Die Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, wurde vor einigen Jahren durch die "Ice Bucket Challenge" berühmt: In den sozialen Netzwerken filmten sich viele Menschen – darunter auch einige Prominente –, wie sie sich mit einem Eimer eiskalten Wassers überschütteten. Die Aktion sollte auf die Nervenkrankheit aufmerksam machen und Spenden für weitere Forschung generieren.
ALS gilt nach wie vor als unheilbar, dennoch macht die Wissenschaft Fortschritte. Zum Beispiel, wenn es darum geht, den Patient:innen das Leben mit der Krankheit zu erleichtern: Forscher:innen aus verschiedenen Ländern – darunter auch mehrere Wissenschaftler aus Deutschland – haben ein Implantat entwickelt, dass es einem vollständig Gelähmten möglich macht, mit der Außenwelt zu kommunizieren.
ALS-Patient mit "Locked-In-Syndrom"
Es handelt sich laut der Studie, die im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlicht wurde, um einen 36 Jahre alten Patienten aus Deutschland, bei dem 2015 ALS festgestellt wurde. Zunächst kommunizierte der Mann noch über ein System, bei dem er verschiedene Buchstaben mit Bewegungen der Augen anwählen konnte. Als seine Krankheit weiter fortschritt, war das nicht mehr möglich. Der Patient entwickelte ein sogenanntes "Locked-In-Syndrom": Er war körperlich komplett gelähmt, geistig aber noch bei vollem Bewusstsein.
Die Forscher implantierten dem Mann 2019 1,5 Millimeter große Elektroden in seinen Motorcortex, den Teil des Gehirns also, der für Motorik und Bewegungen zuständig ist. Die Hirnforscher Uwal Chaudhary von der ALS Voice GmbH in Mössingen sowie Nils Birnbaumer von der Universität Tübingen spielten dem Patienten seine eigenen Hirnströme vor, damit dieser lernen konnte, sie zu kontrollieren.
Die wichtigsten Waffen der Medizin gegen Krebs
Bei den meisten örtlich begrenzten Tumoren ist eine Operation die wichtigste Behandlung – und oft der erste Schritt. Ziel ist es, das von Krebs befallene Gewebe möglichst vollständig zu entfernen. Chirurg entnehmen auch angrenzende, gesunde Gewebe, in die womöglich schon Tumorzellen eingedrungen sind, ebenso dazugehörige Lymphknoten, weil sich Metastasen hier oft zuerst bilden. Die Ärzte gehen hierbei so schonend wie möglich vor und versuchen, das betroffene Organ und seine Funktion weitgehend zu erhalten. Nicht immer braucht es eine offene Operation, manchmal reicht heute auch ein minimal-invasiver Eingriff, bekannt als Schlüsselloch-Chirurgie, etwa bei Tumoren im Magen und Darm oder bei Gebärmutterhalskrebs. Der Arzt setzt dann nur einen kleinen Schnitt, durch den er chirurgische Geräte sowie eine kleine Kamera in den Körper einführen kann.
Mann kann wieder mit seinem Sohn kommunizieren
Die Kommunikation läuft über ein akustisches Signal: Stellt das Implantat eine verstärkte Gehirnaktivität fest, ertönt ein ansteigender Ton, das bedeutet "Ja". Bei sinkender Aktivität sinkt auch der Ton ab, das Zeichen für "Nein". Der Patient habe nur zwei Tage gebraucht, um diese Technik zu beherrschen. Mittlerweile könne er so Worte und Sätze bilden, berichten die Forschenden. Mit einem seiner ersten Sätze soll er demnach seinen Sohn gefragt haben: "willst du mit mir bald disneys robin hood anschauen".
Noch dauert es jedes Mal Minuten, bis der 36-Jährige ein Wort gebildet hat. Dennoch bietet die Methode eine neuartige Möglichkeit für gelähmte Patienten, sich auszudrücken. Und auch der Patient scheint hochzufrieden damit zu sein: "Jungs, es funktioniert gerade so mühelos", teilte er seiner Familie und den Forschenden über das System mit.
ALS ist eine schwere Erkrankung des Nervensystems, für die es bisher kein Heilmittel gibt. Sie äußert sich zuerst durch Muskelschwäche, Muskelschwund und Muskelsteifigkeit. Die Lähmung der Muskulatur schreitet dann zumeist weiter fort. Weltweit erkranken jedes Jahr ein bis zwei Personen pro 100.000 Menschen neu an ALS.
Quelle: "Nature Communications"