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Eisenstange durchstößt Kopf: Warum Eduardo Leite diesen Horrorunfall überlebte

Eine lange Eisenstange durchbohrt den Schädel des brasilianischen Bauarbeiters Eduardo Leite. Er überlebt. Ein Notfallmediziner erklärt, wie so etwas möglich ist.

Von Martina Janning

Bei dem Anblick dürfte seinen Kollegen auf dem Bau der Atem gestockt haben. Eine 1,80 Meter lange Eisenstange durchbohrte den Kopf des Bauarbeiters Eduardo Leite. Doch der Brasilianer lebt und scheint keine schweren Verletzungen davongetragen zu haben. "Das ist ein richtiges Wunder", urteilt Christoph Dodt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA). "Wenn etwas den Schädel durchdringt, sind die Überlebenschancen sehr gering." Problematisch seien besonders auch die Blutungen, die damit einhergehen. "Da der Schädel nicht ausdehnbar ist, kann der Druck einer Blutung Hirngewebe zerstören. Das führt zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tod."

Der Unfall ereignete sich in der vergangenen Woche in Rio de Janeiro auf der Baustelle eines Hauses. Die Stange stürzte aus dem fünften Stock in die Tiefe. Sie durchschlug den Helm des 24-jährigen Bauarbeiters, drang in seinen Hinterkopf ein und kam zwischen seinen Augen wieder heraus. Leite wurde mit der Stange im Kopf und blutbedecktem Gesicht in die Miguel-Couto-Klinik von Rio de Janeiro gebracht; er soll keine Schmerzen gespürt haben, heißt es. Glück für Leite, dass sich vorher niemand an der Stange zu schaffen gemacht hatte. "Bei Kopfverletzungen sollten Unfallhelfer Gegenstände niemals aus dem Schädel ziehen", betont Notfallmediziner Dodt.

Die Ärzte im Krankenhaus brauchten fünf Stunden, um das Metall zu entfernen. Sie öffneten Leites Schädel und untersuchten sein Gehirn. Dann entschied der Chirurg, die Stange in derselben Richtung herauszuziehen, in die sie eingedrungen war.

Leite entging nur knapp dem Verlust eines Auges

Leite hat den Eingriff offenbar gut überstanden. Er sei bei klarem Verstand und scheine keine schweren Nachwirkungen zu haben, berichten die Klinikärzte. "Wahrscheinlich ist die Eisenstange durch das Weichgewebe eingedrungen und hat die wichtigen Teile des Gehirns, die tiefer und in der Mitte liegen, nicht berührt", sagt Dodt.

Der Bauarbeiter hat wohl tatsächlich Glück gehabt: Wäre die Stange bloß ein wenig anders in den Schädel eingedrungen, hätte Leite ein Auge verloren und wäre halbseitig gelähmt geblieben, berichtete ein Klinikarzt dem brasilianischen Fernsehsender Globo TV. Stattdessen traf die Eisenstange keine Hirnbereiche, die für das Sprechen, das Sehen oder den Gleichgewichtssinn zuständig sind.

Von Martina Janning
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