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Ursachensuche läuft: Tödlicher Absturz in Egelsbach: "Dann ist er runtergekracht und explodiert"

Am Tag nach dem Absturz einer Privatmaschine im hessischen Egelsbach suchen Experten die Absturzstelle ab. Noch ist die Unglücksursache nicht geklärt. Zeugen berichten von dramatischen Sekunden vor dem Aufprall.

Es müssen grauenhafte Sekunden im Angesicht des Todes gewesen sein. Nur zwei in die Luft ragende Rotorblätter zeugen am Unglücksort noch davon, dass es sich bei den Trümmern um ein Flugzeug gehandelt hat. Der Rest ist zertrümmert, zusammengeschmolzen und verkohlt. Was genau in den Sekunden vor dem Aufprall auf einem Spargelfeld bei Erzhausen zwischen Frankfurt/Main und Darmstadt passierte, ist noch unklar. Doch der Pilot und seine beiden Passagiere aus Russland müssen sofort tot gewesen sein.

Die Fakten: Am Sonntagmittag startet das in Russland zugelassene Flugzeug eines US-Herstellers vom Typ Epic E1000 im französischen Cannes. Gegen 15.30 Uhr schlägt die Einpropeller-Maschine vor der Landung auf dem Flugplatz Egelsbach südlich von Frankfurt bei Erzhausen auf den Boden und geht sofort in Flammen auf. Kurz zuvor meldete sich der Pilot bei der Deutschen Flugsicherung ab, um sich beim Tower in Egelsbach anzumelden. Er geht vom Instrumentenflug in den Sichtflug über - der Flugsicherung zufolge nicht ungewöhnlich.

"Gut, dass die Spargelhelfer nicht auf dem Feld waren"

"Ich hab' nur gesehen, dass er schräg hängt in der Luft", sagt eine Anwohnerin und Augenzeugin am Tag danach. "Dann ist er frontal runtergekracht und explodiert." Nach ihrer Ansicht hätte es auch noch schlimmer kommen können. "Da laufen immer viele Leute rum. Es war noch gut, dass die Spargelhelfer nicht auf dem Feld waren."

Doch der Absturz war am Sonntag nicht das einzige Unglück: Ein Streifenwagen, der unterwegs zur Absturzstelle war, wird frontal von einem entgegenkommenden Auto erfasst. Dessen Insassen, ein 24 Jahre alter Mann und eine 22 Jahre alte Frau, sterben. Drei Polizisten werden verletzt.

Egelsbach-Absturz: russisches Opfer Natalja Filjowa

In Russland keine Unbekannte: Natalja Filjowa, Miteigentümerin der Fluggesellschaft S7, soll beim Absturz in Egelsbach ums Leben gekommen sein.

DPA

Egelsbach: Spurensicherung noch bis Dienstag

Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) sichern seit Sonntag in akribischer Kleinstarbeit Spuren. Noch bis Dienstag soll mit Unterstützung von Experten aus Russland das Wrack untersucht werden, wie Untersuchungsleiter Jens Friedemann sagt. Erschwert werden die Arbeiten der Experten durch giftige Teilchen, die beim Verbrennen des Flugzeugs aus Kohlefaserverbundstoffen entstehen. Nur in Schutzanzügen können sie an dem Wrack arbeiten. Wie genau das Flugzeug abgestürzt ist, sei noch unklar, sagt Friedemann. Dazu müssten auch noch die Funk- und Radardaten ausgewertet werden.

"Es war wichtig für uns, dass wir heute die Leichen bergen konnten", sagt Friedemann am Montag. Sie sollen nun weiter rechtsmedizinisch untersucht werden. Bei dem Unglück starb auch die prominente russische Geschäftsfrau Natalija Filjowa. Die 55 Jahre alte Miteigentümerin der Fluggesellschaft S7 war nach Unternehmensangaben an Bord der Maschine, Medienberichten zufolge auch ihr Vater. Auch der Pilot soll aus Russland kommen.

Angehörige der Unternehmerin landeten dem hessischen Wirtschaftsministerium zufolge noch in der Nacht am Flughafen Frankfurt. Am Montag fährt an dem Unglücksort ein Wagen vor, ein Mann legt einen großen Strauß rote Rosen nieder und betet am Ort der Tragödie.

Airline-Statistik: Bruchlandungen, Feuer an Bord, defekte Triebwerke: Bei diesen Airlines häufen sich die Zwischenfälle
Zu den Schlusslichtern der Jacdec-Untersuchung gehören Airlines aus Indonesien: Der Billigflieger Lion Air verzeichnet seit der Gründung im Jahr 2000 allein 14 schwere Zwischenfälle und 8 Totalverluste von Flugzeugen. Das Bild zeigt eine Boeing 737, die am 13. April 2013 die Landebahn des Ngurah Rai Airport auf Bali verfehlt hatte.  Jacdec-Risikoindex: 54,20 Prozent (je höher der Prozentwert, desto besser ist sie bewertet), Tendenz negativ

Zu den Schlusslichtern der Jacdec-Untersuchung gehören Airlines aus Indonesien: Der Billigflieger Lion Air verzeichnet seit der Gründung im Jahr 2000 allein 14 schwere Zwischenfälle und 8 Totalverluste von Flugzeugen. Das Bild zeigt eine Boeing 737, die am 13. April 2013 die Landebahn des Ngurah Rai Airport auf Bali verfehlt hatte.

Jacdec-Risikoindex: 54,20 Prozent (je höher der Prozentwert, desto besser ist sie bewertet), Tendenz negativ

Picture Alliance

Tausende Maschinen vom Unglückstyp unterwegs

Luftfahrzeuge wie die Unglücksmaschine gibt es im Deutschen Luftraum zu Tausenden. Von den gut 21.000 beim Luftfahrtbundesamt angemeldeten Luftfahrzeugen gehören mehr als 20.000 wie die Epic zum Bereich der Allgemeinen Luftfahrt. Hier sind neben Motorflugzeugen auch Segler, Helikopter oder Ballone erfasst. Sie stellen so etwas wie den Individualverkehr in der Luft dar, vergleichbar mit den Autos auf der Straße.

Die Flugzeuge fliegen in der Regel auf Sicht und bei weiteren Strecken auch nach Flugplänen, die zuvor mit der Flugsicherung und Eurocontrol geplant und von ihnen genehmigt werden müssen. Die Pläne enthalten unter anderem Abflug- und Ankunftszeit, Reisegeschwindigkeit, Flugstrecke, Höhe, Zielflugplatz und Ausweichplätze. Die Flugzeuge werden aber nicht fortwährend von Lotsen begleitet, die sich ausschließlich um die größeren Flieger im Instrumentenflug kümmern.

dho / DPA

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