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Größter Kleinflughafen: Erneutes Unglück: Egelsbach, der Promi-Flughafen und seine tödlichen Abstürze

Mit 200 Starts und Landungen pro Tag ist der Flughafen Egelsbach bei Frankfurt der geschäftigste Regionalflughafen Deutschlands. Am Wochenende verunglückte dort die Maschine einer russischen Unternehmerin. Nicht das erste tödliche Unglück an dem Mini-Airport in den vergangenen Jahren.

Absturz mit drei Toten: Beamte der Kriminalpolizei und Luftfahrtexperten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung untersuchen das Wrack des am Sonntag abgestürzten Geschäftsflugzeuges in der Nähe des Flugplatzes Egelsbach.

Lage, Lage, Lage – dieser Spruch gilt nicht nur für Immobilien, sondern auch für Flughäfen wie den Flugplatz Egelsbach. Mit bis zu 80.000 Flugbewegungen ist er der größte Standort der allgemeinen Luftfahrt in Deutschland, "mitten im Herzen Europas", wie es in einer Infobroschüre heißt. Nur 30 Minuten dauert die Autofahrt vom kleinen Terminal bis zum Finanzplatz Frankfurt.

Urlaubsreisende kennen den Flughafen gar nicht. Er liegt nur zehn Kilometer südöstlich des Frankfurter Flughafens. Aber unter Geschäftsleuten und Privatfliegern ist Egelsbach die erste Adresse in Deutschland, weil Fluggästen im Gegensatz zu einem Großflughafen enormer Zeitgewinn garantiert wird: durch schnelle Abfertigung, sehr kurze Wege und schnelle Kontrollen.

Außerdem sprechen günstige Landegebühren, kostenlose Parkplätze direkt vor dem Terminal, Konferenzräume und Hubschraubertransfer für Egelsbach, einem bei Managern und Prominenten beliebten Abflugsort. "Von Frankfurt-Egelsbach aus sind etwa 2500 europäische Flugziele schnell, sicher und höchst komfortabel erreichbar" - so wirbt der Flughafen.

Mehrere Zwischenfälle mit Toten

Durch den Absturz einer Privatmaschine, die sich mit zwei prominenten russischen Passagieren am Sonntag im Landeanflug auf die 1400 Meter lange Piste befand, ist Engelsbach in die Schlagzeilen geraten – wieder einmal. Denn erst im Juli 2017 war eine Reims-Cessna F150 kurz nach dem Start in Egelsbach in einen benachbarten Wald gestürzt. Die Pilotin wurde schwer verletzt.

Am Rande des Flugplatzes Egelsbach auf den Gleisen der Bahnstrecke zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt: das Wrack eines im Juni 2015 ausgebrannten Sportflugzeuges.

Am Rande des Flugplatzes Egelsbach auf den Gleisen der Bahnstrecke zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt: das Wrack eines im Juni 2015 ausgebrannten Sportflugzeuges.

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Im Juni 2015 kollidierte ein weiteres Kleinflugzeug während eines Durchstartmanövers mit einem Güterzug der nahen Bahnstrecke Frankfurt-Darmstadt. Eine Frau starb, der Pilot erlitt schwere Verletzungen. Fünf Tote gab es im März 2012, als ein zweistrahliger Privatjet bei einer Nachtlandung vier Kilometer vor der Piste aufsetzte. Die Maschine vom Typ Cessna Citation X wurde komplett zerstört.

Enorme Infrastruktur

Das Problem: Zwar gibt es getrennte Sichtan- und -abflugverfahren für schnelle und langsame Flugzeuge. Denn der Flughafen wird sowohl von Hobbyfliegern mit ihren Propellerflugzeugen, undauch von Privatjets der Business Aviation genutzt. Aber die Asphaltpiste des Flughafen kann nur unter Sichtflugbedingungen von Luftverkehrsfahrzeugen bis zu 20 Tonnen angesteuert werden.

Die Infrastruktur in Engelsbach ist beeindruckend: In den 16 Hangars haben 30 Unternehmen und Vereine ihren Sitz: Von Flugschulen über die Hubschrauberstaffel der hessischen Polizei bis zu Netjets. Die US-Firma, die dem Unternehmer und Großinvestor Warren Buffett gehört, betreibt und vermietet Geschäftsreiseflugzeuge.

Kein ILS in Egelsbach

Doch ein Ausstattungsmerkmal für den Flughafen fehlt: Ein Instrumentenlandesystem ILS ist nicht installiert. Dieses würde auch Landungen unter "Blindflugbedingungen", sprich bei schlechtem Wetter, ermöglichen. Seit der Übernahme des Mini-Airports durch Netjets 2009, der inzwischen Mehrheitsgesellschafter wurde, war diese Anforderungen immer wieder im Gespräch.

Ob das System den Absturz am Wochenende verhindert hätte? Die Frage kann nicht beantwortet werden. Am Sonntag, als das Kleinflugzeug mit sechs Sitzen beim Landeanflug in ein Spargelfeld stürzte und ausbrannte, herrschte frühlingshaftes Wetter. Wenige Minuten vor dem Aufprall hatte sich der russische Pilot bei der Deutschen Flugsicherung abgemeldet, um sich beim Tower des Flugplatzes Egelsbach Landung anzumelden. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nahm die Ermittlungen auf. Die Ursache für den Absturz bleibt unklar.

Quelle: www.egelsbach-airport.com

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