastwagen, aber viel viel schneller als ein Brummi: Mit acht Kilometern pro Sekunde braucht es 96 Minuten, um die Erde einmal zu umrunden.

Bei seinen Runden im Orbit hat "Hubble" hat einiges geleistet: Seit 1990 hat es laut Nasa rund 600.000 Aufnahmen von ungefähr 30.000 Himmelsobjekten gemacht. Jeden Monat funkt das Teleskop 80 Gigabyte Beobachtungsdaten zur Erde, das entspricht 80 großen Enzyklopädien. Ist es dunkel genug und der Himmel frei von Wolken, kann Hubble sogar mit bloßem Auge von der Erde aus erkannt werden - vorausgesetzt man weiß, wo es gerade ist.

Etwa zehn Milliarden US-Dollar (rund 7,5 Milliarden Euro) haben die Nasa und die mit 15 Prozent beteiligte Europäische Raumfahrtagentur Esa bislang in das Teleskop gesteckt. Dabei drohte das Unternehmen kurz nach dem Start vor 20 Jahren eine Pleite zu werden: Das Space Shuttle "Discovery" brachte "Hubble" zwar am 24. April 1990 ins All und stationierte es tags darauf im Orbit, doch zwei Monate nach dem Start folgte auf die Euphorie die Ernüchterung: Das erste Bild, das "Hubble" zur Erde sendete, war unscharf und nicht zu gebrauchen.

Der Grund: "Hubbles" 2,4 Meter großer Hauptspiegel, zuvor gepriesen als "glattester Spiegel der Welt", war leicht falsch geschliffen. Den Wissenschaftlern blieb nichts anderes übrig, als ein Space-Shuttle zur Reparatur ins Weltall zu schicken. Im Dezember 1993 startete die "Endeavour" Richtung "Hubble", um dem Milliarden-Dollar-Instrument eine Brille zu verpassen: Die Optik wurde leicht korrigiert. Das "Auge im Weltall" konnte sehen und lieferte ab diesem Zeitpunkt faszinierende Bilder.

Mit neuer "Brille" hat "Hubble" geholfen, die Geburt von Sternen und Planeten aufzuklären, das Alter des Universums auf rund 13,7 Milliarden Jahre zu bestimmen und die mysteriöse Dunkle Energie zu untersuchen, die das Universum auseinandertreibt. Und es hat die Öffentlichkeit mit ungezählten spektakulären Fotos begeistert.

Doch die bunten Bilder sind nicht nur für Laien schön, diese Art der Darstellung erleichtert auch Forschern den Überblick. Die schillernden Farbbilder sind eine rechnerische Kombination mehrerer Einzelaufnahmen in verschiedenen Wellenlängenbereichen. "Die Farbbilder enthalten eine Menge Physik, denn die Farben zeigen die Eigenschaften der Gase, Sterne und so weiter", sagt der europäische Chefkoordinator für das Weltraumteleskop, Robert Fosbury.

Das Weltraumteleskop hat das Universum aber nicht nur bunter gemacht, sondern auch größer. Hubble kann zwar nicht ganz zum Ursprung des Universums zurückblicken, aber schon beeindruckend weit: Über zwölf Milliarden Lichtjahre sind die weitesten Objekte entfernt, die das Teleskop eingefangen hat.

Auch die Erforschung ferner Welten, sogenannter extrasolarer Planeten bei anderen Sternen, ist "Hubble" zu verdanken. Sogar die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre dieser Planeten kann Hubble analysieren. So hat es erstmals organische Moleküle auf einem Exoplaneten nachgewiesen - und ist mit solchen Untersuchungen auch möglichem Leben im All auf der Spur.

Nach 1993 sind Astronauten noch viermal zu dem Teleskop geflogen und haben jeweils ein nahezu runderneuertes Instrument zurückgelassen. Die letzte Service-Mission fand im Mai 2009 statt, weitere wird es nicht geben: Die Shuttle-Flotte wird in diesem Jahr ausgemustert. Wie lange "Hubble" nun noch durchhält und weitere Bilder sendet, ist offen.

Ein Nachfolger für "Hubble" ist schon in Planung: 2014 soll das "James-Webb-Space-Telescope" starten. Das rund 4,5 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro) teure Teleskop soll seinen Außenposten mehr als 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt beziehen. Es dreht dann im Halbschatten der Erde seine Bahn. Der Spiegel des Infrarot-Teleskops ist doppelt so groß wie der von "Hubble" und fängt sechs Mal mehr Licht ein. "James Webb" soll weiter als jedes andere Teleskop in die Vergangenheit zurückblicken - und Hubble geht dann im Alter von 24 Jahren in Rente.

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