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Smart-1: In Schlangenlinien zur Absturzstelle

Gerade noch rechtzeitig haben Astronomen einen vorzeitigen Crash der Mondsonde "Smart-1" verhindert. 600 Meter höher als zuvor und damit außerhalb der Gipfel gefährlicher Mondkrater-Ränder fliegt Smart-1 nun seinem planmäßigen Absturz entgegen.

Eine dramatische letzte Kurskorrektur soll verhindern, dass die europäische Mondsonde "Smart-1" bereits fünf Stunden vor dem geplanten Aufprall einen Krater rammt und abstürzt. In einer stundenlangen Aktion wurde die Umlaufbahn der Sonde um den Erdtrabanten um etwa 600 Meter erhöht, so dass sie wie vorbereitet am Sonntagmorgen gegen 7.42 MESZ in der "Lake of Excellence" genannten Südregion des Mondes aufschlagen dürfte. Das teilte ein Sprecher des europäischen Kontrollzentrums (ESOC) in Darmstadt mit.

Britische Experten der Universität Nottingham hätten noch rechtzeitig Zusatzinformationen zu dem für "Smart-1" gefährlichen Krater Clausius geliefert. "Man kennt die Oberfläche des Mondes doch noch nicht so gut", sagte der Sprecher.

Einschlag mit 7200 km/h

Mit einer unsanften Landung auf dem Mond geht am frühen Sonntagmorgen der knapp dreijährige Flug der Sonde zu Ende. Die Esa will die 366 Kilogramm schwere Raumsonde mit einer Geschwindigkeit von 7200 Stundenkilometern auf dem Mond einschlagen lassen.

Was die mit Instrumenten bestückte Sonde geleistet hat, kann sich sehen lassen. Europäische Wissenschaftler haben jetzt die schärfsten Aufnahmen vor sich, die je aus der Umlaufbahn vom Mond gemacht worden sind. "Smart-1" funkte genaueste Daten über Mondminerale zur Erde. So konnten Röntgenanalysen erstmals aus einem Orbit heraus Kalzium und Magnesium nachweisen sowie Berge in Kratern und Vulkanebenen vermessen. Dafür kreiste die Sonde - klein, kompakt und kostengünstig - auf einer elliptischen Bahn 300 bis 3000 Kilometer über den Mondpolen.

Nun ist die Arbeit von Smart-1 getan, der Treibstoff verbraucht. Zurückbleiben wird nur ein Krater - und der dürfte mit drei bis zehn Metern Breite eher bescheiden ausfallen.