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BUND: Reinheitsgebot für Muttermilch

Stillen gilt als die natürlichste Art, sein Kind zu ernähren. Trotzdem enthält Muttermilch durchaus unnatürliche Bestandteile. Deswegen fordert der BUND ein Reinheitsgebot für Muttermilch.

In Muttermilch werden immer mehr Schadstoffe gefunden. Laut einer Studie der Umweltorganisation BUND lassen sich über 300 Industriechemikalien in Muttermilch nachweisen. Während die Belastung mit giftigen Substanzen wie PCB, DDT und Dioxinen auf Grund von Verboten zurückgehe, würden immer mehr neue gefährliche Stoffgruppen wie Weichmacher, Flammschutzmittel und Duftstoffe entdeckt. Die Umweltschützer forderten deshalb eine Reform der europäischen Chemikalienpolitik.

In der BUND-Studie wurden erstmals sämtliche Ergebnisse von Muttermilchuntersuchungen der vergangenen Jahre zusammengefasst. Muttermilch ist ein starker Indikator für die Belastung mit Chemikalien, denn viele Stoffe werden vom Körper nicht abgebaut, sondern reichern sich in den Fettreserven an. Wenn diese für die Milchfettbildung mobilisiert werden, gelangen auch die Schadstoffe in die Muttermilch. Dadurch nehmen vor allem Erstgeborene älterer Mütter beim Stillen eine große Portion Chemikalien auf. Darüber hinaus sind die Schadstoffe auch im Blutserum der Mütter nachzuweisen und könnten teilweise über die Plazenta das ungeborene Kind erreichen.

Keine Grenzwerte für Duftstoffe

Noch im Alter von neun bis elf Jahren seien gestillte Kinder bis zu 20 Prozent höher belastet als Kinder gleichen Alters, die mit der Flasche ernährt wurden, sagte BUND-Chemieexpertin Patricia Cameron. Für bestimmte Chemikalien, etwa Duftstoffe, gebe es noch nicht einmal Grenzwerte. Trotz der Belastungen in der Muttermilch spricht sich der BUND für das Stillen aus. Schadstoffe hätten aber in der Muttermilch nichts zu suchen. "Das Reinheitsgebot muss auch für Muttermilch gelten", sagte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt.

Als besonders gefährlich schätzt der BUND moderne Flammschutzmittel und Weichmacher ein, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen oder die männliche Fruchtbarkeit zu stören. Polybromierte Diethylether (PBDE) zum Beispiel werden zum Flammschutz vor allem in Elektroartikeln, Kunststoffen und Textilien eingesetzt. 2003 lag der weltweite Verbrauch bei 70.000 Tonnen im Jahr. Seit den 70er Jahren hat sich die durchschnittliche PDBE-Belastung der Muttermilch alle fünf Jahre verdoppelt.

AP/DPA / AP / DPA