VG-Wort Pixel

Zukunft auf dem Mars Esa und Nasa arbeiten Hand in Hand


Das vorletzte europäische Versorgungsschiff ist auf dem Weg zur ISS. Einen direkten Nachfolger wird es nicht geben, dafür aber ein großes Abenteuer mit der Nasa. Die Vision: Astronauten auf dem Mars.

Ein riesiger orangegelber Feuerschein erhellt den abenddunklen Tropenhimmel, ein dumpfes Grollen wird zu einem furchterregenden Dröhnen. Wenig später bebt selbst in sechs Kilometern Entfernung von der Abschussrampe noch der Dschungel-Boden: Nach einem Traumstart im südamerikanischen Kourou ist Europas bisher schwerster Raumtransporter auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS. Die Erfolgsgeschichte des in Bremen gebauten Versorgungsschiffes neigt sich allerdings dem Ende entgegen. Der in der Nacht zum Donnerstag gestartete Transporter vom Typ ATV ist der vorletzte seiner Art. Nach 2014 werden nur noch US-amerikanische, russische oder japanische Transporter zur ISS fliegen.

Die Frage nach dem Warum beantwortet die europäische Raumfahrtorganisation Esa mit einer Mischung aus leichter Enttäuschung und Stolz. Knappe Kassen in den Mitgliedsländern der Raumfahrtorganisation zwangen sie dazu, das ATV-Programm früher als ursprünglich geplant aufzugeben. Gleichzeitig eröffnete dieser Schritt aber die Möglichkeit zu einer außergewöhnlichen Kooperation. Mit den Amerikanern wird nun ein bemanntes Raumschiff entwickelt, das Astronauten viel weiter als bis zur ISS ins All bringen soll.

"Das ist das erste Mal in der Geschichte, dass die große Nasa, die zwölf Leute auf dem Mond hatte, mit der Esa zusammenarbeitet, um ein neues Fahrzeug zu entwickeln", kommentiert Esa-Chef Jean-Jacques Dordain zum Start des vorletzten ATV. Die erste unbemannte Orion-Kapsel soll bereits 2017 im All sein und nach einem Flug um den Mond wieder zur Erde zurückkehren, der Start der ersten bemannten Orion-Mission ist um 2020 herum geplant.

"Das Ziel ist weit am Horizont"

"Das ist eine fantastische Perspektive. Man darf nicht vergessen, das Ziel weit am Horizont ist, dass wir in zwei, vielleicht in drei Jahrzehnten mal Menschen zu unserem Nachbarplaneten Mars schicken", sagt der frühere deutsche Astronaut Thomas Reiter. Für weitere ATV und das auch MPCV genannte Orion-Projekt sei einfach nicht genug Geld dagewesen. Rund 450 Millionen Euro kostet die aktuelle "Albert Einstein"-Mission. Etwas weniger als die Hälfte davon hat der Bau des Transporters verschlungen.

Selbst bei den am ATV beteiligten Astrium-Mitarbeitern aus Bremen will noch keine echte Wehmut aufkommen. Sie verfolgten am Donnerstag "wie immer mit Gänsehaut" den Start ihres "Albert Einstein", sind nach bis zu neun Monaten Arbeit am europäischen Weltraumzentrum in Französisch-Guayana aber froh, wieder in die deutsche Heimat zurückzukehren. Das tropische Klima sei klasse, leider gebe es aber in Kourou viel Kriminalität, erzählt die 53-jährige Konfigurationsmanagerin Anja Aorzizky. Der 36 Jahre alte Ingenieur Martin Menzel sieht es ähnlich. "Da steckt ungeheuer viel Arbeit, Herzblut und Schweiß drin", sagt er mit Blick auf das ATV. Jetzt sei er aber glücklich, dass es wieder nach Hause gehe.

Für die internationale Crew auf der ISS haben er und sein Team ganze Arbeit geleistet. Wenn weiter alles glatt läuft, wird "Albert Einstein" am 15. Juni an der in rund 400 Kilometern Höhe um die Erde kreisenden Station festmachen und neben Experimentiermaterial frisches Wasser, frischen Sauerstoff und frische Kleidung liefern. Zudem sind italienische Köstlichkeiten wie Tiramisu und Parmesankäse an Bord. Seit Ende Mai lebt neben drei Russen und zwei Amerikanern auch ein italienischer Astronaut auf der ISS.

Ansgar Haase, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker