Smart-1 Stilvoller Abschied einer Sonde


Mit einem grellem Lichtblitz endet am Wochenende die erste europäische Mondmission: Dann lässt die Esa die Sonde "Smart-1" auf den Mond abstürzen. Wer das Ende von Smart-1 auf der Erde miterleben will, muss nach Südamerika oder Hawaii reisen.

Die Arbeit ist getan, der Treibstoff verbraucht. Die Entdeckungsreise der europäischen Raumsonde Smart-1 geht nach knapp drei Jahren so zu Ende wie die meisten früheren Mondbesuche: Am Wochenende wird die europäische Raumfahrtagentur Esa die Sonde über dem Erdtrabanten abstürzen lassen. 16 Monate lang hat das unbemannte Raumfahrzeug den Mond umkreist und komplett neu fotografiert. Die Mission diente der Esa vor allem zum Testen neuer Raumfahrttechnologie.

Am frühen Sonntagmorgen wird das Funksignal von Smart-1 für immer verstummen. Mit einer Geschwindigkeit von 7200 Stundenkilometern wird die 366 Kilogramm schwere Raumsonde voraussichtlich um 7.41 Uhr auf der Südhalbkugel des Mondes in den Lake of Excellence einschlagen. Der grelle Lichtblitz, mit dem die Sonde explodiert, ist mit Hilfe von Teleskopen wahrscheinlich auch von der Erde aus zu sehen. "Es ist ein Abschied mit Stil", sagt Detlef Koschny, Smart-1-Experte bei der Esa im niederländischen Noordwijk.

Raumfahrtfreunde, die am Sonntagmorgen von Deutschland aus das Ende der Raummission beobachten wollen, haben allerdings schlechte Karten. Wie der Esa-Wissenschaftler erklärt, wird der Absturz der Raumsonde mit optischen Mitteln nur von Südamerika und Hawaii aus zu beobachten sein.

Gezeichnet von den Narben der Einschläge

Vom europäischen Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt aus zündeten die Missionschefs und Flugingenieure im Juni mehrmals die Triebwerke, um eine günstige Zeit und den besten Ort für den Aufprall der Sonde zu ermöglichen. Sonst schlüge sie auf der erdabgewandten Mondseite auf.

Der Krater, den der europäische Besucher schlagen wird, dürfte mit drei bis zehn Metern Breite eher bescheiden ausfallen. Das schafft schon ein nur ein Kilogramm schwerer Meteorit, der in der Regel deutlich schneller durchs All rast. "Von den Narben solcher Einschläge ist der Mond gezeichnet", erklärt "SMART-1"- Projektwissenschaftler Bernard Foing.

Amie und Oban haben gute Arbeit geleistet

Knapp eineinhalb Jahre lang hat sich Smart-1 der Mondforschung gewidmet. Sensationell Neues wurde während der rund 120 Millionen Euro teuren Mission nicht gefunden, wie die Esa offen zugibt. "Wissenschaftlich ist kein großer Durchbruch gelungen", sagt auch Koschny.

Im Vordergrund stand bei der Mondmission der Einsatz einer Vielzahl neuer Geräte, die in den nächsten Jahrzehnten Raumschiffe besser und effizienter machen sollen. So konnte die Esa nach eigenen Angaben erfolgreich Oban (On-Board Autonomous Navigation) testen, ein autonomes Navigationssystem, das es einem unbemannten Raumschiff erlaubt, selbstständig den Weg durchs All zu finden. Bilder vom Mond in bislang unerreichter Qualität lieferte die digitale Miniaturkamera Amie (Asteroid-Moon Micro-Imager Experiment), mit deren Hilfe der Erdtrabant komplett neu kartografiert werden konnte.

Auf Anhieb geklappt hat nach Koschnys Worten auch der Einsatz eines neuen Kommunikationssystems auf Laserbasis. Dabei wurde zwischen der Sonde und einer Bodenstation auf Teneriffa einer Verbindung aus Laserlicht etabliert, die es erlaubte, deutlich höhere Datenmengen auszutauschen als bei konventionellem Funkverkehr, wie der Wissenschaftler erklärt: "Das ist wie das Umsteigen von ISDN auf DSL."

Idealer Platz für Robot-Dorf entdeckt

Begeistert ist Projektleiter Foing vor allem von einem: Smart-1 entdeckte nahe am Nordpol des Mondes ein Gebiet, in dem die Sonne immer scheint, also auch im lunaren Winter. "Diese Region des ewigen Lichts könnte der ideale Landeplatz sein, um dort ein Robot-Dorf und später dann eine Siedlung für Menschen aufzubauen", erläutert Foing.

Das Fünf-Liter-Auto unter den Raumschiffen

Auch einen Weltrekord im Spritsparen dürfte Smart-1 aufgestellt haben. Insgesamt ein Jahr lang kurvte die im September 2003 gestartete Sonde durch das Weltall, bevor sie in eine Umlaufbahn um den Mond einschwenkte. Für diese 100 Millionen Kilometer lange Reise brauchte die Sonde nicht mehr als 60 Liter Treibstoff. "Smart-1 ist das Fünf-Liter-Auto unter den Raumschiffen", erklärt Koschny.

Erstmals erprobte die Esa bei Smart-1 ein so genanntes Ionentriebwerk. Der Raketenmotor arbeitete mit dem Edelgas Xenon, dessen Atome elektrisch geladen und auf etwa 16.000 Stundenkilometer beschleunigt wurden. Ionentriebwerke gelten als Schlüsseltechnologie für künftige interplanetare Raummissionen. Zwar ist ihr Schub gering, doch im Gegensatz zu Feststoff- oder Flüssigraketen, die nach wenigen Minuten abgebrannt sind, können Ionentriebwerke jahrelang arbeiten und dabei das Raumschiff mehr und mehr beschleunigen.

Ursprünglich sollte die Mission bereits im Sommer 2005 zu Ende gehen. Doch weil die Raumsonde zu vorzüglich funktionierte, bewilligte die Europäische Raumfahrtagentur einen Budgetnachschlag von rund zehn Millionen Euro und ermöglichte so eine Verlängerung um ein Jahr. Traurig über das nun endgültige Missionsende seien die Smart-1 betreuenden Wissenschaftler aber nicht, erklärt Koschny: "Irgendwann ist Schluss bei allen Missionen."

DPA/AP AP DPA

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